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KAMPAGNE: Youtube-Videos gegen illegale Migration

Der Bund will potenzielle Einwanderer über Risiken der illegalen Migration informieren. Sogar eine Fernsehserie ist geplant. Wie viel solche Kampagnen bringen, ist umstritten.
Migranten bei der Grenzkontrolle in Chiasso. (Bild: Keystone)

Migranten bei der Grenzkontrolle in Chiasso. (Bild: Keystone)

Lukas Leuzinger

Mit einer Informationskampagne will die dänische Regierung Flüchtlinge von Dänemark fernhalten (siehe Box). Als Vorbild dient unter anderem Australien, das in Videos Bootsflüchtlingen den Tarif durchgibt: «Ihr werdet Australien nicht zu eurem Zuhause machen.»

Nicht nur Australien, auch die Schweiz richtet sich mit Bewegtbildern an Einwanderungswillige. Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren ein Spot, der am kamerunischen Fernsehen ausgestrahlt wurde und auch auf der Videoplattform Youtube zu finden ist (siehe Hinweis). Er zeigt einen illegalen Einwanderer, der seinem Vater in Kamerun am Telefon vom Leben in der Schweiz erzählt. Er wohne bei einem Freund, er habe sich an der Universität eingeschrieben, im Studium laufe es gut. Szenen, die dazwischen eingespielt werden, zeigen die bittere Realität: Der junge Mann schläft auf der Strasse, muss betteln, um zu überleben. Die Botschaft an die Zuschauer: «Glaub nicht alles, was du hörst!»

Informieren, nicht abschrecken

Finanziert wurde der Spot durch den Bund. Ähnliche Projekte führt das Staatssekretariat für Migration (SEM) regelmässig durch. In einem Video, das sich an Flüchtlinge aus dem Balkan richtet, wird erklärt, dass die Schweiz die Länder des ehemaligen Jugoslawien als sichere Staaten betrachte. Gesuchsteller aus diesen Ländern «müssen damit rechnen, innert Tagen wieder heimgeschickt zu werden».

Ziel solcher Projekte ist laut SEM-Sprecher Martin Reichlin nicht Abschreckung, sondern Information über die Risiken der illegalen Migration. «Für die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz solcher Projekte ist es wichtig, dass diese Informationen korrekt sind und nicht die Migration als solche negativ darstellen.»

Falsche Erwartungen verhindern

Bürgerliche Politiker halten diese Politik für sinnvoll. «Solche Kampagnen müssen unbedingt verstärkt werden», sagt der Zuger CVP-Nationalrat und Migrationspolitiker Gerhard Pfister auf Anfrage. Potenzial sieht er insbesondere in Eritrea und dessen Nachbarländern. Damit liessen sich falsche Erwartungen verhindern, ist er überzeugt. Auch SVP-Nationalrat Hans Fehr befürwortet Informationskampagnen. «Sie müssen aber glaubhaft sein», sagt der Zürcher Parlamentarier. Die Botschaft müsse sein, dass niemand in der Schweiz bleiben könne, der nicht persönlich an Leib und Leben bedroht sei.

Wettbewerb unter den Staaten

Skeptischer ist der Schwyzer Nationalrat und SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin. «Solche Kampagnen sind problematisch», sagt er. «Die europäischen Staaten sollten besser zusammenarbeiten, anstatt einen Wettbewerb auszutragen, wer am unattraktivsten ist.» Das heisse nicht, dass man nicht aufklären soll. Tschümperlin plädiert aber dafür, «das Geld besser in gute Filme zu stecken als in PR-Kampagnen».

Das nächste Projekt des SEM könnte im Sinne Tschümperlins sein: In Nigeria soll eine 13-teilige Fernsehserie gedreht werden, die sich um das Thema illegale Migration dreht. Die Kosten übernimmt der Bund. Genaue Angaben, wie hoch sie ausfallen werden, «liegen derzeit noch nicht vor», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin. Dänemark begründet seine Kampagne unter anderem mit einer Liste, welche die Lebensbedingungen verschiedener europäischer Staaten vergleicht und die unter Flüchtlingen kursieren soll. Verglichen werden etwa Unterkunft und finanzielle Leistungen. In Dänemark erhält ein Asylsuchender nach Abzug der Steuern gemäss dem Dokument 5500 Kronen (knapp 800 Franken). In Schweden erhalten Personen mit Bleiberecht umgerechnet rund 1000 Franken, in Norwegen sind es bis zu 1500 Franken.

1100 Franken im Monat

Die Schweiz ist auf der Liste nicht aufgeführt. Gemäss Bundesamt für Statistik erhält eine Person im Asylbereich im Schnitt knapp 1100 Franken im Monat, wobei es bedeutende Unterschiede zwischen den Kantonen gibt. Zu den Personen im Asylbereich zählen Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene. Der Vergleich mit den Angaben aus anderen Ländern ist allerdings mit Unsicherheiten behaftet, weil teilweise nicht die gleichen Leistungen enthalten sind. In der Schweiz sind laut SEM Wohn- und Gesundheitskosten im Betrag eingeschlossen, in Dänemark nicht.

«Sicher nicht zu attraktiv»

Für Gerhard Pfister zeigt die Liste, «dass die Schweiz unbedingt ihre Attraktivität als Asyldestination senken muss». Andy Tschümperlin hält dies dagegen für den falschen Weg. «Die Schweiz hat eine sehr konsequente Asylpolitik.» Er verweist darauf, dass die Erledigung der Gesuche in jüngster Zeit beschleunigt wurde und dass Asylsuchende, deren Gesuch abgelehnt wurde, nur noch Nothilfe erhalten. Die Schweiz sei daher «sicher nicht zu attraktiv im Vergleich mit anderen Ländern».

Ein bettelnder illegaler Einwanderer aus dem vom Bund finanzierten Video. (Bild: Standbild Youtube)

Ein bettelnder illegaler Einwanderer aus dem vom Bund finanzierten Video. (Bild: Standbild Youtube)

Ausschnitt aus einem anderen Video des Bundes, das sich an Flüchtlinge aus dem Balkan richtet. (Bild: Standbild Youtube)

Ausschnitt aus einem anderen Video des Bundes, das sich an Flüchtlinge aus dem Balkan richtet. (Bild: Standbild Youtube)

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