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KONKURRENZ: ÖV-Direktor Stückelberger: «Ausländische Fernbusse wären eine echte Bedrohung»

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, warnt vor einem unfairen Wettbewerb zwischen Fernbussen und der Bahn. Rosinenpickerei schade dem Schweizer ÖV-System.
Tobias Gafafer
Ein Flixbus hält am Hauptbahnhof in St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 29. Oktober 2016))

Ein Flixbus hält am Hauptbahnhof in St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 29. Oktober 2016))

Tobias Gafafer

Ueli Stückelberger, sind Sie schon einmal mit einem Fernbus gefahren?

Nein.

Die Debatte kommt auch hierzulande in Fahrt. Der Bund muss über Gesuche eines Unternehmens entscheiden, das Fernbusse innerhalb der Schweiz anbieten will. Was halten Sie davon?

Als Ergänzung zum ÖV sind einzelne Fernbusse in Ordnung, als Konkurrenzierung dagegen problematisch. Ich warne vor einem Dammbruch. Die Schweiz muss sich überlegen, ob sie zwei Systeme will. Wer diese Frage bejaht, darf nicht erwarten, dass der ÖV seine Kosten stärker deckt.

In der Schweiz dürften Fernbusse bloss ein Nischenangebot bleiben. Warum wehren Sie sich trotzdem?

Der ÖV-Kunde ist preissensibel. Wir können und wollen nicht immer weiter die Tarife erhöhen. Sonst steigen Passagiere um. Es ist widersprüchlich, wenn die Politik von uns erwartet, dass die Nutzer mehr für die Infrastruktur zahlen, und gleichzeitig günstige Fernbusse zulässt. Im Regional- und Fernverkehr hat die Schweiz mit dem Taktfahrplan ein hervorragendes Angebot, dem wir als Gesamtsystem Sorge tragen müssen. Rosinenpickerei ist schädlich.

Die Eisenbahn ist auf vielen Strecken schnell, komfortabel und zuverlässig. Das ist trotz der Preise ein grosser Konkurrenzvorteil.

Der öV ist sehr gut. Wir fürchten uns nicht vor dem qualitativen Wettkampf. Aber je grösser der Preisunterschied, desto mehr Leute nehmen das schlechtere Angebot in Kauf, weil es günstiger ist. Dies darf man nicht unterschätzen, vorab im preissensiblen Freizeitverkehr.

Mehr Wettbewerb würde die SBB zwingen, effizienter zu werden.

Nein, das glaube ich nicht. Die Transportunternehmen sind effizient und machen bereits heute grosse Anstrengungen, um noch effizienter zu werden.

Rechtlich wird es nicht einfach, Fernbusse zu stoppen. Die SBB und andere Bahnen müssten nachweisen, dass die neuen Angebote sie substanziell bedrohen würden.

Das ist uns bewusst. Wir wollen kein Verbot von Fernbussen, hoffen aber, dass der Bund das Gesetz streng auslegt. Es wäre der falsche Weg, jetzt als Versuchsballon Fernbusse als Konkurrenz zum öV zuzulassen, und dann erst zu reagieren, wenn es zu spät ist.

Unternehmen, die im Binnenverkehr Fernbusse anbieten wollen, müssten Schweizer Löhne bezahlen und Abos wie das GA akzeptieren.

Gleich lange Spiesse sind eminent wichtig. Mir machen Schweizer Unternehmen, die gleich lange Spiesse haben, deshalb weniger Sorgen als die Zulassung der sogenannten Kabotage. Heute ist es verboten, dass Passagiere von internationalen Fernbuslinien diese innerhalb der Schweiz nutzen.

Warum macht Ihnen eine Aufhebung des Kabotage­verbots Sorgen?

Weil der Wettbewerb nicht fair wäre. Ein Busunternehmen, das ausländische Löhne zahlt und etwa auf dem Weg von Frankfurt nach Zürich in Basel Passagiere aufnimmt, kann mit ganz anderen Kosten als die Schweizer ­Bahnen operieren. Ausländische Fernbusse wären eine echte Bedrohung, gerade im subventionierten Regionalverkehr. Zum Beispiel für die Rhätische Bahn, wenn ihr ein Bus von Deutschland nach St. Moritz Konkurrenz machen würde, der zum Ein- und Aussteigen in Chur hält.

Zur Person

Der Berner Ueli Stückelberger (47) ist seit 2011 Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr, der 127 Schweizer Transportunternehmen vertritt. Zuvor war der Jurist im Bundesamt für Verkehr tätig.

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