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KOMMENTAR: Passives Rechtsvorbeifahren: Neue Freiheit auf der Autobahn

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über das Rechtsvorbeifahren auf den Schweizer Autobahnen.
Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Einen gewissen Linksdrall kann man Autofahrern nicht absprechen. Es lässt sich tagtäglich auf unseren Autobahnen beobachten. Jene, die es eilig haben, stellen, kaum sind sie auf der Autobahn, den Blinker und wechseln zum Überholen auf die linke Fahrspur. Sind sie erst einmal dort, kommen sie nicht mehr von ihr fort. Tüchtig wird links dem Ziel entgegengebrettert. Wer sich nicht ihrem Tempo unterwirft, der wird per Lichthupe unmissverständlich aufgefordert, Platz zu machen.

Dies führt dazu, dass es phasenweise auf der linken Spur mehr Verkehr hat als rechts. Dort würde es zügig vorwärtsgehen, würden die Lenker auf der rechten Spur nur aufschliessen. Dies empfiehlt sich aber nicht. Passives Rechtsvorbeifahren, so der juristisch korrekte Begriff, ist laut einem Urteil des Bundesgerichts von März 2016 nur bei dichtem Verkehr erlaubt.

Das soll jetzt alles anders werden. Der Bund denkt laut darüber nach, das Rechtsvorbeifahren zumindest auf der Autobahn zuzulassen. Damit vollzieht er eine Kehrtwende. 2011 wollte der Bundesrat auf eine entsprechende Anfrage noch nichts dergleichen wissen. Zu gefährlich, so die Begründung der Landesregierung damals.

Dass der Bund seine Meinung doch noch geändert hat, ist eigentlich nur zu begrüssen. Mit dieser Massnahme lassen sich die Kapazitäten der Autobahnen besser nutzen. Nicht einmal beim zuständigen Bundesamt für Strassen hat man Sicherheitsbedenken. Die Autobahnen seien heute schon sehr sicher, heisst es dort. So viel Unbekümmertheit wünschte man sich vom Bund auch in anderen Dingen, beispielsweise bei der Gesundheitsprävention. Es muss ja nicht gleich jede Krankheit ausgerottet werden.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass auch die neue Freiheit auf unseren Autobahnen nicht sämtliche Verkehrsprobleme lösen wird. Dazu genügt ein Blick in die Statistik. 2016 waren 5,9 Millionen Fahrzeuge in der Schweiz immatrikuliert. Gegenüber dem Jahr 2000 entspricht dies einer Zunahme von 30 Prozent. Mit einer weiteren Zunahme ist zu rechnen und damit mit potenziell mehr Staus. Mit ein wenig mehr Gelassenheit kämen wir wohl oftmals schneller vorwärts.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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