Pro & Contra

Jagdgesetz: Für den Schutz vor Wölfen oder für den Schutz von Wölfen?

SVP-Nationalrätin Monika Rüegger unterstützt das revidierte Jagdgesetz, Grünen-Nationalrat Michael Töngi lehnt es ab.

Drucken
Teilen

Pro: «Das Gesetz bringt Sicherheit für die Alpwirtschaft»

Monika Rüegger (Nationalrätin SVP / OW)

Monika Rüegger (Nationalrätin SVP / OW)

Bild: PD

Die Bestände geschützter Arten wie Wolf, Biber oder Höckerschwan haben in den letzten Jahren stark zugenommen; die Tiere haben punktuell aber auch grosse Schäden angerichtet. Das revidierte Jagdgesetz erlaubt es den Kantonen und ihren Wildhütern, geschützte Arten wie den Wolf oder den Steinbock nach Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt zu regulieren, ohne sie in ihren Beständen zu gefährden.

In den Bergkantonen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Wildtieren, Nutztieren und Menschen. Unter Einbezug der topografischen Verhältnisse, die teilweise eine grosse Herausforderung darstellen, schützen die Bauern ihre Herden mit Hirten, Zäunen und Herdeschutztieren. Trotzdem reissen Grossraubtiere landwirtschaftliche Nutztiere, im Jahr 2018 beispielsweise waren es gegen 600. Ein grosser Verlust für die Bauern, nicht nur finanziell – auch emotional. Das revidierte Jagdgesetz bringt Sicherheit für die Alpwirtschaft, für die Bauernfamilien, deren Kühe, Rinder und Schafe. Es bringt Sicherheit für touristisch und landwirtschaftlich genutzte Berggebiete.

Jäger und Bauern pflegen die Landschaft und Traditionen, mit viel Fachwissen, handwerklichem Können und grossem Respekt vor Tier und Natur. Die Bewirtschaftung und Pflege der Alp- und Berglandwirtschaft ist für Einheimische und Gäste von grosser Bedeutung. In Gegenden höher gelegener Alpen mit häufigem Wolfsriss meiden Bauern heute schon das Abweiden der Alpweiden durch Schafe und Rinder. Eine Verwilderung der Landschaft ist die Folge, die typische Alpenlandschaft verliert ihren Charakter.

Das Gesetz verpflichtet Jäger, anspruchsvolle Prüfungen abzulegen und ihre Treffsicherheit regelmässig zu beweisen. Neu wird auch die Nachsuche verletzter Tiere obligatorisch.

Ein Ja zu diesem ausgewogenen, revidierten Jagdgesetz ermöglicht ein umsichtiges und konfliktfreieres Nebeneinander aller Naturnutzer, es verbessert die Lebensräume freilebender (Wild-)Tiere.

Contra: «Aus dem Schutzgesetz wurde ein Abschussgesetz»

Michael Töngi, Nationalrat (Grüne / LU)

Michael Töngi, Nationalrat (Grüne / LU)

Die Revision des Jagdgesetzes startete ganz moderat: Das Zusammenleben der Bergbevölkerung mit dem Wolf sollte verbessert werden, Abschüsse von Problemtieren erleichtert werden. Auch die Naturschutzorganisationen wehrten sich nicht gegen eine Klärung und sahen eine Chance für eine Versachlichung der Diskussionen rund um den Wolf.

Nach fünf Jahren Diskussionen haben wir jetzt das Gegenteil erreicht: Aus dem Jagd- und Schutzgesetz wurde ein Abschussgesetz. Das Gesetz ist komplizierter, unklar formuliert und vor allem: Der Schutz gefährdeter Tiere wird ausgehöhlt – die Tiere können schneller abgeschossen werden.

Das verunglückte Jagdgesetz erlaubt in Zukunft den Abschuss von geschützten Tieren, ohne dass sie einen Schaden anrichteten. Ein Nachweis, dass im Voraus Massnahmen ergriffen wurden, wie etwa Herdenschutz, ist nicht mehr nötig. Bereits ein «wahrscheinlicher» Schaden genügt für den Abschuss. Selbst in Wildtierschutzgebieten könnte bedrohten Tieren nachgestellt werden.

Neu könnten geschützte Tierarten jederzeit auf die Liste der regulierbaren Arten gesetzt werden, ohne eine Zustimmung des Parlaments oder der Stimmbevölkerung. Der Bundesrat kann mit einer Verordnungsänderung den Luchs, Biber, Fischotter oder Gänsesäger zum Abschuss frei geben.

Bisher war der Bund für die Bestandsregelung von geschützten Tieren zuständig. Neu können die Kantone alleine entscheiden – im Pilatusgebiet könnten drei Kantone widersprüchliche Entscheide für oder gegen eine Tierart fällen, als ob Wildtiere Kantonsgrenzen kennen würden. Die Biodiversität ist auch in der Schweiz unter starkem Druck. Pflanzen- und Tierarten verschwinden. Mit geeigneten Massnahmen ist ein Zusammenleben von Mensch und Wildtiere möglich und kann weiter verbessert werden: Jährlich sinkt die Zahl der Nutztiere, die pro Wolf gerissen werden.

Mit einem Nein helfen Sie mit, bedrohte Tierarten besser zu schützen.

Mehr zum Thema