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KAMPFJETS: Der alte Tiger weckt Interesse

Während der Gripen im Parlament die Starterlaubnis erhält, rückt das Ende des veralteten Tiger-Kampfjets näher. Der Flieger soll zu Geld gemacht werden. Aber ausgerechnet Kampfjet- Gegner halten davon nicht viel.
Léa Wertheimerléa Wertheimer
2004 mietete Österreich 12 Tiger-Jets von der Schweiz. Das Geschäft wurde am 9. Juli vom damaligen Verteidigungs- minister Samuel Schmid (rechts) und seinem österreichischen Amtskollegen Günther Platter in Graz öffentlich besiegelt. (Bild: Keystone/Klaus Techt)

2004 mietete Österreich 12 Tiger-Jets von der Schweiz. Das Geschäft wurde am 9. Juli vom damaligen Verteidigungs- minister Samuel Schmid (rechts) und seinem österreichischen Amtskollegen Günther Platter in Graz öffentlich besiegelt. (Bild: Keystone/Klaus Techt)

Mit Schub steuert der Gripen-Kampfjet auf eine Volksabstimmung zu. Die Tage des alten Tiger F-5 hingegen sind gezählt. 54 Maschinen stehen noch in der Schweiz. Fakt ist, dass nur deren 36 aktuell überhaupt noch in die Luft steigen – 18 Flugzeuge sind bereits gegroundet. Der Zahn der Zeit nagt an den über 30-jährigen Maschinen – sie haben Risse und Korrosionsschäden. Zudem stehen bei verschiedenen Jets kostenintensive Überholungen an. Um nicht Geld in Maschinen zu stecken, die bald ausser Dienst gestellt werden sollen, hält man jene Tiger lieber am Boden. Nur hie und da dürfen die Motoren knurren, um weitere Standschäden zu verhindern.

Ab 2016 ohne Tiger?

Die Schweiz kaufte ab 1978 110 Tiger F-5 für 1,9 Milliarden Franken. Die Flotte erlitt aber Verluste: 9 Maschinen stürzten ab, der erste 1981 nach einer Kollision mit einer Mirage. Das letzte Unglück passierte 1994, als sich versehentlich der Schleudersitz des Jets löste und den Piloten aus dem Cockpit katapultierte. Im Jahre 2002 redimensionierte die Schweizer Luftwaffe den Bestand und verkaufte 44 Jets für 50 Millionen Dollar an die US-Navy.

Wann die Tiger in der Schweiz zum letzten Mal abheben, ist unklar. Gut informierte Quellen sagen, dass sie nach dem WEF 2016 liquidiert werden sollen. Konkrete Daten nennt die Armasuisse, die für die Ausserdienststellung verantwortlich ist, keine. Es seien verschiedene Varianten in Ausarbeitung. Auch ob die Jets verschrottet oder verkauft werden sollen, will die Behörde nicht offenlegen.

Während die Maschinen hier zum alten Eisen gehören, beäugen sie verschiedene Länder mit grossem Interesse. So bekunden neben Chile auch Österreich und die USA Interesse an den Flugzeugen. «Verständlich», findet Aviatik-Experte Eugen Bürgler vom Schweizer Luftfahrt-Magazin «skynews.ch». Schliesslich seien die Schweizer Tiger sorgfältig gewartet worden und hätten für ihr Alter relativ wenig Betriebsstunden auf dem Buckel. Arma­suisse ihrerseits will «etwaige Gespräche» nicht kommentieren. Nur so viel: «Wir konzentrieren uns gemäss Vorgaben des Bundesrates auf Interessenten aus Ländern, welche in der Kriegsmaterialverordnung Anhang 2 verzeichnet sind», sagt Kaj-Gunnar Sievert, Sprecher von Armasuisse. Sowohl Österreich als auch die USA figurieren auf dieser Liste.

Finanzieller Charme des Tigers

Die amerikanischen Streitkräfte fliegen ihre Tiger-Maschinen schon seit geraumer Zeit. In den Krieg zogen sie allerdings nie damit – der vergleichsweise preiswerte Jet gilt im Herstellerland als nicht kampfstark genug. So wird er zu Übungszwecken als Feind in Luftkämpfen verwendet. «Sie werden dazu gebraucht, ältere feindliche Flugzeuge zu simulieren, wie sie in vielen Teilen der Welt im Einsatz stehen», erklärt Experte Bürgler. Die US-Streitkräfte müssen den Gürtel enger schnallen. Deshalb suchen sie nach Sparpotenzial. Dabei wäre der Tiger eine valable Option, um die grösseren und im Betrieb und Unterhalt teureren modernen Jets zu schonen. Insider wissen, dass die US-Navy am liebsten den Grossteil der Schweizer Tiger erstehen würde.

Finanzielle Nöte sind auch Österreichs Beweggründe für das Interesse am Schweizer Tiger. 15 Eurofighter stehen aktuell auf den Flugplätzen des Bundesheers. Davon ist nur ein Drittel jeweils in der Luft, zu teuer und aufwendig sind der Betrieb und die Wartung der Jets. So dienen alte Trainingsflugzeuge als Lückenbüsser, müssen aber ersetzt werden – möglichst kostengünstig, versteht sich. Offiziere bestätigen, dass für das österreichische Verteidigungsministerium der Tiger eine mögliche Variante ist. Offiziell dazu äussern will sich in Wien aber niemand. Man befindet sich mitten im Wahlkampf, und nach dem Eurofighter-Debakel sind Kampfflugzeuge ein zu heisses Eisen.

Auch Ruag interessiert

Doch nicht nur Staaten signalisieren Interesse am Tiger. Auch die Ruag hat ein Auge auf die Jets geworfen, wie CEO Urs Breitmeier bestätigt. «Wir sind daran interessiert, Ersatzteile oder auch ganze Flieger zu übernehmen.» Schliesslich sei der Konzern weltweit führend im Unterhalt der Tiger-Flugzeuge. Noch seien aber zahlreiche Fragen offen. «Die Schweiz verkauft nach gängiger Praxis überzähliges Kriegsmaterial nur unter ganz bestimmten Bedingungen weiter», führt Breitmeier aus. Das mache es für die Ruag sehr schwer, die Tiger direkt zu erwerben. «Dazu kommen noch die Auflagen des Kriegsmaterial-Exportgesetzes, und schliesslich müssten die USA als Hersteller einem Kauf zustimmen.»

Kritik am Verkauf an die USA

SVP-Nationalrat Thomas Hurter hat selbst etliche Stunden im Tiger-Cockpit verbracht und findet den Verkauf der Jets eine gute Idee: «Das muss man nutzen – natürlich innerhalb der gesetzlichen Vorschriften, da es um Export von Kriegsmaterial geht.» Wichtig sei aber, dass man die Braut nicht unnötig schöner mache. Heisst: Möglichst kein Geld mehr aufwenden, um die Jets verkaufsfertig zu machen. «Schliesslich wollen wir ja nicht drauflegen.» Schlechte Idee, findet hingegen Balthasar Glättli (Grüne). Wenn, dann sei Österreich als neutrales Land zu bevorzugen. Ein Verkauf der Maschinen in die USA komme nicht in Frage. «Die Kriegsmaterialverordnung verbietet den Export an Länder, die in einen internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt sind.»

Die Tiger F-5 sollen also zu gutem Geld gemacht werden. Der Erlös kann dem Gripen allerdings keinen Aufwind geben, denn das Geld fliesst in die allgemeine Bundeskasse zurück. Ein Umstand, den Thomas Hurter bedauert. «Es ist eine Krux, dass der Erlös nicht an die Armee zurückfliesst.»

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