KOMMENTAR
Der Flughafen Zürich will zwei Pisten verlängern: Das ist umstritten – und richtig

Viele Anwohner sind wegen des Fluglärms gegen den Plan des Airports. Dabei erhöht der Ausbau die Sicherheit des Betriebs.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Der Betrieb auf den drei Pisten des Flughafens Zürich ist kompliziert.

Der Betrieb auf den drei Pisten des Flughafens Zürich ist kompliziert.

Keystone

Es wird sich ein Protestgeheul erheben rund um den Flughafen Zürich. Linke und grüne Politiker, aber auch Mandatsträger anderer Parteien werden sich den Klagen von Anwohnern anschliessen und fordern, dass die Pläne des Flughafens verhindert werden. Weil sie schlimm seien für die Menschen, die in der Nähe des Airports wohnen.

Man darf sich von den Unmutsbekundungen nicht beeindrucken lassen. Es ist vernünftig, was der Flughafen will. Und es nützt der ganzen Schweiz.

Zwei der drei Pisten in Kloten sollen verlängert werden. Der Zürcher Regierungsrat unterstützt das Vorhaben. Ob der Kantonsrat und die Zürcher Stimmberechtigten ebenfalls Ja sagen, ist hingegen weniger gewiss.

Pisten, die sich kreuzen. Und Deutschland legt sich quer

Der Flughafen Zürich ist ein Kuriosum. Er hat drei Pisten und ist damit eigentlich sehr komfortabel ausgestattet. Heathrow in London, einer der grössten Airports der Welt, hat nur zwei Pisten; nun soll eine dritte gebaut werden.

Damit ein Flughafen problemlos betrieben werden kann, sollten seine Pisten in gebührendem Abstand parallel zueinander verlaufen. Das erleichtert die Abwicklung der Starts und Landungen. In Kloten ist das nicht der Fall. Die Pisten verlaufen nicht parallel – zwei von ihnen kreuzen sich sogar. Ausserdem ist eine der drei Pisten etwas kurz geraten. Sie ist darum für Landungen grosser Jets unbrauchbar. Und die Piloten mittelgrosser Maschinen müssen dort nach dem Aufsetzen so brüsk bremsen, dass einigen Passagieren der Schreck in die Glieder fährt.

Diese Umstände machen es schwierig, An- und Abflüge zu koordinieren. Hinzu kommt ein weiterer hinderlicher Faktor: Deutschland duldet frühmorgens und am Abend keine Anflüge auf Kloten, die über deutsches Staatsgebiet führen. Die An- und Abflugrichtungen müssen darum auf dem Flughafen Zürich mehrmals täglich geändert werden. Das ist kompliziert, es kostet Zeit – und es ist nicht im Sinne eines möglichst sicheren Flugbetriebs. Unverschämterweise weigert sich Deutschland auch, bei einer Entflechtung der An- und Abflüge mitzumachen. Dabei gibt es in Deutschland keinen starken Fluglärm, der durch den Flughafen Zürich verursacht würde. Offizielle, von Bundeskanzlerin Angela Merkel veranlasste Fluglärmmessungen haben das ergeben.

Wenn der Lärm so schlimm ist - warum wachsen die Flughafengemeinden?

Die Verlängerung der Pisten ist eine Massnahme gegen diese Defizite. Sie erlaubt ein stabileres Betriebskonzept, das weniger anfällig für Verspätungen ist. Und sie erhöht die Sicherheit, weil sich die An- und Abflüge leichter koordinieren lassen. Eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten, ist essenziell für eine aviatische Infrastruktur.

Was ist von den Protesten aus den Anwohnergebieten zu halten? Es ist bemerkenswert, wie stark die Gemeinden rund um den Flughafen Zürich gewachsen sind. Der Airport bietet Tausende von Arbeitsplätzen, seine Zulieferbetriebe ebenso. Die Steuersätze in diesen Gemeinden sind eher tief. Wenn sich einige der vielen Zuzüger über Fluglärm beklagen, ist das vergleichbar mit dem Gast eines Restaurants, der Fisch bestellt und sich dann über den Fischgeschmack beschwert.

Neue Flugzeuge machen weniger Lärm als alte

Die Perspektiven der Gemeinden sind gut, weil die Lärmemissionen neuer Flugzeuge tiefer sind als jene älterer Maschinen. Bei der Entwicklung neuer Triebwerke achten die Ingenieure auf die Lärmminderung. Mit jedem neuen Flugzeugtyp ergibt sich eine Reduktion um einige Dezibel. So verliert das Fluglärmproblem mit der Zeit an Relevanz.

Nach dem Scheitern des EU-Rahmenvertrags rufen nun mehrere Politiker nach einem «Fitnessprogramm» für die Wirtschaft. Ein gut funktionierender Flughafen, der auch interkontinentale Verbindungen anbietet, ist für eine Volkswirtschaft von enormer Bedeutung. Kloten ist nicht nur für den Kanton Zürich wichtig, sondern für die ganze Schweiz. Es gibt keinen triftigen Grund, warum dem Flughafen Zürich die Verlängerung zweier Pisten verwehrt werden sollte.