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KORRUPTION: Ermittlungen könnten nach Zug führen

Die Affäre um Schmiergelder des Zuger Sportmarketing-Konzerns ISL ist hierzulande fast vergessen. Die Fifa-Ermittlungen könnten das wieder ändern.
Sermîn Faki
«Tangolero», Maskottchen der Copa Americano 2011, Sepp Blatter und Nicolas Léoz. Letzterer ist im Visier der US-Justiz. (Bild: EPA/Leo La Valle)

«Tangolero», Maskottchen der Copa Americano 2011, Sepp Blatter und Nicolas Léoz. Letzterer ist im Visier der US-Justiz. (Bild: EPA/Leo La Valle)

«Der Fall ISL ist abgeschlossen.» Zu diesem Schluss kam Hans-Joachim Eckert, deutscher Richter und Vorsitzender der Ethikkommission des Weltfussballverbandes Fifa, im April 2013. Zwei Jahre und zwei Monate später sind an dieser Einschätzung Zweifel angebracht. International Sport And Leisure oder kurz ISL: Das war einst der weltgrösste Sportvermarkter. Im Jahr 2001 kollabierte der Konzern mit Sitz in Zug unter einem gigantischen Schuldenberg – bis zum Swissair-Grounding stand ISL auch für die grösste Firmenpleite in der Schweiz. Das Genick gebrochen hatten der Firma Unsummen an Schmiergeldzahlungen, die das Geschäftsmodell von ISL waren: Gegen «Provisionen» erhielt sie von Sportverbandsfunktionären lukrative Vermarktungs- und TV-Rechte für alle möglichen Grossanlässe, von Tennisturnieren über Olympische Spiele bis hin zu Fussballweltmeisterschaften. «Das ist, wie wenn man Lohn bezahlen muss. Ansonsten wären die Verträge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden», beschrieb der ehemalige ISL-Chef Hans-Jürg Schmid das System.

Angeklagter wurde geschmiert

In der Schweiz wurden alle Strafverfahren im Fall ISL vor Jahren eingestellt – weil die Angeklagten Wiedergutmachungszahlungen leisteten und sich verglichen. Doch mit den Ermittlungen der US-Justiz, die diese Woche zu Verhaftungen von hohen Fifa-Funktionären führten, könnten neue Erkenntnisse zu Tage kommen.

Ansatzpunkt ist Nicolas Léoz. Der Paraguayer, bis 2013 Präsident des südamerikanischen Fussballverbands Conmebol, gehört zu jenen 14 Funktionären, die die Amerikaner angeklagt haben. Und er hat nachweislich Schmiergeldzahlungen von der ISL erhalten, was die Anklageschrift auch erwähnt. Die Zahlungen stehen auch auf einer Liste, die von 1989 bis 2001 insgesamt 142 Millionen «Provisionen» der ISL dokumentiert. Léoz hat demnach mindestens eine halbe Million Franken kassiert. Verzeichnet sind ebenfalls Zahlungen an Ex-Fifa-Präsident Joao Havelange, seinen Ex-Schwiegersohn und ehemaligen Präsidenten des brasilianischen Fussballverbands Ricardo Teixeira, und Issa Hayatou, den Fussballchef Afrikas.

«Diese Liste ist der Schlüssel»

Doch bei etwa 110 Millionen Franken ist noch heute nicht klar, an wen sie gingen. Der ehemalige ISL-Verwaltungsrat Jean-Marie Weber, ein enger Freund von Fifa-Chef Sepp Blatter, hat geschworen, die Namen mit ins Grab zu nehmen. «Diese Liste ist der Schlüssel», sagt SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. «Wenn es einen US-Bezug gibt, werden sie hart durchgreifen», sagt der St. Galler, der früher für die ISL tätig war. Er geht davon aus, dass die Ermittlungen der US-Justiz durchaus neue Fakten ans Tageslicht bringen könnten: «Wenn die Amerikaner einmal einen Knochen gefasst haben, lassen sie ihn nicht mehr los», sagt er und erinnert an den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA.

Die Schweiz wieder am Pranger

Für Büchel wäre es peinlich für die Schweiz, wenn die Amerikaner die Liste vervollständigen würden – zumal die Schweizer Behörden daran nicht wirklich Interesse gezeigt hätten. Dabei konnten Schmiergelder an Anonyme von den Steuern abgezogen werden, was Büchel «höchst fragwürdig» findet. Umso schlimmer: «Wenn die Amerikaner 15 Jahre später das schaffen, wo wir versagt haben, stehen wir dumm da. Dann wird die Schweiz einmal mehr an den Pranger gestellt», befürchtet er.

Büchel geht davon aus, dass noch einiges ans Tageslicht kommen wird, weil die US-Behörden mit der öffentlichkeitswirksamen Verhaftungsaktion nun unter Druck stünden, echte Ergebnisse zu liefern. Dafür, dass harte Fakten vorliegen, spreche auch, dass die Schweizer Behörden so umfangreich mit den USA kooperiert hätten. Das wäre kaum der Fall gewesen, wenn die Vorwürfe nicht Hand und Fuss hätten.

Nicht zuletzt deuteten Aussagen von Sepp Blatter auf weitere Entdeckungen: «Wenn Blatter sagt, dass der Fifa noch schwere Zeiten bevorstehen, dann hat er klare Anzeichen», so Büchel. Dabei habe Blatter es selbst in der Hand, für Transparenz zu sorgen. «Er hat 2013 in einem Interview gesagt, dass beim ISL-Skandal andere Sportarten zehnmal mehr Schmiergelder bekommen hätten als die Fifa-Funktionäre. Er muss also mehr wissen», sagt Büchel und fordert: «Dann soll er die Fakten auf den Tisch legen und die Namen herausrücken.»

Als Hans-Joachim Eckert im April vor zwei Jahren sagte, dass der Fall ISL für die Fifa abgeschlossen sei, räumte er ein, dass es bislang niemandem gelungen sei, «völlige Klarheit über das Geflecht der Personen und der Firmen zu gewinnen». Die nächsten Monate werden zeigen, ob die USA das können.

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