Juso-Chefin: «Wirtschaftsminister Parmelin sind Investitionen in die Flugbranche wichtiger als Lehrstellen für Jugendliche»

5000 bis 20000 Lehrstellen könnten bald fehlen. Die Juso fordert den Bundesrat nun auf, rasch zu handeln. Wenn sich die Politik jetzt nicht bewegt, wird die Zukunft einer ganzen Generation aufs Spiel gesetzt, sagt Juso-Präsidentin Ronja Jansen.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
"Bundesrat Parmelin sind Investitionen in die Flugbranche wichtiger als Investitionen in die Jugendlichen", sagt Juso-Chefin Ronja Jansen.

"Bundesrat Parmelin sind Investitionen in die Flugbranche wichtiger als Investitionen in die Jugendlichen", sagt Juso-Chefin Ronja Jansen.

zvg

Aufgrund der Coronakrise könnten bald 5000 bis 20000 Lehrstellen fehlen. Bereitet Ihnen die Zukunft Ihrer Generation Sorgen?

Wir erhalten sehr viele Rückmeldungen von jungen Menschen, die ernsthafte Zukunftsängste haben. Wenn sich die Politik jetzt nicht bewegt, wird die Zukunft einer ganzen Generation aufs Spiel gesetzt.

Ein Beamter aus dem Departement von Wirtschaftsminister Guy Parmelin sagte gegenüber CH Media, Jugendliche dürften jetzt nicht dem „Traum von der Lieblingslehrstelle“, nachrennen, sondern sollten auch die zweitbeste Lehrstelle annehmen.


Über diese Aussage herrscht grosses Unverständnis bei uns. Es kann nicht sein, dass unzählige Jugendliche zurückstecken müssen und nicht die Ausbildung machen können, die sie möchten. Und dies nur, weil Bundesrat Parmelin die Investitionen in die Flugbranche wichtiger sind als in die Jugendlichen. Diese haben leider keine so mächtige Lobby wie die Flugbranche.

Muss man sich nicht zwangsläufig anpassen, wenn die Traumlehrstelle fehlt?

Nein, das ist keine Option. Die Lehrstelle ist eine wichtige Weichenstellung für das ganze Leben. Es darf nicht sein, dass Jugendliche ein Leben lang den Preis dafür zu zahlen haben, nur weil sie zufällig während der Krise aus der Schule gekommen sind. Andere Branchen werden gerettet. Da geht es gar nicht, den Jungen zu sagen: „Ihr müsst selbst schauen, Pech gehabt.“

Was erwarten Sie?

Wir erwarten, dass sich der Bundesrat stärker für Lehrstellen einsetzt. Es braucht jetzt Massnahmen. Zum Beispiel die Abgabe eines Zukunftsrappens auf jeden Franken Unternehmensgewinn. Damit könnte man Weiterbildungen finanzieren oder Betriebe unterstützen, damit sie Lehrstellen anbieten.

Damit werden Unternehmen noch mehr belastet.

Nein, damit werden jene zur Kasse gebeten, die Gewinne einstreichen in dieser Krise. Die letzten Wochen haben gezeigt, wer für den Wohlstand unserer Gesellschaft verantwortlich ist: Es sind die Lohnabhängigen wie beispielsweise die Pflegenden, nicht die Kapitalbesitzenden. Es ist jetzt sehr wichtig, die Frage zu stellen: Welche Jobs wollen wir in Zukunft? Welche Wirtschaft wollen wir? Dann müssen entsprechende Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Guy Parmelin will einen Runden Tisch für die Lehrstellenproblematik einberufen. Das ist doch ein Anfang.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass es solche Runde Tische gibt. Es müssen aber auch Betroffene, also Lernende, am Tisch sein. Und dann muss sich etwas bewegen. Guy Parmelin muss jetzt zeigen, dass die jungen Menschen ernst genommen werden.