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Nach Kokainkauf von SVP-Nationalrat Luzi Stamm: Wer die Droge verkauft, wer sie konsumiert

SVP-Nationalrat Luzi Stamm will mit seinem Drogenkauf die Politik wachrütteln und der Kokain-Mafia das Handwerk legen. Doch ist das überhaupt nötig? Hat die Schweiz ein Kokainproblem?
Barbara Inglin
Kokain ist die weitverbreitetste harte Droge in der Schweiz, fünf Tonnen werden hierzulande jährlich verkauft. (Symbolbild: Key/Martin Ruetschi (Zürich 11. November 2006))

Kokain ist die weitverbreitetste harte Droge in der Schweiz, fünf Tonnen werden hierzulande jährlich verkauft. (Symbolbild: Key/Martin Ruetschi (Zürich 11. November 2006))

Beliebteste harte Droge: Die hohe Kaufkraft macht die Schweiz zum idealen Handelsplatz für Suchtmittel. Das hält «Sucht Schweiz» in einer aktuellen Publikation fest. Kokain ist, abgesehen von Cannabis, die beliebteste illegale Droge der Schweizer. Jährlich werden geschätzte fünf Tonnen umgesetzt. Die Schweizer Städte liegen beim Pro-Kopf-Konsum in einem europaweiten Vergleich ganz vorne. Zuletzt hat die Produktion in Südamerika zugelegt, in Europa wurden in der Folge grössere Mengen beschlagnahmt. Für die Schweiz hat das grössere Angebot, zumindest aus Konsumentensicht, einen positiven Effekt: Das hierzulande verkaufte Kokain ist reiner als auch schon.

Mit Babymilchpulver gestreckt: Eine Studie aus dem Kanton Waadt zeigt: Das in der Schweiz verkaufte Kokain kommt meist aus Südamerika. Über Spanien und die Niederlande gelangt es in die Schweiz. Drogenkurriere schmuggeln das Kokain unter anderem im eigenen Magen. In der Schweiz warten bereits die Zwischenhändler auf ihre Bestellung. Mit Babymilchpulver wird das Kokain gestreckt, bevor es an die Verkäufer und schliesslich die Kunden weitergeht. Gehandelt wird sowohl auf der Gasse als auch im Bekanntenkreis, Bestellungen gehen per Telefon ein, der Onlinehandel, wohl meist übers Darknet, ist noch bescheiden. Organisiert wird der Kokainhandel insbesondere über Händlernetze aus Westafrika.

Von der Hausfrau bis zur Ärztin: Gekokst wird in allen Bevölkerungsschichten, vom Randständigen bis zum Partygänger, von der Hausfrau bis zur Ärztin, vom Banker bis zum Bauarbeiter. Vier Fünftel der Konsumenten ist sozial integriert und konsumiert weniger als einmal pro Woche. Bei einem Fünftel der Konsumenten handelt es sich um Personen, die immer noch oder in der Vergangenheit andere harte Drogen konsumiert haben, oft Heroin.

2500 Anzeigen jährlich: Muss die Polizei entschlossener gegen Dealer vorgehen? Für die grösseren Schweizer Städte wie Zürich, Basel, Bern, Luzern oder St.Gallen sind illegale Drogen ein ständiges Problem, gerade auch an Wochenenden. Alarmierend ist die Situation gemäss Polizei und Fachstellen in keiner Stadt. Trotz der Aktion von Luzi Stamm: Die Situation in Bern sei nicht schlimmer als in anderen Städten, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause am Mittwoch.

Auch der Bundesrat sieht keinen zusätzlichen Handlungsbedarf. Jährlich kommt es zu rund 2500 Anzeigen wegen schwerem Betäubungsmittelhandel. Die Zahl sei über zehn Jahre relativ konstant, schreibt der Bundesrat in einer Antwort auf einen Vorstoss. Dies lasse darauf schliessen, dass die Polizeikorps bereits heute «die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Bekämpfung des Drogenhandels ausschöpfen.»

Cassis und Dreifuss für Legalisierung: Mehrheitsfähig ist eine Legalisierung in der Schweiz wohl kaum, die Idee hat aber prominente Fürsprecher. Sowohl Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss als auch Aussenminister Ignazio Cassis haben sich schon öffentlich für eine Kokain-Legalisierung ausgesprochen. «Ein regulierter Markt ist der beste Weg, um Drogenmissbrauch zu bekämpfen», sagte Cassis vor seiner Wahl in den Bundesrat. Weniger weit geht ein Vorschlag des CVP-Nationalrats Claude Béglé. In offiziellen, klar abgegrenzten Bereichen soll der Drogenhandel zugelassen werden. Dies könnte, so Béglé, den Drogenkonsum um 50 Prozent senken und würde weniger Jugendliche zum Drogenkonsum verleiten. Der Bundesrat will davon nichts wissen. Solche Zonen seien im Gesetz nicht vorgesehen.

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