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KOPF DES TAGES: Roberto Martullo – der Mann mit dem Portemonnaie

Der Milliardärinnengatte und Blocher-Schwiegersohn kämpft erfolgreich für tiefe Steuern an seinem Wohnort. Grössere Pläne blieben bisher erfolglos.
Roberto Martullo (Bild: Urs Jaudas/ Tages-Anzeiger)

Roberto Martullo (Bild: Urs Jaudas/ Tages-Anzeiger)

Es ist nicht alles golden, was glänzt an der Goldküste. Dieser Schluss drängt sich bei der Analyse der Finanzperspektiven der Gemeinde Meilen auf. Bald schreibt die Gemeinde rote Zahlen. Nicht dass dies von nationalem Interesse wäre. Aber: Die Meilemer Finanzen hängen nicht unwesentlich vom Wohlstand der Familie Martullo-Blocher ab. Und weil sie die «Bilanz» jüngst in die Riege der zehn reichsten Familien der Schweiz aufgenommen hat, interessiert die Beziehung zwischen Wohngemeinde und Steuerdomizil durchaus.

Vor allem wenn der Ehemann von Ems-Chefin und Nationalrätin Magdalena Martullo- Blocher höchstselbst in Erscheinung tritt, um sich für die monetären Interessen der Gemeinde beziehungsweise der Familie zu verwenden. Nachdem Roberto Martullo schon vor einem Jahr an der Gemeindeversammlung «mit einer aufsehenerregenden Aktion» (NZZ) verhindert hatte, dass der Steuerfuss um einige Prozentpunkte angehoben wurde, setzte er diese Woche an der Budgetgemeinde noch einen drauf. Laut «Zürichsee-Zeitung» streckte er an der Versammlung sein Portemonnaie in die Höhe und sagte: «Es ist wieder dünner geworden.»

Die Botschaft, vom Meilener Einwohner und Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger wissenschaftlich, vor allem aber wortreich veredelt, war klar: Nein, eine Steuerfusserhöhung braucht es nicht – denn es sind potente Steuerzahler da, welche die Löcher stopfen. Und siehe da: Die Meilenerinnen und Meilener lehnten das Ansinnen der Rechnungsprüfungskommission ab. Dorfsaal und Bushof gibt es damit einstweilen nicht, die an Schwindsucht leidende Sparsau, so die freisinnige Finanzvorsteherin, wird weiter geschröpft – dafür müssen die Steuerzahler, vor allem die guten unter ihnen, nicht tiefer in die Tasche greifen.

The same procedure as every year? Fast, ist man versucht zu sagen. Einziger Unterschied gegenüber dem Vorjahr: 2016 hatte der «Milliardärinnengatte» («Tages-Anzeiger») noch Nachsteuern im Umfang von 6,4 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Geld, das in der Folge tatsächlich floss – auch wenn weniger als 1 Million in der Gemeindekasse hängen- blieb. Dem kantonalen Finanzausgleich sei Dank. Nun hofft Meilen, dass die Steuern auch fürderhin munter sprudeln, die Solidarleistungen nicht weiter steigen – und die Familie Martullo-Blocher gut im Strumpf bleibt.

Wobei nichts darauf hindeutet, dass sich daran etwas ändern könnte. Ebenso wenig allerdings auch, dass der 55-jährige Roberto Martullo künftig eine andere Rolle zukommen könnte als jene des Portemonnaieschüttlers. Dabei hatte er so darum gekämpft. Er wollte für die Partei seines Schwiegervaters Schulpfleger, Kantonsrat, Nationalrat werden – alles umsonst. Er hat denn auch den Ruf des eigenwilligen Einzelkämpfers, dessen Rage selbst vor Parteikollegen nicht halt- macht. Diese wiederum pflegen einen distanzierten Umgang mit dem gebürtigen Süditaliener, der zwar als Unternehmer und Politiker im Hause Blocher nicht die erste Geige spielt, aber für die drei Kinder der Familie «erste Bezugsperson» ist, wie er der «Schweizer Illustrierten» in einer Homestory erzählte.

Und – abgesehen davon: Hätte Martullo Politiker werden müssen, wäre er mutmasslich nie so erfolgreich geworden wie als der Mann, der Jahr für Jahr über rauf und runter bei den Meilener Steuern entscheidet.

Balz Bruder

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