Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KATHOLISCHE KIRCHE: Jetzt reden die Kapuziner

Tagelang haben sich die Kapuziner nicht zur Rolle von Mauro Jöhri im Fall des pädophilen Paters Joël geäussert. Jetzt veröffentlichen sie ein Dokument, das ihren Generalminister in Rom entlasten soll.
Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur (links) und Mauro Jöhri, Generalminister des Kapuzinerordens. (Bild: PD / Keystone)

Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur (links) und Mauro Jöhri, Generalminister des Kapuzinerordens. (Bild: PD / Keystone)

Nächste Runde im Fall des pädophilen Paters Joël, der über Jahrzehnte mehrere Dutzend Kinder vergewaltigt haben soll. Der Schweizer Kapuzinerorden, dem der fehlbare Pater angehört, hat gestern ein Dokument veröffentlicht, in dem eine Auflistung der im Fall verantwortlichen Personen enthalten ist.

Ziel der Veröffentlichung dürfte die Entlastung des obersten Kapuziners der Welt, Generalminister Mauro Jöhri, sein. Dieser musste sich in den vergangenen Tagen unangenehme Fragen stellen lassen, denn Jöhri, der heute die Geschicke der Kapuziner von Rom aus leitet, war zwischen 1995 und 2001 und 2005 und 2006 Provinzial der Schweizer Kapuziner, bevor er in den Vatikan gerufen worden ist. Der Sprecher des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, mutmasste, dass Jöhri etwas über den Fall gewusst haben muss, aber kein kirchenrechtliches Verfahren gegen Pater Joël eingeleitet hat.

Im gestern verschickten Dokument heisst es, der Entscheid, den pädophilen Pater Joël im Jahr 1989 nach Frankreich zu versetzen, sei vom damaligen Provinzial Gervais Aeby getroffen worden. Die Versetzung erfolgte, weil die Untaten des Kapuzinerpaters aufgeflogen waren. Aeby starb noch im selben Jahren bei einem Attentat auf ein Flugzeug, das im Niger abstürzte. Nachfolger von Aeby wurde Paul Hinder. Hinder ist heute Bischof von Arabien. Aeby habe ihn nie über die Hintergründe der Versetzung des pädophilen Paters nach Frankreich informiert, sagte Hinder diese Woche gegenüber dem Online-Portal «kath.ch».

Massnahmen nach Rückkehr ergriffen

Jetzt kommt Mauro Jöhri ins Spiel, der 1995 Provinzial wurde. «Mauro Jöhri erhielt erst viel später Kenntnis der damaligen Entscheidungen», schreiben die Kapuziner. Während Jöhris erster Amtszeit, die bis 2001 dauerte, habe es keine weiteren Klagen von Opfern gegeben, heisst es im Schreiben weiter. 2001 wurde Ephrem Bucher Provinzial. Bucher hat sich vorletzte Woche im «Blick» für seine Versäumnisse im Fall entschuldigt.

2005 wurde Mauro Jöhri erneut Provinzial der Schweizer Kapuziner. Im Schreiben von gestern heisst es dazu, dass der Provinzial von Frankreich verlangt habe, dass Pater Joël in die Schweiz zurückversetzt werde. Die Vermutung liegt nahe, dass dies geschah, weil in Frankreich gegen ihn ermittelt wurde. Während die Taten des Paters in der Schweiz bereits verjährt waren, wurde er in Frankreich 2012 schliesslich zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt. Jöhri habe nach der Rückkehr Pater Joëls in die Schweiz Massnahmen ergriffen: «Um eine möglichst grosse Sicherheit zu erlangen, dass sich diese schlimmen Vorgänge nicht wiederholen können, entzog Mauro Jöhri dem Täter die Erlaubnis, weiter Messe zu lesen und verbot ihm sämtliche seelsorgerischen Tätigkeiten.» Weiter soll Jöhri dem Schreiben nach Pater Joël verboten haben, das Kloster ohne Begleitung zu verlassen. «Ab dann geschahen keine weiteren Übergriffe mehr», so die Schweizer Kapuziner.

Einmal mehr verweist der Orden darauf, dass eine unabhän­gige Un­ter­suchungskommission «Klarheit in diese dunkle Geschichte bringen wird». Wann das Ergebnis vorliegt, ist offen.

Dominik Weingartner

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.