Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

INTERNET: «Die Ruag ist ein interessantes Objekt»

Der Bund sei ungenügend auf Cyber-Attacken vorbereitet, kritisiert Peter Regli. Ihn erstaunt die Attacke auf die Ruag nicht.
Interview Denise Lachat
Der ehemalige Chef des Schweizer Geheimdienstes, Peter Regli, glaubt, dass der Bund ungenügend auf Cyber-Attacken vorbereitet sei. (Bild: Archiv / Keystone)

Der ehemalige Chef des Schweizer Geheimdienstes, Peter Regli, glaubt, dass der Bund ungenügend auf Cyber-Attacken vorbereitet sei. (Bild: Archiv / Keystone)

Herr Regli, ausgerechnet die Ruag, die selber Lösungen zur Internet-­Sicherheit anbietet, wurde Opfer eines Hacker-Angriffs. Was sagen Sie dazu?

Peter Regli: Ich bin nicht wirklich überrascht. In der Forschung und Entwicklung oder im Bereich der Finanzwelt tätige Schweizer Organisationen, Firmen und Hochschulen sind für fremde Staaten und ihre Dienste interessant. Es ist heute nun einmal so, dass es sehr schwierig ist, im Bereich der Cyber-Sicherheit Schritt zu halten. Die Entwicklung verläuft rasant.

Was macht denn die Ruag besonders interessant?

Regli: Wir können natürlich nur spekulieren, ob es um Nachrichtenbeschaffung im Sinne der Industriespionage geht. Das könnte hier aber der Fall sein. Die Ruag als international vernetztes Unternehmen, mit Kompetenzen in der Weltraum- und der Kampfflugzeugtechnik und mit eigener Forschungsorganisation, ist ein interessantes Objekt.

Für wen?

Regli: Etwa für Staaten wie Russland, das in der Medienmitteilung des Verteidigungsdepartements (VBS) ja explizit genannt wurde. Für solche Länder sind sämtliche technologischen Entwicklungen Gold wert. Russland und in ähnlicher Weise China sind gegenüber dem Westen technologisch im Rückstand und beauftragen ihre Nachrichtendienste damit, andere auszuspähen. Die so gewonnene Erkenntnis spart Zeit und Geld in der eigenen Forschung. Darum kommen Länder wie die Schweiz nicht darum herum, Forschung und Entwicklung stetig voranzutreiben, um selber einen Vorsprung zu haben. Das ist ein ständiger Wettlauf.

Staaten wie Russland sind also auf neuste Technologien aus, selber aber top, wenn es um Cyber-Attacken geht?

Regli: Für kleine demokratische Staaten wie eben auch die Schweiz ist die Cyber-Sicherheit eine enorme Herausforderung. Russland, China oder die USA können auf ein gewaltiges Reservoir an Spezialisten zurückgreifen – ihre Möglichkeiten sind fast unbeschränkt. Die US-Nachrichtendienste etwa holen sich problemlos Tausende Informatik-Spezialisten von den amerikanischen Universitäten.

Wo steht die Schweiz?

Regli: Wenn das neue Nachrichtendienstgesetz, was ich selber inständig hoffe, im September an der Urne gutgeheissen wird, dann dauert es noch eine Weile, bis es tatsächlich umgesetzt werden kann. Die IT-Spezialisten findet man nicht auf dem Berner Bundesplatz – schon gar nicht, wenn diese in die Finanz- und die Bankenwelt ziehen, wo sie salärmässig vergoldet werden.

Neben der Ruag war ja auch das VBS Ziel einer Cyber-Attacke.

Regli: Ja, wie zuvor bereits das Aussen- und das Finanzdepartement, das EDA und das EFD. Die Bundesverwaltung ist ungenügend auf Cyber-Attacken vorbereitet. Zwar hat der Bundesrat vor rund drei Jahren eine gemeinsame Cyber-Strategie verabschiedet, doch dann sprachen EDA und EFD die Mittel nicht, und man fiel zurück auf Feld eins. Seither werkelte jedes Departement für sich weiter. Der Chef VBS und insbesondere die Armee gehen die Sache nun aber seriös und gezielt an.

Ruag Opfer von Hacker-Angriffen

Der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag ist Opfer eines Cyber-Spionage-Angriffs geworden. Es wird vermutet, dass Russland dahintersteckt. Die parlamentarische Oberaufsicht beurteilt den Angriff als gravierend, der Schaden ist unklar.

Attacken seit 2014

Die Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» berichteten am Mittwoch über den Vorfall. Verteidigungsminister Guy Parmelin bestätigte die Informationen. «Die Angriffe dienten der Industriespionage», sagte er. Gemäss nachrichtendienstlichen Erkenntnissen begann der Angriff im Dezember 2014 und blieb lange unbemerkt. Der Nachrichtendienst reagierte im Januar 2016.

Spionagesoftware gefunden

Er informierte die Bundesanwaltschaft über den Verdacht, dass Computer der Ruag mit einer Spionagesoftware infiziert worden seien. Der Bundesrat beauftragte seinen Sicherheitsausschuss, alle notwendigen Sofortmassnahmen zu treffen, um die Sicherheit von Informationen und Personen zu gewährleisten. Am 23. März hat der Bundesrat dann 14 kurz- und mittelfristige Massnahmen beschlossen.

Interview Denise Lachat

Hinweis

Peter Regli (71) war von 1991 bis 1999 Chef des Schweizerischen Nachrichtendienstes. Im Jahr 2000 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand entlassen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.