Kommentar
Ist St.Gallen Hauptstadt oder bloss ein grosses Dorf? Maria Pappa wagt den Hosenlupf mit dem Kanton

Braucht der Kanton St.Gallen eine Hauptstadtpolitik? Ja, findet Maria Pappa. Und sie hat recht damit.

Stefan Schmid
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St.Gallens neue Stadtpräsidentin Maria Pappa.

St.Gallens neue Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Bild: Raphael Rohner

Welche Hauptstadt wollen wir? Die brisante Frage stellt St.Gallens neue Stadtpräsidentin Maria Pappa. Der Stein des Anstosses: eigentlich eine Bagatelle.

Stefan Schmid

Stefan Schmid

Bild:Hanspeter Schiess

Die Kantonsregierung will das Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe von St. Gallen nach Rorschach verlegen. Ist günstiger dort. Da haben die Sparfüchse zugeschlagen. Pappa kritisiert zu recht, dass der Kanton damit die Absicht der Stadt hintertreibe, rund ums Kantonsspital einen Schwerpunkt mit Firmen aus dem Gesundheitsbereich anzusiedeln.

Doch es geht um mehr: Will dieser Kanton seine Kräfte weiterhin verzetteln, indem er es allen Regionen irgendwie recht machen will, ja angesichts der Zentrifugalkräfte auch recht machen muss? Oder hat man trotz schwieriger Geografie den Mut, die Hauptstadt bewusst strategisch zu stärken?

Die Ostschweiz hat im Wettbewerb der Regionen bessere Karten mit einem attraktiven Zentrum. Eine Hauptstadt, die lebt, die sich weiter entwickelt, die vielfältige Angebote bereithält.

Das zieht junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte an – und hält diese hier.

Wir stoppen die Abwanderung nach Zürich nicht mit der Provinzialisierung der Ostschweiz.

Nüchtern betrachtet, dürfte es für die Stadt schwierig werden, mehr vom Kuchen zu bekommen. Das Land ist im Kantonsrat in der Mehrheit. Die urbanen Zentren – nebst St. Gallen vielleicht noch Wil und Rapperswil – sind in der Summe zu schwach, um der kantonalen Politik den Stempel aufzudrücken.

Maria Pappa müsste es also gelingen, die Landbevölkerung und deren politische Repräsentanten für eine mutigere Hauptstadtpolitik zu gewinnen – im Interesse der ganzen Ostschweiz. Eine schwierige, wenn auch nicht unlösbare Aufgabe.

So berechtigt die Kritik am Kanton ist: Dabei darf man es nicht bewenden lassen. Wichtiger sind hartnäckige Überzeugungsarbeit, geschickte Allianzen und ein Gespür für das richtige Vorgehen. Die Regierung krebst beim Standortentscheid bereits zurück. Eins zu null für Maria Pappa.

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