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Nach Erfolg von Wecollect: Jetzt kommt die Sammelhilfe von rechts

Nach dem enormen Erfolg der linksliberalen Unterschriftenplattform Wecollect gibt es erste Nachahmer. Ein ehemaliger SVPler präsentiert eine Alternative. Sie ist offen für alle politischen Anliegen.
Roger Braun
Initiator Richard Koller, ehemaliger Sekretär der SVP Luzern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Initiator Richard Koller, ehemaliger Sekretär der SVP Luzern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Richard Koller weiss, wie es ist, von Wecollect zurückgewiesen zu werden. Vor eineinhalb Jahren lancierte der ehemalige SVP-Sekretär des Kantons Luzern seine Volksinitiative «Zuerst Arbeit für Inländer» zur Einführung eines radikalen Inländervorrangs. Das Problem war: Koller tat das im Streit mit der SVP. Er hatte keinerlei Unterstützung etablierter Parteien oder Verbänden. Deshalb fragte er bei Kampagnenspezialist Daniel Graf an, ob er dessen Onlineplattform Wecollect nutzen dürfe, um Unterschriften zu sammeln. Doch Graf winkte ab; zu wenig fortschrittlich erschien ihm das Anliegen.

Koller musste ohne das mächtige Kampagnenwerkzeug auf die Suche nach Unterschriften – und scheiterte deutlich. Vergangenen Sommer brach er die Sammlung ab. Nun schlägt er zurück. Anfang Jahr hat der Informatiker eine eigene Webseite aufgeschaltet. Er sagt: «Ich habe selbst erlebt, wie viel Geld und Arbeit eine Initiative verschlingt. Es braucht auch für bürgerliche Anliegen ein Instrument, das es den Bürgern vereinfacht, sich in die Politik einzubringen.»

Auch rechte Bürger sollen mehr Macht erhalten

Kollers Unterschriftenplattform «Wir bestimmen» ist offen für Anliegen sämtlicher politischer Strömungen. Damit unterscheidet er sich von Wecollect, das eine linksliberale Agenda verfolgt. Die aufgeschalteten Volksbegehren auf «Wir bestimmen» sind denn auch kunterbunt: die Volksinitiative gegen Waffenexporte, das Referendum gegen die EU-Waffenrichtlinie oder die CVP-Initiative zur Senkung der Gesundheitskosten, die bei Graf durchfiel. Koller sagt, er verfolge dieselbe übergeordnete Vision wie Graf. «Volksinitiativen und Referenden sollen nicht nur finanzkräftigen Organisationen offenstehen, sondern auch kleinen Gruppen von Bürgern», sagt er. Wie bei Wecollect ist es auch möglich, die Anliegen finanziell zu unterstützen.

Ob seine Plattform ebenso erfolgreich werden wird? Selbstverständlich ist das nicht. Graf verfügt inzwischen über die E-Mail-Adressen von 53000 politnahen Personen. Er hat als ehemaliger Geschäftsführer der Zürcher Grünen und Mitarbeiter von Amnesty International und der Gewerkschaft Comedia nicht nur ein grosses Netzwerk entwickelt, sondern auch viel Kampagnenwissen angehäuft. Als der Startschuss zur Waffenexport-Initiative erging, riefen zehn verbündete Organisationen gleichzeitig dazu auf, das Volksbegehren zu unterstützen – und kreierten damit einen enormen Wirbel im Internet.

Erfolgsaussichten sind unsicher

Ob Koller da mithalten kann, ist fraglich. Bisher haben sich erst gegen 100 Personen auf der Webseite eingeschrieben. Das Tuch zwischen ihm und der SVP ist zerrissen, seit er im Nachgang zur Lancierung seiner Volksinitiative sein Amt als Parteisekretär verlor. Politisch gilt er als ungeschriebenes Blatt. Koller sagt: «Ich suche derzeit Sponsoren, damit die Plattform richtig abheben kann.»

Aufgebaut hat Koller die Webseite in unbezahlter Nachtarbeit. Den Betrieb will er über den Verkauf von Werbebannern finanzieren. Später will er zudem Beratungsdienstleistungen verkaufen sowie die Beglaubigung der Unterschriften gegen Entgelt übernehmen. Gratis bleiben soll hingegen das Aufschalten der Volksbegehren.

Wecollect verzichtet auf Werbung, finanziert sich hingegen mittels Aufschaltgebühren von einigen Tausend Franken pro Komitee. Graf betont, dass er damit kein Geld verdienen möchte, sondern einzig seine Auslagen decken will.

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