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Studie zu hoher Sterberate: Kispi-Leitung wehrt sich gegen Vorwürfe

In einer emotionalen Pressekonferenz versucht die Leitung des Kinderspitals Zürich, eine Studie über hohe Mortalitätsraten bei einer bestimmenten Operation ins rechte Licht zu stellen.
Leo Eiholzer
Martin Meuli, Chirurgischer Direktor des Kinderspital Zürich, an der Medienkonferenz. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Martin Meuli, Chirurgischer Direktor des Kinderspital Zürich, an der Medienkonferenz. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Das Zürcher Kinderspital ist in Aufruhr. Gestern lud die Klinikleitung kurzfristig zu einer Pressekonferenz. Der Andrang war gross. Bei den Medienschaffenden und beim Kispi. Fünf Ärzte, der CEO und der Generalsekretär des Spitals waren anwesend. Mit der Pressekonferenz wollte sich das Kispi gegen einen Artikel wehren, den diese Zeitung am Dienstag veröffentlicht hatte: Dieser zeigte, dass die Sterblichkeitsrate bei Kindern mit einem bestimmten Herzfehler – dem hypoplastischen Linksherzsyndrom – laut einer Studie 39 Prozent betrug.

Die Leitung des Kinderspitals bestätigte die Korrektheit der Zahlen, die diese Zeitung genannt hatte. Doch sie wehrte sich gegen den Vergleich mit anderen Herzzentren. Dieser beruht auf mehreren Studien, die die Spitäler in ihrer Institution durchgeführt haben. Demnach war die Sterblichkeitsrate in Zürich bei erfassten Patienten mit diesem Herzfehler doppelt so hoch wie in anderen Spitälern. Im deutschen Giessen und im holländischen Utrecht waren es jeweils nur 15 respektive 19 Prozent.

Nicht alle Kinder in der Statistik

Martin Meuli, Chef der Direktion Chirurgie, sagte: «Diese Studien sind für Wissenschafter gedacht, nicht für den Taxifahrer oder die Migros-Verkäuferin.» Meuli sprach darüber, dass in Giessen nicht alle Kinder operiert würden. Patienten, die nur eine kleine Überlebenschance haben, würden also nicht in die Statistik einfliessen. Einen Beweis für diese Äusserung blieb das Kinderspital aber schuldig. Ausserdem sind in der Zürcher Studie die Kinder nicht enthalten, die vor der Operation starben oder auf Wunsch der Eltern nicht operiert wurden. Der Kinderherzchirurg René Prêtre, der von 2001 bis 2012 am Kispi Chefchi­rurg war, hatte im Artikel eingestanden, dass andere Spitäler bei diesem Herzfehler mehr Erfahrung hätten und besser seien. Oliver Kretschmar, Chefarzt der Kardiologie, sagte gestern dazu: «Das war eine wichtige Bemerkung. Die Fallzahlen sind entscheidend für das Resultat. Wenn man Dinge nur fünfmal im Jahr macht, ist man am Ende nicht ganz so gut wie die grossen Zentren, etwa in den USA.»

Kein Wort zum Konflikt im Herzzentrum

Kispi-CEO Markus Malagoli sagte, die Operationen wegen dieses Herzfehlers machten lediglich zwei Prozent aller Herzoperationen am Kinderspital aus. Mit anderen «Qualitätszahlen» wollte das Kinderspital beweisen, dass sein Herzzentrum ein gutes Niveau hat. Es präsentierte den Prozentsatz der gestorbenen Kinder gesamthaft bei zehn Operationen, die als Indikator für die Qualität einer Einrichtung gelten. Darunter auch die Behandlung des Hypoplastischen Linksherzsyndroms, bei dem das Kispi eben nicht gut abschneidet. Dieser Gesamtsterblichkeitsrate setzte das Kinderspital Zahlen anderer europäischer Kliniken gegenüber. In den Jahren 2016 und 2017 lag das Kispi 11 respektive 18 Prozent über den Vergleichszahlen. Das entspricht 0,3 beziehungsweise 0,5 Prozentpunkten. Während der Medienkonferenz kaum zur Sprache kam der seit Jahren schwelende Konflikt im Herzzentrum. Insider berichten dieser Zeitung von «Extremzuständen», das Kispi lediglich von Diskussionen, die zielführend geführt würden.

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