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Kantone im Vergleich: Nur drei von fünf Schulabgängern können genug gut rechnen

Erstmals haben die Kantone die Grundkenntnisse der Schweizer Schülerinnen und Schüler in den Fächern Sprache und Mathematik untersucht. Dabei zeigen sich teilweise starke kantonale Unterschiede. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.
Michel Burtscher
Wie gut sind die Schweizer Schüler? Das haben die Kantone nun erstmals getestet. (Bild: Keystone)

Wie gut sind die Schweizer Schüler? Das haben die Kantone nun erstmals getestet. (Bild: Keystone)

1.) Wieso wurden die Grundkenntnisse der Schweizer Schülerinnen und Schüler getestet?

Seit dem Jahr 2011 gibt es nationale Bildungsziele für einige Bereiche der obligatorischen Schule. Grund dafür ist der Bildungsartikel, den das Volk 2006 angenommen hat und der eine schweizweite Harmonisierung der Volksschule verlangt. Die kantonalen Erziehungsdirektoren haben deswegen Grundkenntnisse für alle Schülerinnen und Schüler in der Schweiz definiert. Konkret geht es dabei um die Schulsprachen, die zweite Landessprache sowie Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften.

Getestet wurden bei dieser ersten Überprüfung die Kenntnisse in den Fächern Sprache (Schulsprache und erste Fremdsprache) sowie Mathematik. Mitgemacht haben in den Jahren 2016 und 2017 je rund 23'000 Schülerinnen und Schüler aus allen Kantonen. Im Bereich Sprachen wurden die Kenntnisse am Ende der Primarstufe getestet, im Bereich Mathematik am Ende der obligatorischen Schule.

2.) Was zeigen die Ergebnisse in den Sprachfächern?

Laut einer Mitteilung der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) erreichen im schweizerischen Mittel rund 88 Prozent der Schüler die Grundkompetenzen beim Lesen in der Schulsprache. Bei der Orthographie sind es je nach Sprachregion 80 bis 89 Prozent. In der ersten Fremdsprache erreichen rund 90 Prozent der Schüler die Grundkompetenzen im Hörverstehen.

(Quelle: EDK)

(Quelle: EDK)

Beim Leseverstehen sind die Zahlen weniger gut und je nach Sprache sehr unterschiedlich: Der Anteil jener, welche die Grundkompetenzen erreichen, liegt gemäss der Studie bei 65 Prozent (Französisch), 72 Prozent (Deutsch) und 86 Prozent (Englisch).

(Quelle: EDK)(Quelle: EDK)
(Quelle: EDK)(Quelle: EDK)
(Quelle: EDK)(Quelle: EDK)
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Lese- und Hörverstehen PISA

Die EDK betont, dass diese Ergebnisse für die Situation am Ausgangspunkt der Harmonisierung stünden - und diese ein längerer Prozess sei. Von daher bewerte man den Harmonisierungsgrad zwischen den Kantonen und den Anteil der Schülerinnen und Schüler, welcher die Grundkompetenzen bei den Sprachen erreicht, für «die Mehrheit der Fachbereiche als recht hoch».

3.) Was zeigen die Ergebnisse im Fach Mathematik?

Im Bereich Mathematik sehen die Zahlen weniger gut aus. Die EDK spricht von «beträchtlichen Unterschieden» zwischen den Kantonen. Im landesweiten Durchschnitt erreichen lediglich 62 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen, je nach Kanton sind es zwischen 43 und 83 Prozent.

(Quelle: EDK)

(Quelle: EDK)

Die EDK führt die unterschiedlichen Ergebnisse zwischen Mathematik und Sprachen unter anderem darauf zurück, dass die kantonalen Lehrpläne im Bereich Sprachen harmonisierter sind als im Bereich Mathematik. Es sei davon auszugehen, dass «die zunehmende Anwendung von gemeinsamen Lehrplänen oder weiterentwickelten Lehrmitteln zu einer weiterführenden Harmonisierung der Bildungsziele beitragen wird».

Sprich: Sobald alle Schülerinnen und Schüler in der Schweiz ähnliche Mathe-Ziele haben, wird sich auch das Niveau angleichen.

(Quelle: EDK)

(Quelle: EDK)

Noch ungeklärt sei zudem die Frage des Anspruchsniveaus in der Mathematik, erklärt die EDK. So seien nach Einschätzung von Fachpersonen ein Teil der Grundkompetenzen und die daraus abgeleiteten Aufgaben «recht anspruchsvoll». Die EDK hat darum eine Kommission eingesetzt, um dem nachzugehen.

4.) Welche Kantone haben gut abgeschnitten und welche weniger?

In jedem der untersuchten Fachbereiche gibt es Ausreisser nach oben und nach unten. So erreichen beispielsweise im Kanton Basel-Stadt beim Lesen und der Orthografie in der Schulsprache mit 80,9 und 77,5 Prozent deutlich weniger Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen als im schweizerischen Durchschnitt von 88,1 und 84,4 Prozent. Signifikant besser als der Durchschnitt schneiden der Kanton Freiburg (Lesen) und die Kantone Schwyz und Wallis (Orthografie) ab.

Im Bereich Mathematik sind die Unterschiede grösser. Am besten schneiden die Kantone Appenzell Innerrhoden (80,4 Prozent), Freiburg (französischer Teil: 82,7), Jura (67,7), Schaffhausen (68,3), Schwyz (69,4), Waadt (69), Wallis (deutsch- und französischsprachiger Teil: 70,9 beziehungsweise 82) und Zug (66,6) ab. Deutlich unter dem Schweizer Schnitt von 62,2 Prozent liegen die Kantone Bern (deutschsprachiger Teil: 54,6), Basel-Landschaft (52,7), Basel Stadt (43,5), Luzern (55,8) und Solothurn (55,1).

5.) Was ist sonst noch wichtig?

Untersucht wurde auch, inwiefern individuelle Merkmale von Schülern wie Geschlecht, soziale Herkunft, Migrationsstatus sowie die zuhause gesprochene Sprache einen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Dabei zeigte sich, dass die soziale Herkunft insgesamt den stärksten Effekt hat. Besondern im Bereich Mathematik wirkt sich diese «zuungunsten der sozial schwächeren Gruppen» aus, wie es die EDK formuliert. Auch zwischen den Geschlechtern bestehen Unterschiede, diese seien in den Sprachen als auch in der Mathematik jedoch «gesamthaft sehr klein». Die EDK betont, dass die vier Merkmale nicht in allen Kantonen und nicht für alle Fachbereiche gleich wirkten.

Beachtet werden muss zudem auch, dass die untersuchten Fächer je nach Kanton unterschiedlich intensiv unterrichtet werden. So wurden im Jahr 2016 beispielsweise im deutschsprachigen Teil des Kantons Bern auf der Sekundarstufe 351 Stunden Mathematik unterrichtet, in den Kantonen Glarus und St. Gallen waren es 553 Stunden. In der Untersuchung zeigte sich, dass tendenziell mehr Schüler die Grundkompetenzen erreichen, wenn ein Fach länger unterrichtet wird.

6.) Wie geht es weiter?

Die Daten, welche mit den Erhebungen gesammelt wurden, sollen laut der Mitteilung der kantonalen Erziehungsdirektoren ins nationale Bildungsmonitoring einfliessen und weiter ausgewertet werden. Die Kantone können die Ergebnisse zudem im Rahmen der kantonalen Qualitätsentwicklungsprozesse verwenden.

Die EDK selbst wird die Ergebnisse der Erhebungen in ihre zweite Bilanz zur Harmonisierung der obligatorischen Schule aufnehmen, die im Sommer dieses Jahres vorliegen soll. Weitere Untersuchungen der Grundkompetenzen sind bereits geplant: Die nächsten Überprüfungen werden voraussichtlich 2020 (Sprachen) und 2022 (Fachbereich noch nicht bestimmt) stattfinden.

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