Roger Köppel schlägt St.Galler Nationalrätin Esther Friedli als SVP-Präsidentin vor – das sorgt für Ärger

Martina Bircher will nicht SVP-Präsidentin werden. Nun steht das Duell Glarner/Heer im Vordergrund. Das gefällt aber nicht allen. Köppel schlägt die Lebenspartnerin von Toni Brunner vor. Auch die Findungskommission sucht weiter.

Othmar von Matt
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Die Aargauer Nationalrätin Martina Bircher bestätigte am Samstag, was die «Schweiz am Wochenende» schrieb: Sie kandidiert nicht für das Präsidium der SVP - und hat der Findungskommission schon vor vier Wochen einen Korb gegeben.

Damit steht nichts mehr einem Duell im Wege zwischen den Nationalräten Andreas Glarner (AG) und Alfred Heer (ZH), den beiden einzigen verbliebenen offiziellen Kandidaten. Könnte man meinen.

Ein Tweet lässt starke Widerstände vermuten

Doch so einfach ist es nicht. Im engsten Kreis der SVP scheint es starke Widerstände zu geben gegen einen Präsidenten Glarner oder Heer. Anders lässt sich der Tweet nicht deuten, den SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel am Samstag publizierte.

«Esther Friedli wäre eine sehr gute Wahl», schrieb er zu einem Artikel mit der Nachricht, dass Martina Bircher der Findungskommission eine Absage erteilt hat. Friedli ist die Lebenspartnerin von Toni Brunner, SVP-Präsident von 2008 bis 2016. Glarner und Heer erwähnte Köppel mit keinem Wort.

SVP-Nationalrätin Esther Friedli im Jahr 2019.

SVP-Nationalrätin Esther Friedli im Jahr 2019.

Bild: Anthony Anex / KEYSTONE

Auch die Findungskommission selbst scheint nicht restlos glücklich mit dem Kandidaten-Duo Andreas Glarner und Alfred Heer und will noch weitere Kandidaten erwägen.

Esther Friedli: «Ich bin keine Kandidatin»

Esther Friedli selbst hatte gegenüber CH Media schon am 28. Januar betont, eine Kandidatur für das SVP-Präsidium stehe für sie «ausser Diskussion». Friedli: «Das Haus Brunner/Friedli hat mit Toni Brunner als Präsident schon acht Jahre lang die SVP Schweiz geführt.»

Friedli betont das auch nach Köppels Tweet. «Das Präsidium der SVP ist für mich überhaupt kein Thema, ich bin keine Kandidatin», sagt sie. Ich konzentriere mich auf die Kampagne für die Begrenzungsinitiative.»

Nationalrätin Esther Friedli mit ihrem Lebenspartner und Ex-SVP-Präsident Toni Brunner (Mitte) und Alt-Bundesrat und SVP-Doyen Christoph Blocher.

Nationalrätin Esther Friedli mit ihrem Lebenspartner und Ex-SVP-Präsident Toni Brunner (Mitte) und Alt-Bundesrat und SVP-Doyen Christoph Blocher.

Keystone

Friedli betont zudem, das Restaurant «Haus der Freiheit», das Toni Brunner und sie betreiben, sei wie die ganze Gastrobranche stark betroffen von der Coronakrise. «Es braucht nun sehr viel Energie und Einsatz von Toni und mir, um es auf solide, zukunftsträchtige Beine zu stellen.» Für sie sei es wichtig, «auch ein Standbein in der realen Wirtschaftswelt zu haben».

Fast niemand weiss so gut wie Friedli, was das SVP-Präsidium bedeutet. «Toni Brunner war mit Leib und Seele Präsident der SVP. Er hat diesem Amt alles untergeordnet, es waren die acht spannendsten Jahre seines Lebens.» Es gehe um das Präsidium der grössten Partei des Landes. «Wer es übernehmen will, muss den Willen haben, dies als seine Hauptberufung zu sehen. Es braucht jemanden, der dieses Präsidium mit vollem Engagement führen will und führen kann.»

Verärgerung über Köppel im Heer-Lager

Köppels Friedli-Tweet hat im Lager von Alfred Heer für Verärgerung gesorgt. Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid verdeutlicht sein Unverständnis mit einer bösen Bemerkung an die Adresse von Köppel: «Ist es klüger, wenn die <Weltwoche> andauernd über Alfred Heer <brünzlet>? Einen Mann mit Leistungsausweis und bemerkenswerten Fähigkeiten, dieses anspruchsvolle Amt ehrenamtlich auszuführen?»

Tatsächlich hat die «Weltwoche» in den letzten Monaten Alfred Heer immer wieder mal kritisch thematisiert. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Ordnungsantrag von SVP-Nationalrat Lukas Reimann in der Corona-Sondersession, die Taggelder der Nationalräte als «Zeichen der Solidarität» zu halbieren. Heer, der «Funktionär», habe dies abgelehnt, schrieb die «Weltwoche». Und frotzelte: Damit sei auch gleich der Bund der Steuerzahler als Kontrollinstanz weggefallen - weil Heer ihr Präsident sei.

Nationalrat Marcel Dettling kann aber nichts mit dem medial kolportierten Gerücht anfangen, es bestehe ein Graben zwischen Heer und Christoph Blocher. Darüber müsse er lachen, sagt er. Magdalena Martullo-Blocher und Heer gehörten zu einer SVP-Jassrunde. Da zeige sich immer wieder eines, betont Dettling: «Die beiden verstehen sich blendend.»

Lars Guggisberg als Geheimfavorit?

Das Nachrichtenportal Watson bringt nach Birchers Absage auch den neu gewählten Berner Nationalrat Lars Guggisberg als möglichen Geheimfavoriten ins Spiel. Anwalt und Dozent Guggisberg sei von Politikern genannt worden - und habe im Gespräch eine Kandidatur auch nicht ausgeschlossen.

Gegenüber CH Media hatte Guggisberg am 2. Juli auf dieselbe Nachfrage noch ziemlich deutlich reagiert. «Das Amt als Präsident der grössten Partei im Land würde mich zweifellos reizen», hielt er schriftlich fest. «Da ich aber erst seit kurzem im Nationalrat politisiere und gerade die Leitung der SVP-Delegation in der Finanzkommission übernommen habe sowie aufgrund meiner aktuellen familiären Situation kommt für mich das Parteipräsidium im jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht infrage.»

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