Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

JUBILÄUM: Christoph Blocher und sein netter Stichwortgeber

Seit 2007 kommentiert der SVP-Übervater wöchentlich im Plauderton das politische Geschehen in der Schweiz und im Ausland. Journalismus ist das nicht. Es kommt trotzdem an.
Richard Clavadetscher
Christoph Blocher antwortet auf Fragen eines Journalisten. (Bild: Gaetan Bally / Keystone (Zürich, 9. Mai 2014))

Christoph Blocher antwortet auf Fragen eines Journalisten. (Bild: Gaetan Bally / Keystone (Zürich, 9. Mai 2014))

Die Sendung wirkt wie aus der Zeit gefallen – und ist wohl gerade deshalb Kult: Bis zu 70000 Zuschauer schauen sie sich auch nach zehn Jahren noch an. Wöchentlich, weltweit. Die Rede ist von «Teleblocher», der «Sendung mit alt Bundesrat Christoph Blocher im Gespräch mit Dr. Matthias Ackeret, Journalist und Autor ‹Blocher-Prinzip›», so die Eigenwerbung. Zu sehen ist «Teleblocher» auf dem Schaffhauser Lokalsender sowie auf Swisscom-TV und im Internet.

Ackeret lässt in der rund 20-minütigen Sendung den früheren Bundesrat in der Regel einen politischen Wochenrückblick machen und beschränkt sich dabei aufs Stichwortgeben, was ihm immer mal wieder den Vorwurf der unjournalistischen Herangehensweise einträgt. Dies wird auch in der 500. Sendung, die heute Mittag aufgeschaltet wird, nicht anders sein. – Sei’s drum!

Die Idee, Blocher einmal pro Woche vor Kamera und Mikrofon zu holen und ihn erzählen zu lassen, stammt vom unlängst verstorbenen Schaffhauser Verleger Norbert Neininger. «Norbert hatte da wohl die Radiosendungen eines Jean Rudolph von Salis oder des früheren Schaffhauser SP-Nationalrats Walther Bringolf im Kopf», vermutet Ackeret. Blocher wiederum, damals noch Bundesrat, war nicht überzeugt, ob das Sendekonzept funktionieren würde: «Auf die Frage, warum man Politiker nicht länger reden lasse am Fernsehen, sagte mir (der erste «Arena»-Moderator) Filippo Leutenegger seinerzeit unmissverständlich, dass die Zuschauer dann spätestens nach fünf Minuten abschalten würden.»

Hildebrand, Junker und die Darmoperation

Als Neininger dagegenhielt und insistierte, sagte Blocher schliesslich zu. Dass die Sendung, ursprünglich für ein Jahr geplant, auf Anhieb «funktionierte» und es bis heute tut, schreibt Ackeret der «kommunikativen Genialität Blochers» zu: «Er kann kurzweilig und anekdotenreich erzählen, und er lässt immer mal wieder etwas Spektakuläres fallen.» Blochers Abwahl aus dem Bundesrat war auf «Teleblocher» ebenso Thema, und dies «aus erster Hand», wie auch die Affäre Hildebrand, des früheren Nationalbankpräsidenten, oder die Auseinandersetzung mit Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident. Aber auch Persönliches gibt Blocher schon mal preis – etwa, dass er während seiner Bundesratszeit eine Darmoperation zu überstehen hatte. Davon wusste zuvor niemand, weil Ärzte und Pflegepersonal dichthielten.

Aus den vielen Rückmeldungen weiss Blocher längst, was seine Zuschauer hören wollen: nicht nur seine Interpretation der Ereignisse. «Man schätzt es, wenn ich das Geschehene in einen grösseren Zusammenhang stelle und erkläre», sagt er. Insbesondere die Auslandschweizer seien dankbar dafür.

Ein Jahrzehnt «Teleblocher» nun also, und dies Woche für Woche. Ein einziges Mal nur ist die Sendung ausgefallen – als Christoph Blocher kürzlich im Bundeshaus ausrutschte, aufs Gesicht fiel und sich die Nase operieren lassen musste. Wie lange wird es die Sendung denn noch geben? Matthias Ackeret macht sich darüber keine Gedanken: «Im Moment läuft sie, und sie hat stabile Zuschauerzahlen.» Auch Christoph Blocher, inzwischen 76 Jahre alt, mag sich nicht festlegen: Er mache es, so lange er etwas zu sagen habe und er bei den Zuschauern ein Bedürfnis spüre.

Dass dieses Bedürfnis immer noch besteht, weiss Blocher aus einfachem Grund: Wenn die Sendung einmal verspätet aufgeschaltet wird im Internet, klingelt bei ihm prompt pausenlos das Telefon: Wann denn nun endlich die neue Folge von «Teleblocher» zu sehen sei, wollen die Leute dann jeweils wissen.

Richard Clavadetscher

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.