Keine Hamsterkäufe: Spitäler warnen vor Engpässen

Die Produktion in China stockt, Lieferungen werden in Nachbarländern festgehalten: Im Kampf gegen das Corona-Virus drohen Schutzmasken und Medikamente auszugehen. Experten appellieren an die Verantwortung der Bevölkerung.

Christoph Bernet
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Ein Arzt mit Schutzmaske führt am Universitätsspital Genf einen Corona-Test durch.

Ein Arzt mit Schutzmaske führt am Universitätsspital Genf einen Corona-Test durch.

Die Produktion in China stockt, während der Bedarf steigt und Lieferungen werden an der Grenze blockiert werden: Im Kampf gegen das Corona-Virus drohen Schutzmasken und Medikamente in der Schweiz zur Mangelware zu werden.

Der Bund hat eine Reserve an Masken. Ursprünglich waren es 13 Millionen Hygienemasken an Lager, ein Teil davon ist bereits an die Kantone geliefert worden. 7.8 Millionen Hygienemasken und rund 300’000 qualitativ höherwertigen Schutzmasken für das medizinische Personal sind noch in den Beständen des Bundes. Bei lebensnotwendigen Medikamenten gilt im Gegensatz zu den Masken eine Lagerpflicht für private Unternehmen. Lieferengpässe müssen gemeldet werden

Gegenwärtig wird eine für einen Schweizer Abnehmer bestimmte Lkw-Lieferung mit 240’000 Schutzmasken vom deutschen Zoll an der Grenze zurückgehalten wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Und gemäss Tamedia-Zeitungen wurde eine aus China stammende Containerladung mit Medizinalgütern im Transitbereich des Hamburger Hafens blockiert. Eine Lieferung mit Desinfektionsmitteln wird von den italienischen Behörden zurückgehalten.

Während sich für den in Hamburg blockierten Container laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft eine baldige Lösung abzeichnet, ist das Schicksal des Camions und der Desinfektionslieferung trotz laufenden Gesprächen auf höchster Ebene weiterhin unklar.

Preise für Masken um das Zehnfache gestiegen.

In den Spitälern zeigt man sich ob der vielschichtigen Nachschubprobleme besorgt: «Lieferengpässe werden in nächster Zeit zunehmen», sagt Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitäler fmi AG (Frutigen, Meiringen, Interlaken). Auch wenn die Produktion in China langsam wieder anlaufe: Bis Medikamente und medizinische Produkte beim Endverbraucher eintreffen, dauere es wegen der Lieferketten mehrere Wochen.

Spitalapotheker Enea Martinelli.

Spitalapotheker Enea Martinelli.

Um die gesetzlich vorgeschriebenen Lagerbestände zu erfüllen – sie müssen für eine Pandemiewelle von 12 Wochen ausreichen – müssen die Spitäler tief in die Taschen greifen: «Hygienemasken kosten derzeit zwischen dem Drei- und dem Zehnfachen des normalen Preises», erklärt Andreas Widmer, Leiter der Abteilung für Spitalhygiene am Unispital Basel und Präsident des nationalen Zentrums für Infektionsprävention.

Dieses hat zweimal innert weniger Tage die Empfehlungen für das medizinische Personal im Umgang mit möglichen Corona-Patienten angepasst. Spital-Mitarbeitende sollen die hochwertigeren FFP-2-Schutzmasken nur noch in speziell exponierten Situation wie Intubationen oder Lungenspiegelungen tragen müssen. Im normalen Kontakt mit Patienten kommen chirurgische Schutzmasken zum Einsatz. Pro achtstündiger Schicht soll in der Regel nur eine Maske getragen werden. Diese Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sagt Widmer.

Bevölkerung muss Verantwortung übernehmen

Er warnt aber auch: «Weiter runter können wir mit den Anpassungen nicht mehr.» Andreas Widmer appelliert an die Bevölkerung, sich an die Massnahmen des Bundes zu halten, umso den Druck auf das Gesundheitssystem zu reduzieren: «Wenn wir das tun, stehen wir die nächsten Monate durch. Sonst droht uns ein italienisches Szenario.»

Ähnlich tönt es bei Spitalapotheker Enea Martinelli. Um die Versorgung der gefährdeten Patienten nicht zu gefährden, sei insbesondere von Hamsterkäufen abzuraten: «Sonst verschwinden Medikamente und Masken in den Haushalten. Dabei sind Kranke und das medizinische Personal auf sie angewiesen.»

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