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KATHOLIKEN: Pädophilenskandal: Nächste Runde im Kirchenstreit

Der Pädophilenskandal bei den Kapuzinern sorgt für handfesten Streit unter den Katholiken. Der Churer Bischof Vitus Huonder gibt seinem Mediensprecher Giuseppe Gracia Rückendeckung.
Dominik Weingartner
Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur (links) und Mauro Jöhri, Generalminister des Kapuzinerordens. (Bild: PD / Keystone)

Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur (links) und Mauro Jöhri, Generalminister des Kapuzinerordens. (Bild: PD / Keystone)

Dominik Weingartner

Der Fall des pädophilen Kapuzinerpaters Jöel geht in die nächste Runde. Oder besser gesagt: das kirchenpolitische Hickhack, das mittlerweile im Vordergrund steht. Am Donnerstag outete sich auf luzernerzeitung.ch Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur, als Informant, der den obersten Kapuziner der Welt, Mauro Jöhri, verdächtigt hat, den Fall des pädophilen Paters neben anderen ebenfalls vertuscht zu haben.

Nun schlägt der Kapuzinerorden zurück. Nachdem der Sprecher des Schweizer Kapuzinerordens, Willi Anderau, bereits nach dem Outing Gracias Anfang Woche eine politische Kampagne aus «konservativen Kreisen um den Churer Bischof Vitus Huonder» vermutet hatte, doppelte er am Freitag in einem Artikel auf dem Onlineportal «kath.ch» nach: «Offensichtlich hat man in Chur grosse Angst, dass Rom nach dem Rücktritt von Bischof Huonder einen Administrator einsetzen könnte, ein möglicher Kandidat ist Mauro Jöhri», so Anderau. Der Hintergrund ist der Rücktritt von Vitus Huonder, den der Churer Bischof im April aus Altersgründen einreichen muss. Gracia versuche alles, um Jöhri als Administrator zu verhindern, mutmasst Anderau. Weiter fragt sich der Kapuzinersprecher, wie lange «ein solcher Informationsbeauftragter in der Diözese noch tragbar ist».

Gracia bestreitet politisches Motiv

Gracias Chef, Bischof Huonder, hat diese Frage am Freitag fürs Erste beantwortet. In einem auf der Website des Bistums publizierten Statement heisst es: «Der ­Bischof von Chur wertet das selbstständige Handeln seines Medienverantwortlichen im Missbrauchsskandal um Pater Jöel als Versuch, der vollen Aufklärung zu dienen». Und: «Auch der Bischof ist an der Wahrheit interessiert und hat Verständnis für das Handeln seines Medienverantwortlichen.»

Gracia selber bestreitet ein politisches Motiv hinter seinem Gang an die Medien. Ihm gehe es um die Aufklärung des Falles, beteuert er. Konkret geht es um die Rückkehr des pädophilen Paters 2005 in die Schweiz, nachdem er 1989 nach dem erstmaligen Auffliegen seines Missbrauchs nach Frankreich versetzt worden war. Er kehrte just zurück, nachdem in Frankreich ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden war. 2011 wurde er laut «Blick» denn auch zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Das Schweigen des Kapuzinerchefs

2005 war Mauro Jöhri Chef der Schweizer Kapuziner. Jöhri selber beantwortet die Anfragen von Medien zu seiner Rolle nicht. Gegenüber «kath.ch» sagt er, dass er sich nur gegenüber der eingesetzten unabhängigen Untersuchungskommission zum Fall äussern werde, nicht aber gegenüber Medien.

Kapuzinersprecher Willi Anderau äussert sich ebenfalls nicht zum konkreten Fall. Gegenüber «kath.ch» habe er sich vor allem zum, wie er es nennt, «Fall Gracia» geäussert, sagte er am Freitag auf Anfrage. Für den Missbrauchsfall sei der heutige Chef der Schweizer Kapuziner, Agostino Del Pietro, zuständig. «Das ist eine interne Abmachung», so Anderau. Eine Anfrage an Agostino Del Pietro blieb bis Freiitagabend unbeantwortet.

Geäussert hat sich am Freitag stattdessen ein anderer prominenter Katholik. Urban Federer, Abt des Benediktinerklosters in Einsiedeln, äusserte sich auf Twitter. «Traurig: Wenn es um Machtspiele geht und nicht um die Opfer von Missbrauch», schrieb Federer.

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