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KAMPAGNE: Cassis übertrumpft seine Rivalen

Die FDP-Bundesratskandidaten tingeln durch die Schweiz. In Basel konnte nur einer klar sagen, wieso er das Amt will.
Roger Braun
Ignazio Cassis: «Ich möchte Bundesrat werden aus Leidenschaft.» (Bild: Urs Flüeler (Zug, 21. August 2017))

Ignazio Cassis: «Ich möchte Bundesrat werden aus Leidenschaft.» (Bild: Urs Flüeler (Zug, 21. August 2017))

Roger Braun

Zug, Basel, Freiburg: Die drei Bundesratskandidaten reisen derzeit durch die Schweiz und präsentieren sich der Bevölkerung. Runde eins ging an den Genfer Regierungsrat Pierre Maudet sowie Fraktionschef Ignazio Cassis. Nationalrätin Isabelle Moret schnitt in den Augen der Beobachter weniger gut ab. Dementsprechend gespannt durfte man sein, ob sie sich in ­Basel aufrappelt, nachdem in ihrer Kampagne die letzten beiden Wochen einiges schiefgelaufen war.

Um es kurz zu machen: Der grosse Befreiungsschlag von ­Moret blieb aus. Vielmehr unterstrich Cassis, wieso er als Favorit für die Nachfolge von Didier Burkhalter gilt. Auf die zentrale Frage nach der Motivation für den Bundesrat blieben Maudet und Moret seltsam vage. Anstatt ihre Beweggründe klarzumachen, erzählten sie wortreich, wieso sie zum Bundesrat taugten. Erfrischend direkt äusserte sich dagegen Cassis: «Ich möchte Bundesrat werden aus Leidenschaft», sagt er. «Ich will unserem schönen Land dienen.»

Cassis gibt sich dossiersicher und bewahrt Ruhe

Cassis strahlte auch am meisten Kompetenz und Vertrauen aus. Während sich Maudet häufig ins abstrakte Reich des Wolkigen begab, verlor sich Moret immer mal wieder in Detailfragen, zum Beispiel, als sie länglich über die im Parlament abgelehnten Rentenreform sprach. Cassis hingegen handelte die Themen souverän und in aller Ruhe ab.

Es war auch Cassis, der als Einziger einmal den FDP-Gottesdienst störte. Maudet hatte gefordert, dass sich die Schweizer Aussenpolitik stärker an wirtschaftlichen Zielen ausrichte. Cassis widersprach. «Aussenpolitik ist mehr als Aussenwirtschaftspolitik», sagte er. Die Politik der guten Dienste gehöre zur Schweiz wie das internationale Genf. Eine einseitige Orientierung an ökonomischen Interessen sei falsch, sagte er.

Moret auf der Suche nach Führungserfahrung

Moret punktete mit ihrer Leidenschaft. Bei der Debatte um den Inländervorrang kritisierte sie den Bundesrat dafür, einen nationalen Schwellenwert für die Meldepflicht vorzusehen, anstatt regional zu differenzieren. «Damit missachtet der Bundesrat das ­Gesetz», sagte sie. Energisch forderte sie ein Verordnungsveto für das Parlament. «Sonst macht die Verwaltung, was sie will.» Einige Zuhörer nickten anerkennend.

Bei gleicher Gelegenheit zeigte sich indes auch eine ihrer Schwächen: ihre Tendenz zum Eigenlob. Es sei ihr Minderheitsantrag aus der Kommission gewesen, der den Inländervorrang regionalisiert habe, sagte Moret. Bei anderer Gelegenheit betonte sie ihre Führungserfahrung als selbstständige Anwältin und als Präsidentin des Spitalverbands H+. Sie sei verantwortlich für 225 Spitäler der Schweiz, sagte sie – auch wenn sie für diese Spitäler lediglich politischen Einfluss nimmt. Das Argument wirkte bemühend: Zu offensichtlich ist es, dass ihr Maudet als Regierungsrat bei der Führungsverantwortung meilenweit voraus ist.

Maudet verbleibt an der Oberfläche

Maudet kam mit grossen Vorschusslorbeeren nach Basel. Innerhalb dreier Wochen hatte sich der 39-jährige Senkrechtstarter vom krassen Aussenseiter zu einem ernst zu nehmenden Kandidaten entwickelt. Dieses Mal jedoch blieb er hinter den Erwartungen zurück. Nicht kaschieren konnte er, dass er weniger nahe an der Bundespolitik ist als seine Mitstreiter. Als es um die Rentenreform ging, rief er in den Saal: «Wie nur kann eine solche Vorlage aus einem bürgerlichen Bundesrat kommen?» Es blieb dann Moret und Cassis vorbehalten zu erklären, dass es nicht der Bundesrat war, der einen AHV-Ausbau in die Vorlage eingebaut hatte, sondern das Parlament. Generell zeigte sich Maudet mehr an den grossen Linien der Politik interessiert als an Detailfragen. Er sagte Dinge wie: «Die Bundespolitik ist zu stark von Ideologien geprägt» oder «In der Aussenpolitik ist es wichtig, zuerst die Ziele festzulegen, bevor man handelt.» Schön anzuhören waren auch seine Bilder: «Wir wohnen mit der EU im gleichen Haus, aber nicht in der selben Wohnung», sagte er. Einige mögen dies staatsmännisch finden, andere als Ausweg, sich nicht klar positionieren zu müssen.

Was Maudet auf jeden Fall besitzt, ist die Aura einer natürlichen Autorität. Als er in den Saal trat, drehten sich die Köpfe nach ihm um. Der Genfer fühlt sich offensichtlich wohl im Scheinwerferlicht. Immer wieder streute er witzige Bemerkungen ein. Gab es eine offene Frage, war es meist er, der als Erster antwortete. Und als sich die Gesprächsrunde fürs Publikum öffnete, gab er das Wort gleich dem ersten Zuschauer weiter – der Moderator stand abseits.

Die letzte der drei Gesprächsrunden findet heute in Freiburg statt. Am 1. September wird die FDP-Fraktion dann eine Wahlempfehlung an das Parlament abgeben. Cassis Nomination als Tessiner ist so gut wie sicher. Bei Moret und Maudet ist das Rennen offen. Moret verfügt über ­einen Frauen-Bonus, Maudet profitiert von seiner Regierungserfahrung und seinem beherzten Wahlkampf. Möglich auch, dass die FDP-Fraktion dem Parlament alle drei zur Wahl empfiehlt. Gewählt wird der Bundesrat am 20. September.

Isabelle Moret: «Die Verwaltung macht, was sie will.» (Bild: Urs Flüeler (Zug, 21. August 2017))

Isabelle Moret: «Die Verwaltung macht, was sie will.» (Bild: Urs Flüeler (Zug, 21. August 2017))

Pierre Maudet: «Wir wohnen mit der EU im gleichen Haus, aber nicht in derselben Wohnung.»

Pierre Maudet: «Wir wohnen mit der EU im gleichen Haus, aber nicht in derselben Wohnung.»

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