Kampf gegen Hacker: Maurer für Zusammenarbeit mit Nato

Das VBS will im Kampf gegen Hacker-Angriffe mit dem Nato Cooperative Cyber Defence Centre in Estland zusammenarbeiten. Erste Kontakte wurden bereits geknüpft.

Lorenz Honegger
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Zwei Jahre ist es her, dass das Schweizer Aussendepartement zum Ziel eines ausgeklügelten Hackerangriffs wurde. Als Reaktion darauf setzte SVP-Verteidigungsminister Ueli Maurer im letzten Dezember eine Projektgruppe ein und gab dieser den Auftrag, eine nationale Cyber-Defense-Strategie auszuarbeiten.

Wie sich jetzt zeigt, streben Maurer und sein Spezialistenteam unter anderem eine Kooperation mit dem Nato Cooperative Cyber Defence Centre in der estnischen Hauptstadt Tallinn an. Dies geht aus einer Antwort der deutschen Regierung auf eine Anfrage von mehreren Bundestagsabgeordneten hervor. «Deutschland unterstützt die Schweiz beim Aufbau einer Partnerschaft mit dem Nato Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence», heisst es unter anderem im entsprechenden Schreiben.

«Erste Kontakte»

Der stellvertretende Direktor des Projekts Cyber Defense beim Verteidigungsdepartement (VBS), Gérald Vernez, bestätigt dies auf Anfrage
der az. «Eine solche Partnerschaft wäre aber nur ein Element der zukünftigen Gesamtlösung.» Es gebe bereits heute «erste Kontakte» zum Nato-Zentrum, die indes noch nicht institutionalisiert seien. Das Kompetenzzentrum lebe vom Informationsaustausch. «Je mehr Mitglieder Erfahrungen, Wissen und Ressourcen einbringen, desto stärker ist das Zentrum.»

Das Cyber Defence Centre sieht seinen Zweck darin, die Kooperation und den Kompetenzaustausch zwischen Nato-Staaten und anderen Ländern im Bereich der digitalen Verteidigung auszubauen, wie es auf seiner Internetseite schreibt.

Die Integration der Schweiz in das Nato-Zentrum als Nicht-Mitgliedsstaat soll laut Vizedirektor Vernez nach einem ähnlichen Prinzip wie beim Partnership-for-Peace-Abkommen der Nato erfolgen, dem die Schweiz 1996 beitrat. Der Lenkungsausschuss des Cyber Defence Centre, dem ausschliesslich Mitgliedsstaaten angehören, muss der Zusammenarbeit aber erst noch zustimmen. Die Annäherung an das Militärbündnis kommt überraschend. SVP-Bundesrat Maurer kommentierte ausgerechnet das Partnership-for-Peace-Abkommen mit der Nato zu seinen Zeiten als SVP-Parteipräsident kritisch. Ohnehin gilt er nicht als Freund von internationalen Kooperationen, die der schweizerischen Neutralität widersprechen könnten.

Strategiepapier verzögert sich

Die Arbeiten für die neue Cyber- Defense-Strategie kommen indes weniger schnell voran, als es Maurer bislang vorgesehen hatte. Statt Ende dieses Jahres wird das Strategiepapier erst im Frühling fertiggestellt sein. «Im Moment sieht es danach aus, dass wir dem Bundesrat die Strategie gegen Ostern 2012 vorlegen können», sagt Gérald Vernez. Sein Team müsse in verschiedenen Bereichen noch «etwas tiefer in die Materie gehen». «Ich glaube, diese Gründlichkeit ist notwendig.»

Zahlreiche externe Spezialisten beraten die Projektgruppe bei der Strategiefindung, so auch der Verein Swiss Police ICT, dem Vertreter verschiedener Polizeikorps und Informatikfirmen angehören. Laut dem Geschäftsführer des Vereins, Mark Saxer, laufen derzeit die letzten Befragungsrunden. «Bis Mitte November sind diese abgeschlossen.» Eine der Kernforderungen von Swiss Police ICT sei die Einrichtung von nationalen forensischen Kompetenzzentren, welche die Ermittlungen von allen Kantonen unterstützen. Bis nur schon dieses Projekt sowie alle anderen Elemente der Cyber-Defense-Strategie umgesetzt sind, wird es Jahre dauern. Die Zeit drängt: Das Bundesamt für Informatik etwa hat im ersten Halbjahr 2011 «eine erhebliche Zunahme von unerlaubten Zugriffsversuchen» auf die Rechner der Bundesverwaltung gemessen.