KAMPFJETS: Die heisse Frage nach der Alternative

Was, wenn es keine Gripen gibt? Der jüngste Streit um den «Plan B» ist nicht der erste. Doch bei allen Plänen geht es nur mit Abstrichen.

Eva Novak
Drucken
Teilen
Ein Gripen-Kampfjet während einer Flugshow über der Axalp in der Nähe von Meiringen. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Ein Gripen-Kampfjet während einer Flugshow über der Axalp in der Nähe von Meiringen. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Glaubt man den bisherigen Umfragen, so droht dem Gripen an der Urne der Absturz. Selbst Armeefreunde vermag der Kauf der 22 Jets schwedischer Provenienz für rund 3,1 Milliarden Franken nicht samt und sonders zu begeistern – besonders jene, die sich für teurere Flieger starkgemacht haben. Doch gibt es eine Alternative? Über die Antwort auf diese Frage wird mit Inbrunst gestritten, und es ist für Laien schwierig, Gerücht und Wahrheit auseinanderzuhalten. Das gilt besonders für die am häufigsten genannte Mietvariante.

Den Verdacht, entsprechende Pläne zu hegen, nährte der Verteidigungsminister persönlich. Nach einem Gespräch mit dem Chefredaktor der «Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift» (ASMZ) wurde Ueli Maurer in der Märzausgabe der ASMZ mit der Aussage zitiert, «dass in jedem Fall elf Flugzeuge gemietet werden müssen, auch wenn das Volk am 1. Mai Nein zum Gripen-Fonds-Gesetz sagen würde, dann aber für längere Zeit».

Keine überflüssigen Jets auf Markt

Prompt schossen Spekulationen ins Kraut, der SVP-Bundesrat wolle die als Übergangslösung bis zum Kauf der 22 Gripen des Typs E propagierte Miete von elf Gripen der Typen C (Einsitzer) und D (Zweisitzer) in einen Dauerzustand überführen. Und nicht nur eine Staffel mieten, sondern gleich deren zwei. Maurers Dementi folgte auf dem Fuss: «Bei einem Nein müsste zuerst analysiert werden, warum das Volk den Jet abgelehnt hat», sagte er der «Aargauer Zeitung» und doppelte nach: «Den Gripen nach einem allfälligen Nein zu mieten, steht nicht zur Debatte.»

Das sehen andere auch so. Der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Ständerats, Alex Kuprecht, etwa spricht von einer «Missachtung des politischen Willens». Doch es ist auch eine Frage der Verfügbarkeit auf dem Markt. In Europa stehen gemäss Militäraviatik-Experten keine überflüssigen Jets herum, und auch die Schweden klingen wenig begeistert. Für die Miete von elf Gripen C/D sei die Beschaffung der Gripen E Bedingung, betont Sofia Karlberg von der schwedischen Rüstungsexportagentur FXM und fügt bei: «Über die Zwischenlösung hinaus irgendwelche Gripen zu mieten, das stand nie und steht auch jetzt nicht zur Diskussion.»

Tiger wieder in Dienst stellen?

Die übrigen Alternativen erweisen sich bei genauem Hinsehen ebenfalls als wenig konkret. So schwirren zwar Gerüchte umher, die US-Navy verkaufe demnächst zu günstigen Konditionen 30 bis 40 gebrauchte F/A-18 vom Typ C und D, welche sie zurzeit auf Flugzeugträgern einsetze und durch den modernen, superteuren Joint Strike Fighter F-35 ersetzen wolle. Selbst wenn dem so wäre, was zurzeit niemand bestätigt: Erstens setzen Landungen auf Flugzeugträgern und das Meeresklima den Jets dermassen zu, dass ihr Zustand zumindest sehr gut geprüft werden müsste. Zweitens sind die Hornets der Navy anders konfiguriert als die schweizerischen, was Hoffnungen auf mögliche Synergien dämpft.

Eine weitere, immer wieder genannte Möglichkeit ist die Aufrüstung eines Teils der 54 Tiger F-5, welche demnächst ausser Dienst gestellt werden sollen. Nostalgiker setzen mit Vorliebe auf diese Karte, die jedoch auch nicht wirklich günstig ist: 30 Tiger mit neuem Radar und zeitgemässer Avionik auszurüsten, würde rund etwa 1 Milliarde Franken kosten, hat das VBS vor ein paar Jahren ausrechnen lassen. Das würde zwar Flüge bei Nacht und schlechtem Wetter erlauben, aber weder die Aerodynamik noch die Flugleistung und die veraltete Struktur der Jets verbessern, gibt Peter Merz zu bedenken, der Kommandant des Flugplatzes Meiringen und designierter Chef für die Einführung des neuen Fliegers.

Auf absehbare Zeit kein Kampfjet-Ersatz sind die immer wieder genannten Drohnen. Für Aufklärungseinsätze, bei denen keine rasche Reaktionszeit erforderlich ist, sind die unbemannten Flugkörper zwar gut geeignet, nicht aber für schnelle Einsätze. Da der Pilot fehlt, der mitdenken und reagieren kann, können Drohnen keinen Luftpolizeidienst leisten. Auch die Luftverteidigung ist (noch) nicht möglich. Laut Merz wären Drohnen zwar eine Ergänzung, aber keine Alternative zum Gripen.

Kooperation und Helikopter

Gleiches gilt für Kampfhelikopter, welche nur tief fliegen, Bodenziele bekämpfen und Panzerarmeen angreifen können und ebenfalls alles andere als billig sind. Oder für Boden-Luft-Lenkwaffen, die nur da etwas nützen, wo sie aufgestellt sind.

Bleibt noch die Frage, ob die Schweizer Luftwaffe mit dem Ausland kooperieren könnte, um ihren Luftraum im Notfall schützen zu können. Mit den meisten Nachbarländern bestehen bereits Luftpolizeiverträge, nämlich mit Deutschland, Frankreich und Italien. Im Krisenfall allerdings schaue jeder zuerst für sich, warnen auch die Internationalisten unter den Experten. Und die Schweiz, die keinem Bündnis angehört, müsste schauen, wie sie ihren Luftraum autonom sichern kann.

Neu-Evaluation würde dauern

Nach einem Nein am 18. Mai müsste unser Land also entweder längerfristig auf einen Luftschirm verzichten. Oder sich in Geduld üben und einen Neuanlauf mit einer erneuten Evaluation wagen. Das würde jedoch nicht nur viel Geld kosten – laut Maurer wäre eine andere Lösung, welche die gleiche Sicherheit bietet, in jedem Fall teurer als der Gripen-Kauf. Sondern vor allem viel Zeit brauchen: «Wenn wir von vorne beginnen müssten, würde der Beschaffungsprozess von der Evaluation bis zur Auslieferung je nach Verlauf und Typ acht bis elf Jahre dauern», schätzt VBS-Sprecher Peter Minder. Die Zeit für die Analyse der Abstimmung nicht eingerechnet.

Vier von mehreren Möglichkeiten

F/A-18

Die Luftwaffe verfügt über 32 F/A-18-Kampfjets. Zwei Flieger hat die Luftwaffe durch Abstürze verloren, den letzten am 23. Oktober 2013 am Lopper bei Alpnachstad. erüchten zufolge plant die US-Navy den Verkauf von 30 bis 40 gebrauchten F/A-18-Kampfjets vom Typ C und D. Die angeblichen Occasionsmodelle kommen derzeit auf Flugzeugträgern zum Einsatz. Auch über die Beschaffung von 34 F/A-18 stimmte das Volk ab. Am 6. Juni lehnte es eine Initiative der GSoA gegen den Kauf der 3,5 Milliarden teuren Kampfjets mit 57,2 Prozent ab – ein grosser Erfolg für den damaligen Verteidigungsminister Kaspar Villiger (FDP).

Kampfhelikopter

Kampfhelikopter gehören nicht zum Arsenal der Schweizer Luftwaffe. Sie verfügt aber über 46 Transporthelikopter. Sie fliegen tief und können nur Bodenziele bekämpfen oder Panzerarmeen angreifen: Kampfhelikopter kommen als realistische Alternative zum Gripen nicht in Frage. Die Schweizer Luftwaffe hat derzeit 46 Transporthelikopter im Einsatz. Es handelt sich um 15 Superpuma, 11 Cougar (Weiterentwicklung des Superpuma) und 20 leichte Transport- und Schulungshelikopter EC635. Ein Superpuma kann 2 Piloten, 18 Passagiere und 3 Tonnen Material transportieren.

Fliegerabwehr

Die Fliegerabwehr (Flab) hat derzeit drei Waffensysteme im Einsatz: die Flab-Kanone, den Rapier (Bild) und den Stinger.
Die Fliegerabwehr (Flab) aufrüsten statt den Gripen beschaffen? Nach Ansicht von Fachleuten ist dies keine valable Option. Denn Boden-Luft-Lenkwaffen nützen nur dort, wo sie aufgestellt sind. Ein Luftpolizeidienst ist unmöglich. Die Luftwaffe hat das System Rapier im Einsatz, mit dem Lenkwaffen abgefeuert werden können. Der Stinger ist ein Lenkwaffensystem, das man auf der Schulter tragen kann. Schliesslich verfügt die Luftwaffe über die 35-mm-Flab-Kanone 63/90.Fliegerabwehr

Tiger

Die Schweizer Armee beschaffte Ende der 1970er-Jahre die Tiger-Flotte. Vor drei Jahren hat Verteidigungsminister Ueli Maurer die Nachrüstung der Flieger prüfen lassen. Die Tiger würden mit einem Radar und zeitgemässer Avionik ausgestattet, damit sie auch bei schlechtem Wetter und in der Nacht einsatzbereit wären. Maurer verwarf diese Variante wieder. Auch in Fachkreisen stösst sie zumeist auf Ablehnung. Bis 2016 sollen die Tiger ausgemustert werden.
Die Luftwaffe verfügt über 54 Kampfjets des Typs Tiger. Sie sind mehr als 30 Jahre alt. Die Aufrüstung eines Teils der Flotte würde rund 1 Milliarde Franken kosten.