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Ju-Air darf nicht mehr über Städte fliegen – Für die Verantwortlichen kommt das Verbot überraschend

Hebt die «Tante Ju» dereinst wieder ab, dann nur noch privat für Vereinsmitglieder. Und um die Bevölkerung am Boden zu schützen, will der Bund Überflugverbote in dicht besiedeltem Gebiet. Nun entbrannt ein Streit über Sinn und Unsinn einer solchen Massnahme.
Daniel Fuchs
Passagiere betreten eine Ju-52 der Ju-Air in Dübendorf. (Bild: Walter Bieri/Keystone; Dübendorf, 17. August 2018)

Passagiere betreten eine Ju-52 der Ju-Air in Dübendorf. (Bild: Walter Bieri/Keystone; Dübendorf, 17. August 2018)

Eines vorweg: Noch stehen die verbliebenen drei Oldtimer-Flugzeuge mit dem Kosenamen «Tante Ju» am Boden. Im Frühling, kein Jahr nach dem Absturz einer Junkers Ju-52 bei Flims GR mit 20 Toten, wollte Ju-Air mit Sitz in Dübendorf ZH die 80-jährigen Maschinen wieder abheben lassen. Im Internet jedenfalls werden die Flüge bereits wieder angeboten.

Am Dienstag bekräftigte das zuständige Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) das im letzten Herbst verhängte Flugverbot für die Junkers-Ju-52-Maschinen. Ehe Ju-Air die Flugbewilligung zurückerlangt, muss sie eine Reihe von sicherheitstechnischen Bedingungen erfüllen, heisst es beim Bazl. «Nur wenn sie diese erfüllt, können wir schlussendlich in Kauf nehmen, dass die grossen 80-jährigen Flugzeuge noch abheben», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger.

Flüge im Frühsommer?

Ju-Air wiederum erhofft sich eine Wiederaufnahme des Betriebs noch diesen Frühsommer. Dazu muss sie dem Bazl zuerst einen Antrag schicken. Was Ju-Air bislang jedoch noch nicht wusste: Das Bazl will die Ju-52-Maschinen künftig aus dichten Siedlungsgebieten verbannen.

Damit hat die Flug-Aufsichtsbehörde die Sicherheit der Bevölkerung am Boden im Blick, wie Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagt.

«Künftig sollen die Flugzeuge nicht mehr über Städte wie Luzern oder Zürich fliegen dürfen.»

Ju-Air erfährt durch diese Zeitung von der geplanten Massnahme. «Ein Flugverbot über Städten wäre Unsinn», kritisiert Sprecher Christian Gartmann. Er bejaht Flüge in der Vergangenheit über Städten wie Luzern, weist aber auf die drei Motoren der Ju-52 hin.

«Eine solche Massnahme würde vielleicht bei einer einmotorigen Maschine Sinn machen. Fällt bei ihr der Motor aus, gerät die Maschine in den Segelflug, die Handlungsoptionen sind damit beschränkt. Doch bei einer dreimotorigen Maschine wie der Ju-52 tendiert die Wahrscheinlichkeit gegen Null, dass diese nicht mehr aus besiedeltem Gebiet zu steuern wäre.»

Verschärfte Vorschriften zur Mindesflughöhe

Hinzu kommen laut Gartmann die verschärften Vorschriften zur Mindestflughöhe. Das Bazl verpflichtete Ju-Air nach dem Unfall vom letzten Sommer zu einer Minimalhöhe über der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestflughöhe.

Der Grund: Die Piloten sollten bei Problemen genügend Zeit haben, die Maschine aus dem Bereich wegzusteuern, in dem bei einer Notlandung oder bei einem Absturz Dritte gefährdet würden. «Man tut nun so, diese Flugzeuge seien gefährlich“, ärgert sich Gartmann, „dabei haben diese Flugzeuge 80 Jahre bewiesen, dass sie sicher zu betreiben sind.»

Das Warten auf das Bazl

Ju-Air wartet nun laut Sprecher Gartmann über eine rechtskräftige Verfügung des Bazl. Bisher, bemängelt er, habe man bloss Mitteilungen allgemeinen Inhalts erhalten. Aber es sei klar, so Gartmann, an die Vorgaben des Bazl müsse sich die Fluggesellschaft halten. Ju-Air hofft auf baldige Post des Bazl.

«Anfang Juni wären wir mit unserer Maschine bereit und könnten bereits wieder in die Luft», so Gartmann. Erfüllt Ju-Air sämtliche Bedingungen, dann kann die Gesellschaft einen Antrag um eine Flugbewilligung stellen.

Flüge für Mitglieder

Diese wäre neu an rein private Flüge für Mitglieder des Trägervereins Freunde der Schweizerischen Luftwaffe gekoppelt, machte das Bazl heute klar. Kommerzielle Flüge werden für Ju-Air verboten. In der Praxis würde sich damit für Ju-Air wenig ändern, betont Gartmann.

«Es war schon bisher so, dass fast 100 Prozent der Ju-Air-Passagiere Vereinsmitglieder waren.»

Nur Last-Minute-Flüge wären neu keine mehr möglich. Um die bereits geplanten Ju-52-Flüge vom kommenden Sommer auszulasten, bot Ju-Air auch Anfang Woche auf ihrer Website solche Last-Minute-Angebote an.

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