KAMPFJETS: Prominenter Fürsprecher für die Tiger-Flotte

Ex Luftwaffenchef Markus Gygax setzt sich für den Weiterbetrieb eines Teils der Tiger-Flotte ein. Das würde den F/A-18 entlasten, die Ruag freuen – und die «Patrouille Suisse» retten.

Eva Novak
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Der ehemalige Luftwaffenchef Markus Gygax, hier an einem Rapport im April 2011 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild Boris Bürgisser)

Der ehemalige Luftwaffenchef Markus Gygax, hier an einem Rapport im April 2011 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild Boris Bürgisser)

Noch im August schienen die Tage der fliegenden Tiger gezählt. Die «Tiger F-5 E/F», wie die bald 40-jährigen Kampfjets der Schweizer Luftwaffe mit vollem Namen heissen, seien «hoffnungslos veraltet», befand Verteidigungsminister Ueli Maurer, und drohte, sie bis 2016 vom Himmel zu holen. Die 32 F/A-18 müssten reichen, bis diese zwischen 2025 und 2030 durch neue, zahlreichere Kampfjets ersetzt würden Auch die Petition «Rettet die Tiger», für welche die Gruppe Giardino nach eigenem Bekunden bisher rund 10 000 Unterschriften gesammelt hat, konnte ihn nicht umstimmen.

Ueli Maurers «Notlösung»

Erst unter dem Druck von Vorstössen aus dem Parlament krebste Maurer in der Herbstsession zurück. Es sei «allenfalls denkbar, den F-5 noch einige Jahre für gewisse reduzierte Aufgaben weiter im Einsatz zu behalten», beschied er dem Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann, der sich für den Weiterbetrieb zumindest eines Teils der 54 Flieger zählenden Tiger-Flotte stark gemacht hat. Für diese «Notlösung», wie es Maurer nennt, plädiert jetzt auch der frühere Luftwaffenkommandant Markus Gygax. Seiner Meinung nach sollten etwa 20 bis 30 der Tiger weiterfliegen.

Entlastung der F/A-18

«Eine neue Lage verlangt eine neue Lagebeurteilung», schreibt der Korpskommandant a. D., der die Geschicke der Luftwaffe bis Ende 2012 leitete, im Blog der Generalstabsoffiziere. Damit hätte die Luftwaffe zwar keinen modernen Kampfjet-Ersatz, aber mehr (billigere) Flugzeuge zur Verfügung, um die (teureren) F/A-18 zu entlasten. Das würde deren Lebensdauer verlängern, argumentiert Gygax. Als Einsatzbereich für die F-5 nennt er unter anderem als Ziel für Trainings mit der F/A-18: «Die US Air Force kaufte uns schon 44 F-5 zurück und möchte weitere. Wozu? Für eine ideale Zieldarstellung ihrer modernen Kampfflugzeuge.» Auch für den Luftpolizeidienst bei schönem Wetter könnten die Tiger weiterhin fliegen. Und nicht zuletzt der «Patrouille Suisse» wie bis dato zur Verfügung stehen.

Kein Gehör für privates Angebot

Von einem Upgrade, dessen Kosten die VBS- und Armeespitze auf rund 1 Milliarde Franken oder mehr beziffern, schreibt Gygax nichts. Gemäss Fachleuten ist eine solche Nachrüstung für die reduzierten Aufgaben jedoch gar nicht notwendig. Selbst wenn, wäre sie viel billiger zu haben: Radar und Cockpit könnten für weniger als die Hälfte der vom VBS genannten Kosten modernisiert werden, schrieb Luftwaffenexperte und Ingenieur Georges Bridel kürzlich in der NZZ. 200 bis 300 Millionen Franken würden reichen, erklärte Franz Betschon der «Zentralschweiz am Sonntag». Der frühere Chef-Ingenieur und Generalstabsoberst hat namens einer Gruppe von Geschäftsleuten angeboten, 30 Tiger F-5 zu kaufen, um sie zu modernisieren und anschliessend zu vermieten oder zu verkaufen – und ist beim VBS abgeblitzt.

Nicht ohne Chancen

«Ob es ein Upgrade braucht oder nicht, soll die Luftwaffe sagen», meint Roland Borer. Der Solothurner SVP-Nationalrat will sich im Parlament dafür einsetzen, dass etwa zwei Staffeln – also 24 Stück – der Tiger-Jets zur Überbrückung erhalten werden. Er schlägt vor, dass das VBS die noch vorhandenen F-5 für einen symbolischen Betrag der Ruag verkauft. Diese soll allfällige Upgrades vornehmen und die 24 Flugzeuge an die Schweizer Luftwaffe vermieten. Die übrigen Tiger-Jets könnten an Österreich vermietet werden, das ebenfalls Interesse bekundet habe. Mit dieser «sinnvollen Schweizer Übergangslösung», die er in der nächsten Ausgabe der «Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift» detailliert aufzeigt, will Borer nicht zuletzt die Ruag stärken. Im Parlament, welches das letzte Wort über die Ausmusterung der Tiger haben soll, rechnet er sich einige Chancen aus: «Die bürgerliche Mehrheit wird niemals akzeptieren, dass die Luftwaffe auf 32 Flieger reduziert wird.»

Das Parlament kann aber erst entscheiden, wenn es über die nötige Gesetzesgrundlage verfügt, was noch etwa drei Jahre dauern dürfte. Für so lange zumindest sind die Tiger aus dem Schneider.

Der ehemalige Luftwaffenchef Markus Gygax, hier an einem Rapport im April 2011 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Boris Bürgisser  / Neue LZ)

Der ehemalige Luftwaffenchef Markus Gygax, hier an einem Rapport im April 2011 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)