KOMMENTAR
Warum die Schweiz und Europa unbedingt einen Sieg Macrons brauchen

Eine Präsidentin Marine Le Pen würde Frankreich Schritt für Schritt zur Totengräberin eines starken, demokratischen, freiheitlichen Europas machen. Und das mitten in einer gigantischen Sicherheitskrise auf dem Kontinent. Das ist nicht im Interesse der Schweiz.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Händeschütteln mit Putin: Marine Le Pen wurde kurz vor der Präsidentschaftswahl 2017 herzlich im Kreml empfangen.

Händeschütteln mit Putin: Marine Le Pen wurde kurz vor der Präsidentschaftswahl 2017 herzlich im Kreml empfangen.

Mikhail Klimentyev / AP

Emmanuel Macron oder Marine Le Pen? Was geht uns Schweizer die französische Präsidentschaftswahl vom kommenden Sonntag schon an? Die Antwort: Eindeutig mehr als die meisten hiesigen Urnengänge.

Auf dem Spiel steht die Stabilität Europas als Hort der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit.

Marine Le Pen wird, sollte sie gewählt werden, die Grande Nation nicht von heute auf morgen zu einer finsteren Macht degradieren. Wir werden in Paris weiterhin der Seine entlang flanieren und im Maraisquartier einen Aperol-Spritz konsumieren. Wohlan.

Doch Präsidentin Le Pen wird, wie bereits ihr guter Freund Orban in Budapest, die demokratischen und rechtsstaatlichen Grundwerte der EU peu à peu verraten, bis sie zu hohlen Formeln verkommen sind. Und sie wird, eine weitere auffällige Parallele zum ungarischen Autokraten, die Nähe zu Kriegstreiber Putin suchen.

Frankreich, die Wiege der Menschenrechte, würde sich folglich als Totengräberin einer EU entpuppen, die sich gegenüber Imperialisten wie Putin oder Xi Jinping behaupten kann. Ein starkes, demokratisches Europa, das seine Interessen zu schützen und zu verteidigen weiss, ist auch für die Schweiz von fundamentaler Bedeutung.

Mit Le Pen kämen freilich Prozesse in Gang, welche die Welt, wie wir sie kennen, zusehends verfaulen lassen. Viele Französinnen und Franzosen mögen Macron nicht. Aber die Mehrheit merkt wohl gerade noch rechtzeitig, was auf dem Spiel steht.