Keine italienischen Durchsagen bei Länderspielen: Bundesrat Cassis unterstützt Beschwerde an Schweizerischen Fussballverband

Die Schweizer Nati spiele eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt des Landes. Man dürfe diesen Aspekt nicht vergessen, sagt Bundesrat Ignazio Cassis.

Kari Kälin
Drucken
Teilen

Am Schluss hat es doch noch geklappt. Cédric Itten erlöste die Fans der Schweizer Nationalmannschaft mit seinem späten Kopfballtor zum 1:0-Sieg gegen Georgien. Den Treffer bejubelte auch Diego Erba, der am vergangenen Freitag zum ersten Mal live einem Spiel er Nati beiwohnte. Weniger erfreut zeigte sich der Koordinator des Forums für das Italienische in der Schweiz über die Durchsagen im Stadion in St. Gallen. Sie erfolgten auf Deutsch, Französisch und Englisch, aber nicht auf Italienisch. «Das hat mich sowie die zahlreichen italienisch sprechenden Fans irritiert», sagt Erba.

Der ehemalige Generalsekretär der Tessiner Bildungsdirektion hat seinem Ärger jetzt in einem Brief an den Schweizerischen Fussballverband Luft gemacht. Eine Kopie des Schreibens schickte er an Sportministerin Viola Amherd und den Tessiner Aussenminister Ignazio Cassis. Darin fordert Erba, dass die offiziellen Durchsagen bei Länderspielen künftig auch auf Italienisch gemacht werden. Das Nichtbeachten desselben zeuge von mangelndem Respekt vor der dritten Landessprache.

«Verschiedene Sprachen sind DNA der Schweiz»

Bei Bundesrat Cassis rennt Erba offene Türen ein. Er unterstütze die Beschwerde im Brief, lässt der Vorsteher des Aussendepartements via seine persönliche Mitarbeiterin Anna Fazioli mitteilen. Die Schweizer Fussballnationalmannschaft spiele sowohl für den Landeszusammenhalt als auch für das Ansehen der Schweiz in der Welt eine wichtige Rolle, ergänzt Cassis. «Sie sollte diesen Aspekt deshalb nicht vergessen.»

Bundesrat Ignazio Cassis .(Archivbild: Keystone)

Bundesrat Ignazio Cassis .(Archivbild: Keystone)

Der Tessiner, dessen Bundesratssitz derzeit von den Grünen ins Visier genommen wird, sagt, man vergesse zu oft, dass die Schweiz drei Amts- und vier Landessprachen habe. Dies sei schade, denn die Koexistenz von verschiedenen Sprachen und Kulturen sei kein zweitrangiger Faktor, sondern gehöre zur DNA des Landes einen bedeutenden Beitrag an die Stabilität, welche die Schweiz auszeichne. Und: «Die permanenten Bemühungen für gegenseitiges Verständnis stärken unsere Dialog- und Kompromissfähigkeit, die in der ganzen Welt anerkannt werden und dazu führt, dass die Schweiz immer wieder eine wichtige Rolle spielt als Vermittlerin bei Konflikten.» Cassis war vor seiner Wahl in den Bundesrat aktives Mitglied beim Forum für das Italienische in der Schweiz und tauscht sich regelmässig mit ihm aus.

Das Verteidigungsdepartement verzichtet darauf, den Schreiben des Forums zu kommentieren. Vorsteherin Viola Amherd ist aber bekannt dafür, dass sie die Sprachenvielfalt lebt. Sie gibt Medien auf Deutsch, Französisch und Italienisch Auskunft.

Zusätzliche scharfe Kritik

Das Forum für das Italienische in der Schweiz ist nicht die einzige Organisation, die sich an der Nichtexistenz der Sprache Dantes bei Länderspielen der Nati stört. Auch Franco Narducci, der Präsident einer Vereinigung zur Förderung der italienischen Sprache in Zürich, wird dem Fussballverband sowie den Bundesrätin Cassis und Amherd einen Brief mit ähnlichem Inhalt schicken. Narducci, der früher für die Auslanditaliener im italienischen Parlament politisierte, spricht von mangelnder Sensibilität und wenig Respekt gegenüber den zahlreichen italienisch sprechenden Fans der Schweizer Nati. «Es ist eine Schande, dass das Italienisch im Stadion aussen vor gelassen wird», sagt er. Der Schweizerische Fussballverband nimmt zurzeit nicht öffentlich Stellung nehmen zur Kritik, wird aber den Brief des Forums beantworten, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. 

Italienisch ist in der Schweiz für knapp 700'000 Personen die Erstsprache. Im Alltag spielt es ausserhalb des Tessins allerdings fast keine Rolle. Nur fast jeder zehnte Deutsch- und Westschweizer spricht wenigstens einmal pro Woche Italienisch.