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KORRUPTION: «Es braucht Druck von aussen»

Korruption sei ein strukturelles Problem der Fifa, sagt Experte Daniel Thelesklaf. Dass sich der Verband von innen heraus reformieren kann, glaubt er nicht.
Joseph Blatter (Bild) konnte mit seinen Reformen die Probleme in der Fifa nicht lösen. (Bild: AFP/Patrick Seeger)

Joseph Blatter (Bild) konnte mit seinen Reformen die Probleme in der Fifa nicht lösen. (Bild: AFP/Patrick Seeger)

Interview Lukas Leuzinger

Daniel Thelesklaf, war der Rücktritt von Joseph Blatter ein überfälliger Schritt?

Daniel Thelesklaf*: (lacht) Eigentlich ist es fast schade, dass er zurückgetreten ist. Durch sein Verhalten hat er das Thema Korruption zuletzt in die öffentliche Diskussion gebracht und das ist gut so.

Laut Medienberichten ermitteln die US-amerikanischen Behörden auch gegen Blatter persönlich. Ist an diesen Gerüchten etwas dran?

Thelesklaf: Eigentlich spielt das gar nicht so eine Rolle. Die US-Behörden haben klargemacht, dass sie nicht nur einzelne Funktionäre, sondern die Fifa selbst im Visier haben. Damit zielen sie auf die Verantwortung des obersten Managements. Jedenfalls glaube ich nicht, dass Blatters Rücktritt freiwillig erfolgte.

Was kann und muss nun Blatters Nachfolger ändern?

Thelesklaf: Vielleicht hat man in der Vergangenheit zu viel von der Fifa selbst erwartet. Die Korruption im Weltfussballverband ist ein strukturelles Problem. Es brauchte den Druck von aussen, um etwas in Bewegung zu bringen. Daher wird es nun entscheidend sein, diesen Druck von Seiten der Behörden, der Öffentlichkeit und der Sponsoren aufrechtzuerhalten. Sonst wird der Nachfolger einfach ein Blatter II.

Die Fifa hat aber in den vergangenen Jahren auch selbst gewisse institutionelle Reformen in die Wege geleitet, etwa die Schaffung einer unabhängigen Ethikkommission. Waren diese Massnahmen nutzlos?

Thelesklaf: Die jüngsten Ereignisse beweisen ja, dass die Reformen offenbar nichts genützt haben. Die Tatsache, dass die Massnahmen umgesetzt wurden, zeigen, dass es möglich ist, sie umzusetzen, ohne dass sich etwas ändert.

Joseph Blatter hat angekündigt, in seiner verbleibenden Zeit als Präsident weitere Reformen in der Fifa voranzutreiben. Trauen Sie ihm das zu?

Thelesklaf: Das wird sehr schwierig. Blatter hat stets gesagt, er wolle die Probleme beheben. Geändert hat sich nichts. Er ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

Was braucht es denn, damit sich etwas ändert?

Thelesklaf: Zunächst geht es darum, einen neuen Präsidenten zu finden. Aus meiner Sicht sollte es jemand sein, der nicht in diesem Kuchen steckt. Es müsste jemand von aussen sein, der unabhängig ist und gleichzeitig Ahnung von Fussball hat. Und er oder sie – soll sich langfristig zur Verfügung stellen. Denn ein Reformprozess dauert Jahre.

Lässt sich ein Komplex wie die Fifa überhaupt reformieren?

Thelesklaf: Man kann den Vergleich mit den Grossbanken ziehen: Sie haben auch erst unter dem Druck der Strafbehörden ihre Geschäftsmodelle angepasst. Wenn sie gezwungen wird, kann sich auch eine grosse Organisation reformieren.

Sie sagen, es brauche Druck von aussen. Welche Rolle kann die Schweiz dabei spielen?

Thelesklaf: Es ist sicher richtig, dass die Bundesanwaltschaft ein Verfahren eröffnet hat, auch wenn sie nicht die gleichen Möglichkeiten hat wie die amerikanische Justiz. Die Daten, welche die Bundesanwaltschaft sichergestellt hat, werden wertvolle Hinweise darauf geben, was innerhalb der Fifa abgelaufen ist.

Der Ständerat hat am Mittwoch einer Verschärfung des Korruptionsstrafrechts zugestimmt (Kasten Seite 2). Künftig soll auch die Bestechung von Privaten von Amtes wegen verfolgt werden. Bringt das etwas im Kampf gegen Korruption bei Sportverbänden?

Thelesklaf: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Gesetz, das der Ständerat vorschlägt, hat jedoch zwei Mängel: Erstens wird Privatkorruption nur dann von Amtes wegen verfolgt, wenn dies «im öffentlichen Interesse» liegt. Die Juristen werden jahrelang darüber diskutieren, was darunter zu verstehen ist. Das zweite Problem ist, dass die Höchststrafe bei Privatkorruption nach wie vor bei drei Jahren liegt. Wäre sie höher, könnte Privatbestechung als Vortat zur Geldwäscherei behandelt werden. Damit hätten die Strafverfolger mehr Mittel in der Hand.

Erwarten Sie, dass noch weitere illegale Machenschaften bei der Fifa ans Licht kommen werden?

Thelesklaf: Nun packt ein Funktionär nach dem anderen aus, erst Chuck Blazer, dann Jack Warner. Ich wäre erstaunt, wenn nicht noch mehr an die Oberfläche kommen würde.

Hinweis

* Daniel Thelesklaf ist Experte für die Bekämpfung von Korruption und Geldwäscherei. Er leitet die Liechtenstein Financial Intelligence Unit, die mit der Bekämpfung von Geldwäscherei und Kriminalität im Finanzsektor beauftragt ist.

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