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Karin Keller-Sutter zur Integrationsvorlehre für Flüchtlinge: «Wir sind auf einem guten Weg»

Mit einer einjährigen Vorlehre werden Flüchtlinge seit dem vergangenen Sommer auf eine Berufsausbildung vorbereitet. Eine Zwischenbilanz zeigt: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kann im Anschluss eine Lehre antreten.
Tobias Bär
Solomon Aklilu, Teilnehmer des Pilotprogramms Integrationsvorlehre, wird von Bundesrätin Karin Keller-Sutter bei der Arbeit beobachtet. (Bild: Keystone, Anthony Anex)

Solomon Aklilu, Teilnehmer des Pilotprogramms Integrationsvorlehre, wird von Bundesrätin Karin Keller-Sutter bei der Arbeit beobachtet. (Bild: Keystone, Anthony Anex)

Einen Flüchtling zu beschäftigen, das sei für den Arbeitgeber ein Stück weit ein Abenteuer, sagte Asylministerin Karin Keller-Sutter am Montag. «Man weiss nicht genau, wie es herauskommt. Das braucht Mut.»

Für Hans Häubi hat sich der Mut ausgezahlt. Häubi sitzt in der Geschäftsleitung einer Spenglerei im Kanton Bern. Die Firma beschäftigt seit vergangenem August den Eritreer Solomon Aklilu, der vor vier Jahren in die Schweiz geflüchtet ist.

Aklilu befindet sich in der Endphase der sogenannten Integrationsvorlehre, die er vor bald einem Jahr angetreten hat. Häubi ist zufrieden mit Aklilu, im Sommer kann der Eritreer eine reguläre Berufslehre antreten.

Einige ziehen die Festanstellung vor

Die Integrationsvorlehren laufen seit dem Sommer 2018, vom Programm profitieren im ersten Jahr rund 700 Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene. Das einjährige Brückenangebot, an dem sich 18 Kantone beteiligen, soll Personen aus dem Asylbereich auf eine ordentliche Berufslehre vorbereiten.

Nicht in jedem Fall glückt das Experiment. Im Kanton Bern wurden zehn Prozent der Vorlehren vorzeitig abgebrochen. Gemäss der Berner Erziehungsdirektorin Christine Häsler liegt der Anteil der Abbrüche damit tiefer als bei vergleichbaren Angeboten.

Andere Kantone melden eine ähnliche Abbruchquote. Im Kanton Luzern wurden zwei von 24 Vorlehren vorzeitig beendet. Im Kanton St. Gallen, wo derzeit 62 Personen vom Angebot profitieren, haben die Arbeitgeber in mindestens zwei Fällen die Reissleine gezogen. Dies wegen der Unzuverlässigkeit der Lernenden. In einigen weiteren Fällen haben die Teilnehmer die Vorlehre zu Gunsten einer Festanstellung beendet.

Solche Wechsel gab es auch im Kanton Aargau, in dem 70 Plätze zur Verfügung stehen. «Einige Lernende haben eine Familie zu ernähren und ziehen deshalb eine Festanstellung vor, obwohl sie mit der Vorlehre langfristig bessere Perspektiven hätten», sagt die Aargauer Projektleiterin Marija Stanic-Dondras.

Die Entschädigung variiert von Kanton zu Kanton. In Bern erhalten die Teilnehmer der Integrationsvorlehre 90 Prozent des Lohnes, der im jeweiligen Beruf im ersten Lehrjahr gezahlt wird. Im Kanton St. Gallen gibt es im ersten Halbjahr gar keinen Lohn, der Kanton Aargau empfiehlt Löhne zwischen 200 Franken und 70 Prozent des Lohnes im ersten Lehrjahr.

Drei Tage Arbeit, zwei Tage Schule

In der Regel arbeiten die Lernenden drei Tage pro Woche im Betrieb und drücken an zwei Tagen die Schulbank, wo sie sich unter anderem schulisches Grundlagenwissen und Sozialkompetenzen aneignen. Ein wichtiger Bestandteil der Vorlehre ist zudem der Spracherwerb, wobei nur aufgenommen wird, wer schon Grundkenntnisse mitbringt.

Der Kanton Bern bietet Ausbildungsplätze in acht Berufsfeldern an, darunter im Detailhandel, in der Landwirtschaft und im Baugewerbe. Solomon Aklilu sammelt Erfahrungen als Abdichter. Sein Chef Hans Häubi sagt: «Im Bereich Abdichtung haben wir tendenziell Schwierigkeiten, offene Stellen und Lehrstellen zu besetzen.» Die Integrationsvorlehre eröffne der Firma neue Rekrutierungsmöglichkeiten.

Auch im Kanton Aargau stösst das Programm auf das Interesse der Wirtschaft: Das Feld der Anbieter wird im zweiten Jahr deutlich breiter, ab dem Sommer sind auch Integrationsvorlehren als Hauswirtschafter oder Pfleger möglich.

Bundesrat verlängert Programm um zwei Jahre

Das Ziel des Brückenangebots ist der Abschluss eines Lehrvertrags. Dieses Ziel werden im ersten Jahr in Bern, Luzern und im Aargau mehr als die Hälfte der Teilnehmer erreichen. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagte Karin Keller-Sutter am Montag.

Der Bundesrat hat das ursprünglich bis 2022 befristete Pilotprogramm kürzlich um zwei Jahre verlängert und ausgeweitet. Pro Jahr und Ausbildungsplatz zahlt der Bund den Kantonen 13000 Franken, die Pauschale deckt rund die Hälfte der Kosten.

Das Investment soll sich langfristig in Form von sinkenden Sozialhilfekosten auszahlen. Hans Häubi sagt: «Die Vorlehre bedeutet einen Mehraufwand. Aber sie lohnt sich – für uns wie für die Gesellschaft.»

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