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Bundesamt verbietet Ju-Air kommerzielle Passagierflüge

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat der Ju-Air die Genehmigung für kommerzielle Passagierflüge entzogen. Für ihre Vereinsmitglieder darf das Unternehmen im privaten Rahmen aber weiterhin Flüge anbieten. Mit dieser Lösung will das Bazl den Weiterbetrieb auch grösserer historischer Flugzeuge grundsätzlich ermöglichen.
Tim Naef
Ein Bild der Vergangenheit: Passagiere beim Besteigen einer Ju-52 der Ju-Air. (Bild: Keystone)

Ein Bild der Vergangenheit: Passagiere beim Besteigen einer Ju-52 der Ju-Air. (Bild: Keystone)

Nach dem Unfall einer Ju-Air-Maschine im Sommer 2018 hat das Bazl die Risiken von Passagierflügen mit Oldtimern neu beurteilt und ist zum Schluss gekommen, dass «ein kommerzieller Weiterbetrieb mit historischen Luftfahrzeugen die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt». Dieser Entscheid sei durch Fakten aus der laufenden Unfalluntersuchung gestützt, heisst es in einer Mitteilung des Bazl.

Zusätzlich werde sich die europäische Gesetzgebung für Oldtimer ab Mitte 2019 ändern und einen kommerziellen Betrieb nicht mehr zulassen. In Deutschland unterstützt die Lufthansa kommerzielle Passagierflüge mit ihrer eigenen Ju-52 ebenfalls nicht mehr, so das Bazl.

Bei Gründung der Ju-Air vor über 35 Jahren hatte das Bazl drei aus Schweizer Militärbeständen stammenden Oldtimern des Typs Junkers Ju-52 eine Betriebsbewilligung für kommerzielle Passagierflüge erteilt. Dabei wurden damals mehrere Ausnahmen für eine nationale Regelung gewährt.

Flugzeuge bleiben bis auf weiteres am Boden

Hingegen solle ein Betrieb im privaten Rahmen und unter nationalen Auflagen weiterhin möglich sein. «Im Rahmen einer Vereinslösung sollen Vereinsmitglieder, die den Erlebnisflug suchen und ein Interesse am Weiterbetrieb historischer Flugzeuge haben, weiterhin mitgeführt werden können», betont das Bazl im Communiqué.

Da Flugzeuge wie die Junkers Ju-52 eine grössere Zahl von Passagieren befördern können, müssen sie technisch und operationell höhere Anforderungen erfüllen als kleinere Oldtimerflugzeuge. Erschwerend kommt bei den Ju-52 hinzu, dass es keinen Hersteller mehr gibt, der für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit verantwortlich ist. «Das Bazl ist wie andere nationale Aufsichtsbehörden schon aus Ressourcengründen nicht in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen» heisst es. Die privaten Betreiber von grossen Oldtimerflugzeugen müssten sich daher entweder selbst dieses Fachwissen aneignen oder diese Aufgabe an einen externen Betrieb delegieren.

«Da die Ju-Air die die vom BAZL geforderten technischen Massnahmen noch nicht vollständig erfüllen kann, bleiben ihre Oldtimerflugzeuge weiterhin am Boden.» Solange lassen sich aus Sicht des BAZL auch keine Aussagen über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Flugbetriebes durch die Ju-Air machen.

Ju-Air: Sicherheit oberste Priorität

Die Ju-Air erklärte am Dienstag, die Weisung des Bazl bedeute für Flüge in der Schweiz keine wesentliche Änderung. Bereits heute seien fast 100 Prozent der Passagiere in der Schweiz Vereinsmitglieder. Für die Ju-Air geniesse die Sicherheit des künftigen Flugbetriebs oberste Priorität. Sobald die neuen Regelungen des Bazl im Detail vorlägen, werde man sie prüfen und dann sofort an die Umsetzung gehen.

Im Übrigen gebe es nach wie vor keine Hinweise darauf, dass eine technische Ursache zum Absturz der HB-HOT im August 2018 geführt hätte. Die im vergangenen November öffentlich diskutierten Schäden am Unfallflugzeug seien laut der Unfalluntersuchungsstelle Sust allesamt keinerlei Ursache für den Unfall.

«Keine sicherheitsrelevanten Mängel»

Für den Sommer 2019 sei vorgesehen, nur ein Flugzeug einzusetzen. Es handle sich dabei um die HB-HOS, welche seit November zusätzlich zur Jahreswartung auch umfassenden Korrosionsuntersuchungen unterzogen worden sei. Mit neuen, hochauflösenden Boroskopkameras hätten die Flügelholme und auch kleinste Hohlräume in Flügeln, Leitwerken und Rumpf ausgeleuchtet und untersucht werden können.

Ein auf Materialprüfung spezialisiertes Institut habe zusätzlich sämtliche Verbindungspunkte innerhalb der Flügel durchleuchtet. Die Analysen der Untersuchungen durch die Ju-Air und unabhängige, externe Experten stünden kurz vor dem Abschluss.

Sofern keine solchen Mängel auftauchten, werde die Ju-Air beim Bazl ein Gesuch für den Flugbetrieb 2019 einreichen. Durch die Verzögerungen bei den Untersuchungen könne die Aufnahme des Flugbetriebs der HB-HOS aber nicht vor Ende Mai erfolgen.

20 Todesopfer bei Absturz

Am 4. August 2018 stürzte eine Ju-52 in der Nähe des Piz Segna in Graubünden ab. Alle 20 Insassen kommen bei dem Absturz am Piz Segnas zwischen Elm (GL) und Flims (GR) ums Leben. Das Flugzeug befand sich auf dem Rückflug von Locarno nach Dübendorf.

Drei Tage nach dem Absturz gab die Ju-Air bekannt, am 17. August den Flugbetrieb wieder aufnehmen zu wollen. Rund zwei Monate später sprach das Bazl ein Flugverbot für die beiden verbliebenen Maschinen vom Typ Ju-52 aus.

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