Weigelt

Karin Keller-Sutter: PR-Berater soll sie ins rechte Licht rücken

Der Bundesratskandidatin will sich vor der Wahl liberaler darstellen, als sie gilt. Zum sachten Linksdreh soll ausgerechnet einer verhelfen, der als Rechtsaussen in Erscheinung trat: Peter Weigelt. «Ein strategisch völlig falscher Entscheid», sagt ein PR-Profi aus Zürich.

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Mit ihm geht der Drall wohl durch

Mit ihm geht der Drall wohl durch

Max Dohner

Gibt man einer Person oder einer Sache einen Drall oder Dreh (neudeutsch: Spin), muss man darauf achten, wann der Drall wieder aufhört. Sonst dreht sich die Sache so weit, dass man am Ende exakt wieder in der Beleuchtung steht, die man gerade hatte vermeiden wollen. Das scheint aktuell bei der Bundesrats-Kandidatin Karin Keller-Sutter (FDP) zu passieren.

Sie sagt mit Nachdruck: «Ich habe Peter Weigelt kein Mandat erteilt.» Doch der Chef der Operation zu ihrer Wahl am 22. September, FDP-Nationalrat Werner Messmer, bestätigte gegenüber dem «Sonntag»: «Herr Weigelt ist unser Betreuer im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.» Wer den Mann auch immer ins Boot geholt hatte – mit ihm wird die rechte Schlagseite, die man eigentlich austarieren will, eher noch deutlicher, sofern das Boot dort nicht gar leckt.

Der SVP verbunden

Weigelt ist ein Freisinniger, der «liberal» sagt, wo er rechtsnational meint. Und schreibt. Etwa in der «Trumpf Buur Zitig», deren Herausgeber er war. Er habe in seiner Zeit dort, sagte Weigelt gegenüber der Branchen-Zeitschrift «Klartext», den Verein als «ordnungspolitisch liberale Speerspitze positionieren» wollen.

So liberal auch dies klingt – näher oder enger scheint der freisinnige St.Galler Alt-Nationalrat (1995–2006) mit der SVP verbunden zu sein. Der heutige SVP-Generalsekretär Martin Baltisser war einst in Weigelts PR- und Beratungsfirma Mediapolis Bern und Zürich tätig. Als dieser Ableger 2008 von der Farner AG übernommen wurde, wurde Baltisser zum Mitglied der Geschäftsleitung ernannt.

«Strategisch völlig falsch»

Ein PR-Profi aus Zürich, der namentlich nicht genannt sein will, weil er in der Vergangenheit oft für «Spin» bei Berner Politgrössen gesorgt hatte, hält Weigelts Mandat für Keller-Sutter «strategisch für einen völlig falschen Entscheid», wohl einfach wegen der freisinnigen St.-Galler-Kamarilla entstanden.

Weigelt selber war aufgrund eines Auslandaufenthalts gestern nicht zu erreichen. Auf seiner Homepage schreibt er: «Lobbying wird noch oft als Filz bezeichnet. Für mich ist Lobbying dagegen das kontinuierliche Bemühen, auf Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung offen und argumentativ einzuwirken.» Seine Person ist nun halt auch ein Argument.