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KRANKENKASSE: Berset bittet Gesunde zur Kasse

Versicherte mit einer hohen Franchise müssen in Zukunft mehr zahlen. Zudem soll die Höhe der Franchisen an die Entwicklung der Gesundheitskosten gekoppelt werden.
Michel Burtscher
Die Änderungen am Franchisensystem werden viele Versicherte im Portemonnaie spüren. (Bild: Ralph Ribi)

Die Änderungen am Franchisensystem werden viele Versicherte im Portemonnaie spüren. (Bild: Ralph Ribi)

Michel Burtscher

Wer zum Arzt geht, der muss sich an den Kosten beteiligen. Das geschieht unter anderem über die Franchise. Der Gedanke dahinter: Wenn sich Versicherte beteiligen müssen, verhalten sie sich kostenbewusster und suchen nicht wegen jeder Bagatelle gleich einen Mediziner auf. Der Bundesrat stellt dem heutigen System mit unterschiedlich hohen und frei wählbaren Fran­chisen ein gutes Zeugnis aus. Dieses habe sich bewährt, teilte die ­Landesregierung gestern mit. Es seien keine «grundlegenden Anpassungen» notwendig.

Trotzdem hat der Bundesrat Änderungen geplant beziehungsweise gestern beschlossen, die viele Versicherte im Portemonnaie spüren werden. So soll die Höhe der Franchisen künftig an die Entwicklung der Kosten in der Grundversorgung gekoppelt werden. Und weil diese Kosten aller Voraussicht nach auch in ­Zukunft stetig steigen werden, müssten auch die Franchisen ­regelmässig erhöht werden. Das soll in 50-Franken-Schritten geschehen – und immer dann, wenn die Gesundheitskosten eine gewisse Schwelle überschreiten. Der Vorschlag der Landesregierung geht nun in die Vernehmlassung, danach wird das Parlament über die Gesetzesänderung entscheiden.

Weniger Rabatt für hohe Franchisen

Beschlossene Sache ist hingegen die zweite Anpassung im Franchisensystem: Der Bundesrat will die maximalen Prämienrabatte reduzieren (siehe Grafik). Diese erhalten jene Personen, die nicht die Standardfranchise von 300 Franken haben. Wer heute beispielsweise die höchste Franchise von 2500 Franken wählt, dem kann der Versicherer einen ma­ximalen jährlichen Rabatt von 1540 Franken auf seine Prämie gewähren. Damit wird das erhöhte Risiko abgegolten, dass Versicherte mit einer höheren Franchise bei einer Erkrankung mehr Kosten selber übernehmen müssen. Künftig beträgt der Rabatt auf die höchste Franchise nur noch 1100 Franken. Ganz wenig erhöht wird der jährliche Prämienrabatt einzig bei der Franchise von 500 Franken. Die neue Regelung wird laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) frühestens ab 2019 gelten. Dabei hatte Berset diese schon 2015 vorgeschlagen – die Umsetzung nach heftiger Kritik bei der Anhörung aber sistiert. Damals war neben der Senkung der Prämienrabatte auch vorgesehen, die nur wenig gewählten Franchisen von 1000 und 2000 Franken abzuschaffen. Davon ist nun aber nicht mehr die Rede.

Kritik an den Anpassungen

Trotzdem gibt es auch jetzt Kritik an den Plänen. Der Krankenkassenverband Santésuisse spricht von einem «Schlag ins Gesicht der kostenbewussten Prämienzahler». Der Bundesrat bestrafe damit jene Versicherten, die Eigenverantwortung übernähmen. Ähnlich äussert sich auch Pius Zängerle, der Direktor von Curafutura, des anderen Krankenkassenverbandes: Die Anpassung werde dazu führen, dass viele Versicherte zu einer tieferen Franchise wechselten. «Und das wird sich am Schluss negativ auf die Gesundheitskosten auswirken», sagt Zängerle. Weniger Prämienrabatt gäbe es für über zwei Millionen Versicherte. Massgeblich betroffen sind vor allem junge und gesunde Personen, da sie es meistens sind, die höhere Franchisen wählen.

Für den Basler Nationalrat Sebastian Frehner (SVP) sind die Entscheide des Bundesrates «widersprüchlich»: Mit der Koppelung der Franchisen an die Kostenentwicklung erhöhe er die Eigenverantwortung der Versicherten, mit den tieferen Rabatten mache er das Gegenteil, sagt er. Auch der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder ist nicht wirklich glücklich: «Ich finde es falsch, wenn jene Personen bestraft werden, die sich kostenbewusst verhalten.» Das BAG argumentiert, dass die heutigen Prämienreduktionen insbesondere bei den hohen Franchisen «im Verhältnis zum von den Versicherten willentlich eingegangenen Risiko» zu hoch sind. Zudem führe das System dazu, dass für die Versicherten ausser der Grundfranchise und der höchsten Wahlfranchise keine Franchise finanziell optimal ist.

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