KNIE: «Wir lassen uns nichts diktieren»

Der grösste Zirkus der Schweiz bricht eine 100-jährige Tradition. Die grauen Riesen treten nicht mehr auf. Künftig werden sie im Zoo für die Zucht eingesetzt.

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Auf Elefantennummern warten Besucher des Circus Knie ab nächstem Jahr vergeblich. Im Bild: Elefanten- Matinée des Zirkus Knie diesen Juli in Luzern. (Bild: Neue LZ/Manuela Jans)

Auf Elefantennummern warten Besucher des Circus Knie ab nächstem Jahr vergeblich. Im Bild: Elefanten- Matinée des Zirkus Knie diesen Juli in Luzern. (Bild: Neue LZ/Manuela Jans)

Ein Schnappschuss von einem Elefantenauftritt 2009 in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)
26 Bilder
Fröhliche Kindergesichter beim Elefantenreiten im Jahr 2011 auf der Luzerner Allmend. (Bild: Maria Schmid / Neue LZ)
... in Reih und Glied durch die Stadt Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)
Fredy Knie jun. zeigt während der Saison 1968 im Zirkus Knie erstmals eine Dressurnummer mit dem Breitmaulnashorn Zeila. (Bild: Keystone)
Ein Tiger springt während einer Raubtiernummer des Circus Knie durch zwei Reifen, die vom Dompteur gehalten werden, undatierte Aufnahme. (Bild: Keystone)
Fredy Knie jun. der Zirkus-Dynastie Knie zeigt in der Saison 1983 im Zirkus Roncalli eine Nummer mit Raubkatzen. (Bild: Keystone)
Daniel Raffo mit Raubtiernummer bei der Generalprobe in Rapperswil (SG) am Donnerstag, 18. März 2004. (Bild: Keystone)
Fredy Knie jun. des Zirkus Knie mit Tigerweibchen Sandra während eines Fototermins im Oktober 1998. Fredy Knie jun. präsentiert in der Saison 1999 die Tigernummer seines italienischen Kollegen Flavio Togni. (Bild: Keystone)
Ivan Pellegrini Knie reitet auf einem Nashorn während der Nummer "Exoten" am Freitag, 28. März 2003, bei der Hauptprobe des Schweizer Nationalzirkus Knie in Rapperswil. (Bild: Keystone)
Ein Bild aus alten Tagen: Elefanten marschieren 2007... (Bild: Archiv Neue LZ)
Kinder füttern Elefanten am 25. Juli 2015 auf der Luzerner Allmend. Es ist das letzte Mal, dass der Circus Knie auf der Allmend zu Gast war. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
In Reih und Glied: Dickhäuter warten auf ihren Auftritt in der Manege. (Bild: Keystone)
Elefanten fressen während dem Aufbau auf der Allmend. (Bild: Pius Amrein)
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1970: Clown Dimitri erklimmt mit Hilfe einer Leiter einen Elefanten. (Bild: Keystone)
Die Elefanten-Vorführungen haben viele Menschen erfreut - nun wird es sie beim Circus Knie nicht mehr geben. (Bild: Keystone)
Da haben Sie den Plausch: Elefanten baden 2009 im Neuenburgersee. (Bild: Keystone)
Franco Knie jun. und Linna Knie-Sun trainieren mit ihren Dickhäutern. (Bild: Keystone)
Nervenkitzel in der Manege: Franco Knie und einer seiner Elefanten im Jahr 1997. (Bild: Keystone)
Eine Artistin lässt sich von einem Dickhäuter tragen. (Bild: Keystone)
Die Elefantennummern erfordern viel Training. (Bild: Keystone)
Vorführung 2005 in Aarau. (Bild: Archiv Neue LZ)
Für viele Besucher der Höhepunkt einer Vorführung: die Elefantennummer des Circus Knie. (Bild: Keystone)
So kennen Zehntausende Circus-Besucher die Knie-Elefanten. (Bild: Keystone)
Ein Schnappschuss von einem Elefantenauftritt 2006 in Lausanne. (Bild: Keystone)
Schöne, bunte Zirkuswelt - nun heisst es Abschiednehmen von den Knie-Elefanten. (Bild: Keystone)
Franco Knie mit seinen Asiatischen Elefanten. (Bild: Keystone)

Ein Schnappschuss von einem Elefantenauftritt 2009 in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Yasmin Kunz

100 Jahre stapften die grauen Riesen durch die Manege des Circus Knie und brachten Tausende von Zuschauern zum Staunen. Die Asiatischen Elefanten waren das Markenzeichen des schweizweit grössten Zirkus. Damit ist ab kommender Saison Schluss. Die zwei Knie-Elefanten Dehli und Ceylon werden in den Knies Kinderzoo Rapperswil im Kanton St. Gallen überführt, wie die Familie Knie gestern mitteilte. Der Entscheid, künftig in der Manege auf die Elefanten zu verzichten, kommt nicht von heute auf morgen. Knie-Verwaltungsrat Franco Knie sagt auf Anfrage: «Wir haben schon länger über diesen Schritt nachgedacht. Jetzt ist der Zeitpunkt für die Umsetzung optimal.»

Knie setzt künftig auf Zucht

Gründe für diesen Entscheid gibt es laut Franco Knie mehrere: Einerseits seien die Asiatischen Elefanten zunehmend vom Aussterben bedroht, und für den Circus Knie werde es schwierig, neue Tiere zu bekommen. Andererseits seien im Juni und Juli die drei alten Elefantenweibchen Sumatra, Siri und Patma gestorben.

Weiter zu diesem Entschluss beigetragen habe die Ankunft des siebenjährigen Bullen Thisiam vom Zoo im polnischen Kattowitz in den im März eröffneten Elefantenpark von Knies Kinderzoo. «Wir wollen mit ihm nun auf eine matriarchale Eigenzucht setzen», sagt Knie. Konkret: Die jetzigen Elefanten werden ihren Stammbaum weiterführen. Für die Zucht biete der Elefantenpark die ideale Infrastruktur. Dort habe man Platz für zehn ausgewachsene Tiere. «Auf dem Zirkusgelände hätten uns der Platz und die nötige Infrastruktur gefehlt.» Bis Ende November bleibt noch alles beim Alten. Die Abschaffung der Elefanten in der Manege habe nichts mit der Kritik von Tierschützern zu tun (siehe Box). «Wir lassen uns von Aktivisten nichts diktieren», sagt Knie dazu.

«Sehr emotionaler Entscheid»

Der Entscheid, sich nach rund 100 Jahren von den Elefanten zu trennen, ist der ganzen Zirkusfamilie schwergefallen, wie Knie sagt. «Wir haben lange über diesen Schritt nachgedacht und sehr emotionale Gespräche geführt.» Dabei seien auch Tränen geflossen, räumt er ein. Vor allem ihm falle es nach 40-jähriger Arbeit schwer loszulassen. Knie sagt: «Die Elefanten gehören irgendwie zur Familie.» Wie diese Lücke künftig im Zirkusprogramm gefüllt werden soll, lässt er offen. «Es ist nicht einfach, diese Elefantennummern zu ersetzen.» Ihm sei klar, dass insbesondere Kinder von diesem Traditionsbruch enttäuscht sein würden. «Ich denke allerdings nicht, dass die Trennung von den Elefanten Auswirkungen auf die Besucherzahlen hat.» Schon länger der Vergangenheit gehören spektakuläre Auftritte mit eigenen Tigern und Löwen an. Franco Knie sagt: «Diese Nummern haben wir schon vor 40 Jahren aus dem Programm gestrichen.»