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Superspreader in Zürich: Ein Drittel der angegeben Email-Adressen war falsch – Kanton fordert ID-Kontrolle

Nachdem ein Mann in einem Club in Zürich fünf Personen mit dem Coronavirus angesteckt hat, befinden sich etwa 300 Personen in Quarantäne. Die Arbeit der Behörden bei der Rückverfolgung der Infektionsketten sei massiv erschwert gewesen, heisst es nun seitens Kantons.

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(gb.) Das Contact-Tracing in Zürich ist angesichts des Superspreader-Events vom 21. Juni an den Anschlag gekommen. Wie die Gesundheitsdirektorin des Kantons, Natalie Rickli, am späten Sonntag Nachmittag an einer Medienkonferenz sagte, wurden die Contact-Tracer von den Partygängern übel beschimpft. Zudem seien viele gefälschte Email-Adressen und Telefonnummern kursiert, welche die Gäste dem Club hinterlegt hatten.

Die ebenfalls anwesende Kantonsärztin Christiane Meier sagte, etwa ein Drittel aller hinterlegten Kontaktdaten sei gefälscht gewesen. Auch hätte es lange gedauert, bis man den Clubbetreiber erreichen konnte und die Liste der anwesenden Personen bekam. Diese sei nicht vollständig gewesen. «Das ist schade und enttäuschend», sagte Meier.

«Wir werden heute Abend keine Klubs schliessen»

Für Rickli zeigen die Probleme beim Tracing die Lücken im Schutzkonzept der Bars und Klubs auf. «Leider funktioniert vieles von den Konzepten der Bar- und Klubkommission nicht.» Nächste Woche findet zwischen dem Kanton und der Szene ein Treffen statt, an dem Verbesserungen angestrebt werden sollen.

«Wir werden heute Abend keine Clubs schliessen, obwohl wir das könnten», sagte Rickli. Für sie wäre es ein gangbarer Weg künftig die ID beim Einlass zu kontrollieren, damit keine falschen Angaben zur Person gemacht werden könnten.

In der Zwischenzeit sind dem Kanton bereits mehrere neue Fälle von angesteckten Personen bekannt geworden, welche sich etwa in einem Flieger oder an Sportveranstaltungen aufgehalten hatten. Rickli und Meier appellierten schliesslich an die Bevölkerung, die Schutz- und Abstandsmassnahmen einzuhalten. «Das Virus ist kein Spass», sagte Rickli. «Nur wenn alle ihren Beitrag leisten, können wir vom Kanton unseren Job machen.»

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