KOMMENTAR: Nobelpreis: Über das rituelle Stolzsein der Politiker

Blattmacher Balz Bruder über die Reaktion der Politiker auf den Schweizer Nobelpreis für Chemie.

Balz Bruder
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Die Wissensnation Schweiz, nicht gesegnet mit Rohstoffen im Boden, dafür mit Menschen mit Köpfchen, darf sich über einen Nobelpreis freuen. Es ist, nach einer Pause von 15 Jahren immerhin, der erste, den die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften einem Schweizer – zusammen mit zwei Angelsachsen – verleiht.

So sympathisch bescheiden der ausgezeichnete Forscher, so stolz unbescheiden die Politik. Bundespräsidentin Doris Leuthard twitterte: «Ich gratuliere Jacques Dubochet zum Nobelpreis für Chemie.» Die Auszeichnung sei Ausdruck seiner «hervorragenden Forschungsarbeit und macht mich stolz auf die Schweiz».

Da mochte Johann Schneider-Ammann nicht zurückstehen. In einwandfreiem Französisch war von ihm zu lesen: «Toutes mes félicitations!» Glückwünsche, die der auch für Bildung und Forschung zuständige Bundesrat auf die «science suisse honorée» bezog.

Die Botschaft ist klar: Wir dürfen stolz sein, stolz sein zu dürfen. Etwas, das sich auch SP-Nationalrat Roger Nordmann gesagt haben mag. Er gratulierte nicht nur dem Wissenschaftler Dubochet, sondern auch dem Genossen Jacques. Er und seine Partei seien ... ja, stolz, dass ein Parteimitglied geehrt wurde.

So viel zum rituellen Stolzsein. Es tut gut und ist vergänglich. Und kaufen kann man sich auch nichts davon. Ungleich wichtiger ist deshalb, dass sich Politik und Wirtschaft darum kümmern, für den Wissenschafts- und Werkplatz Schweiz Rahmenbedingungen zu ­schaffen, die es Forschern erlauben, Nobelpreis-Würdiges zu leisten.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch