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KIRCHE: Verwirrung um Predigt-Verbot

Nur geweihte Priester dürfen bei einer heiligen Messe die Predigt halten: Auf diesen Grundsatz pochen die Schweizer Bischöfe. Einzelne Bistümer relativieren bereits.
Eucharistiefeiern sollen weiterhin nur von geweihten Priestern durchgeführt werden, schreibt die Bischofskonferenz. (Bild: AP/Brennan Linsley)

Eucharistiefeiern sollen weiterhin nur von geweihten Priestern durchgeführt werden, schreibt die Bischofskonferenz. (Bild: AP/Brennan Linsley)

Kari Kälin

Die Lehre der katholischen Kirche ist klar: Eigentlich darf nur ein geweihter Priester bei einer Eucharistiefeier die Predigt halten. In vielen Pfarreien ist es aber gang und gäbe, dass auch Diakonen und Laientheologen bei heiligen Messen von der Kanzel zu den Gläubigen sprechen. Für die Pfarrei-Initiative, der sich unterdessen mehr als 500 Seelsorger und rund 1200 Sympathisanten angeschlossen haben, ist diese Praxis das Gebot der Stunde. Die reformorientierteren Katholiken bezeichnen sie in einer Art Zehn-Punkte-Programm, in dem sie für zahlreiche Reformen plädieren, als Selbstverständlichkeit.

Vermischung der Rollen

Bloss: Nicht geweihte Priester, die bei einer heiligen Messe predigen, verstiessen gegen die Gesetze Roms. Diesen Grundsatz ruft die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) in einem Hirtenbrief, den sie gestern auf ihrer Homepage publiziert hat, in Erinnerung. Im Schreiben an die Seelsorger heisst es unter anderem: «Eine Vermischung der Rollen des Priesters, der Diakone und der Laienseelsorger, wie sie da und dort festzustellen ist, ist weder biblisch noch sakramententheologisch zu begründen.» Die Aufgabe des Priesters, in der heiligen Messe die Predigt zu halten, sei auch unter den veränderten Bedingungen unserer Zeit unverzichtbar.

Im Klartext heisst das: Trotz Priestermangel findet die SBK, dass das Predigt-Verbot für Laienseelsorger und Diakone aufrechterhalten werden soll. Damit erteilen die Schweizer Bischöfe den Forderungen der Pfarrei-Initiative explizit eine Absage.

Bistum Basel: Keine Praxisänderung

Das Bistum Chur zeigt sich vom Hirtenbrief nicht überrascht. «Die Bischöfe bestätigen damit die geltende Lehre», sagt Sprecher Giuseppe Gracia. Andere Bistümer hingegen haben das SBK-Schreiben bereits relativiert. In einem E-Mail teilte Bischof Felix Gmür seinen Priestern, Diakonen und Seelsorgern mit, dass sich im Bistum Basel an der bisherigen Regelung zum Predigtdienst nichts ändere. Das heisst: Auch Diakone und Laientheologen dürfen sich bei heiligen Messen weiterhin predigend zum Kirchenvolk wenden. Bischof Gmür erwartet aber einen «verantwortungsvollen Umgang mit der kirchlichen Ordnung».

Auch das Bistum St. Gallen hält gemäss der Internetseite kath.ch an der bisherigen Praxis fest. Das Bistum verweist auf das Dokument «Beauftrage Laien im kirchlichen Dienst» aus dem Jahr 2005. Darin erlauben die Bischöfe den Diakonen und Laien das Predigen, falls dies mit dem Segen eines gleichzeitig anwesenden geweihten Priesters geschieht. Das Motiv hinter der Ausnahmeklausel ist pragmatisch: Die Bischöfe wollten die Priester entlasten, «die immer weniger und älter werden».

Spielraum im Bistum St. Gallen

Der Vorgang im Bistum St. Gallen ist bemerkenswert. Als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz plädiert Markus Büchel für das Einhalten der katholischen Lehre, als Bischof von St. Gallen gewährt er den Seelsorgern an der Basis Spielraum.

Die Verwirrung um das Predigt-Verbot kommt der Pfarrei-Initiative nicht ungelegen. «Wir danken den Bischöfen von Basel und St. Gallen für die Botschaft, dass sich an der Praxis nichts ändern soll», sagt Pfarrei-Initiative-Sprecher Markus Heil. Papst Franziskus habe dazu aufgerufen, die Freude am Evangelium zu wecken. «Wir folgen diesem Motto mit Freude und finden, dass Einschränkungen beim Verkünden des Evangeliums der falsche Weg sind.» Den Hirtenbrief der Bischöfe mag er nicht kommentieren.

Die SBK ist sich bewusst, dass die Pfarreien den Vorgaben zu den Predigten im Pfarreialltag nur schwer Rechnung tragen können. «Wir wissen auch, dass sowohl Priester als auch Laientheologen zeitlich manchmal sehr belastet sind», schreiben sie im Hirtenbrief. Trotzdem stellt sich die Frage, weshalb die SBK Regeln in Erinnerung ruft, die einzelne Bistümer nicht zu respektieren gedenken. SBK-Sprecher Walter Müller erklärt es so: «Es handelt sich nicht um Anweisungen, sondern um ein erklärendes Dokument.» Und Bischof Felix Gmür sagt: «Im Ganzen ist der Brief ein Ausdruck des Ringens darum, wie sich Norm und Wirklichkeit zueinander verhalten.»

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