KOPF DES TAGES: Sie ist nicht mehr «graue Mauch»

Sie spüre «weder Müdigkeit noch Zynismus», sagt die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch. Nun will sie 2018 erneut antreten.

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Corine Mauch, Zürcher Stadtpräsidentin (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Corine Mauch, Zürcher Stadtpräsidentin (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Sie will weitermachen, in einem Jahr nochmals kandidieren. So jedenfalls äusserte sich die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Ihr mache das Amt nach wie vor Spass, sagt Mauch. Auch möge sie den Austausch mit der Bevölkerung.

Den Austausch mit der Bevölkerung mögen: Das war nicht immer so. 2009, zu Anfang ihrer Amtszeit als Präsidentin der grössten Schweizer Stadt, machte Mauch eher den Eindruck, sie tue sich gerade in dieser Disziplin schwer. Ihre Auftritte wirkten hölzern, ihre Reden holperten. Was für ein Unterschied zum eloquenten Vorgänger Elmar Ledergerber! Verglichen mit ihm war die Neue «die graue Mauch». Diese despektierliche Bezeichnung haftete ihr noch lange an.

Doch das sind Tempi passati. Auch wenn Corine Mauch bisweilen immer noch etwa farblos wirken mag, ist sie längst angekommen in ihrem Amt: Die Zürcher können mit ihr – und sie kann mit ihnen.

Die 56-Jährige mit dem blondenLockenkopf steht als Person ja auch für so manches, was sich die Zürcher zugute halten: Sie ist ein moderner und urbaner Mensch, hervorragend ausgebildet, weltoffen, fleissig – und eine Linke von der grünen Sorte.

Wie so viele Stadtzürcher ist sie indes kein «Eigengewächs» der Limmatstadt, sondern eine Zugezogene. Geboren in Iowa City, verbrachte die ursprünglich schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin die ersten vier Lebensjahre in den USA, wo Vater Samuel Mauch, späterer Mitbegründer des Zürcher Beratungs- und Planungsbüros Infras, am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) doktorierte. Ihre Mutter ist die frühere Aargauer SP-­Nationalrätin Ursula Mauch.

Zurück aus den USA, zog die Familie ins ländliche Oberlunkhofen im Aargau, wo Corine zusammen mit ihren beiden jüngeren Brüdern aufwuchs. Nach der Kantonsschule studierte die junge Frau Agronomie an der ETH Zürich und absolvierte nach ein paar Semestern Chinawissenschaften ein Nachdiplomstudium in Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Lausanne.

Beruflich war Mauch unter anderem Abfall- und Umweltbeauftragte der Stadt Uster, Leiterin der Geschäftsstelle der Schweizerischen Akademischen Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie und schliesslich Projektleiterin bei den Parlamentsdiensten der Bundes­versammlung.

Corine Mauch ist in der Anti-AKW-Bewegung politisiert worden und trat 1990 in die SP ein. Ab 1999 war sie Mitglied des Gemeinderats (des Stadtparlaments) von Zürich, präsidierte dort ab 2008 die SP-Fraktion. Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit waren die Energie-, Umwelt- und Planungspolitik.

Anfang Dezember 2008 nominierte die SPdie öffentlich weitgehend unbekannte Politikerin ohne grosse Führungserfahrung als Nachfolgerin des zurücktretenden Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber (SP). Die Wahl glückte erst im zweiten Wahlgang. Die Wiederwahlen in den Jahren 2010 und 2014 hingegen bestand sie problemlos – ebenso problemlos, wie sie aus heutiger Sicht wohl auch die Wiederwahl im Februar 2018 schaffen wird, vermuteter Herausforderer und Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) hin oder her.

 

Richard Clavadetscher