KRANKENKASSE: Rabatt für den Apothekerbesuch

Wer zuerst den Apotheker anstatt den Arzt konsultiert, muss weniger Prämie zahlen: Mit diesem Modell verärgert die Krankenkasse Swica die Ärzte.

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Eine Frau und ihre Tochter lassen sich von einem Apotheker beraten. (Bild: Getty)

Eine Frau und ihre Tochter lassen sich von einem Apotheker beraten. (Bild: Getty)

kä. Jeweils im Herbst gibt der Bundesrat die Höhe der neuen Krankenkassenprämien bekannt. Sie zeigen seit Jahren nur in eine Richtung: nach oben.

Die Swica, eine der grössten Krankenkasse der Schweiz, unternimmt nun gemäss eigenen Angaben einen Anlauf, die Gesundheitskosten einzudämmen. Dies gab sie gestern in einer Medienmitteilung bekannt. So gewährt sie ihren Kunden in der Grundversicherung Rabatte, sofern sie im Krankheitsfall zuerst den Apotheker anstatt den Arzt konsultieren. Diese Möglichkeit bietet die Swica ab dem nächsten Jahr im Rahmen eines sogenannten Managed-Care-Modells an.

Swica kooperiert mit dem Toppharm-Verbund, der über ein Netz von 118 Apotheken verfügt. Wer sich für das neue Swica-Modell entscheidet, begibt sich für eine Erstberatung in eine dieser Apotheken. Kann der Apotheker nicht weiterhelfen, dann schickt er den Kunden zu einem Arzt oder ins Spital. «Viele unserer Kunden suchen bei gesundheitlichen Problemen aus Zeit- und/oder Kostengründen bereits heute die Apotheke auf», sagt Toppharm-Geschäftsführer Stefan Wild.

Angebot auch in Zentralschweiz

Die Swica will solches Verhalten nun mit tieferen Prämien belohnen. «Man spart Geld, wenn die Versicherten nicht wegen jeder Bagatelle zuerst zum Arzt gehen», sagte Sprecherin Silvia Schnidrig gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Und: «Viele Fälle lassen sich in der Apotheke lösen.»

Vorerst bietet die Swica das neue Modell in der Deutschschweiz im Einzugsgebiet von Toppharm-Apotheken an. Dazu gehören auch die Kantone Luzern, Zug, Nid- und Obwalden. Später will Swica diese Option auch den Versicherten im Tessin und in der Westschweiz ermöglichen.

Der Verband der Schweizer Ärzte (FMH) kritisiert die Swica. FMH-Präsident Jürg Schlup bezweifelt, ob sich mit dem neuen Modell tatsächlich Kosten senken lassen. «Der Apotheker wird nur wenige Fälle abschliessend behandeln können», wird Schlup in der «Schweiz am Sonntag» zitiert. Und falls ein Apotheker Zusatzuntersuchungen empfehle, um seine Diagnose abzusichern, könnte es durchaus teurer werden.