KOMMENTAR: Erasmus: Falsches Signal

Dominic Wirth
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Dominic Wirth (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 3. Februar 2017))

Dominic Wirth (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 3. Februar 2017))

Eigentlich schien der Weg endlich frei. Im Dezember hat der Bundesrat die Personen­freizügigkeit auf Kroatien erweitert – und damit jene Hürde beseitigt, die der Schweizer Vollmitgliedschaft bei Erasmus+ im Weg stand. Doch statt die Verhandlungen über das Austauschprogramm mit der EU wieder aufzunehmen, überrascht der Bund nun mit völlig neuen Plänen. Er gibt sich weiterhin mit dem Status als Drittstaat zufrieden. Die Übergangslösung, die 2014 instal- liert wurde, soll noch bis 2020 in Kraft bleiben. Dieser Entscheid überrascht selbst Bildungspolitiker. Und er liefert einen Hinweis darauf, wie schwer es Schweizer Anliegen in Brüssel nach wie vor haben.

Dass die Schweiz weiterhin mit einer Übergangslösung arbei-ten will, ist aber nicht nur über­raschend. Es ist auch falsch. Natürlich, zumindest bei den Studenten sind die Mobilitätszahlen zuletzt trotz allem gestiegen. Anderswo, beim Hochschulpersonal etwa, ist die Entwicklung aber gegenläufig. Die Universitäten betonen schon lange, dass sie bei Erasmus+ wieder voll mitmachen wollen, weil sie mit der aktuellen Lösung nicht zufrieden sind. Denn derzeit müssen sie mit jeder Universität bilaterale Verträge aushandeln.

Der Bund sendet mit dem Entscheid, bei Erasmus+ sein eigenes Süppchen zu kochen, ein falsches Signal. Ausgerechnet das Land, das im Herzen Europas liegt, ist beim Austauschprogramm nicht richtig mit dabei und gibt sich statt­dessen mit dem Status als Drittstaat zufrieden. Die Schweiz, die die Bildung gerne als ihren einzigen Rohstoff bezeichnet, bewegt sich damit in einer Liga mit Marokko oder Armenien.

Dominic Wirth

schweiz@luzernerzeitung.ch