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KRANKENKASSEN: Neuer Kampf gegen Telefonterror

Comparis reicht es: Mit einem Label will der Vergleichsdienst aggressive Vermittler zu Strecke bringen. Die Branche selbst geht andere Wege.
Sermîn Faki
Felix Schneuwly, Comparis: «Würde das Geschäft nicht funktionieren, gäbe es solche Anrufe nicht.» (Bild: PD)

Felix Schneuwly, Comparis: «Würde das Geschäft nicht funktionieren, gäbe es solche Anrufe nicht.» (Bild: PD)

Comparis hat die Nase voll von dubiosen Telefonmaklern, die Versicherten ungebeten Beratungstermine für neue Krankenversicherungen aufdrängen. Der Internetvergleichsdienst will nun ein Gütesiegel für Krankenkassen einführen. «Kassen, die Comparis verbindlich zusichern, keine Daten potenzieller Kunden zu kaufen, die auf illegale oder nicht überprüfbare Art und Weise beschafft worden sind, sollen ein Label ‹gegen unerwünschte Telefonwerbung› erhalten», bestätigt Sprecher Felix Schneuwly. Derzeit werden die Verbände angefragt, ob bei den Kassen ein Interesse besteht.

Hintergrund der Offensive: Comparis erhielt in den letzten Monaten fast täglich erboste Anrufe von Leuten, die sich darüber beschwerten, dass der Internet-Vergleichsdienst sie mit Werbeanrufen terrorisiere. «Die Anrufer gaben sich entweder als unsere Mitarbeiter aus oder sie gaben vor, dass sie in unserem Auftrag handeln», sagt Schneuwly. Teils erschien auf dem Telefondisplay sogar die Rufnummer von Comparis. «Solche Machenschaften schädigen unseren Ruf», ärgert sich Schneuwly.

Verbände erarbeiten neue Regeln

Auch Santésuisse, deren Name ebenfalls schon für Telefonterror missbraucht wurde, sind diese Vermittler ein Dorn im Auge. Der Dachverband der Krankenversicherer arbeitet daher an einer neuen Branchenvereinbarung zur Eindämmung des Telefonmarketings, wie Sprecher Paul Rhyn sagt. Diese soll zeitgleich mit dem Krankenkassenaufsichtsgesetz (KVAG) am 1. Januar 2016 in Kraft treten und jene Vereinbarung ersetzen, die Santésuisse vor einem knappen Jahr auf Druck der Wettbewerbskommission (Weko) ausser Kraft setzen musste.

Die Weko hatte in der Vereinbarung eine Wettbewerbsbeschränkung gesehen und das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage moniert. Mit dem neuen KVAG besteht diese nun. Darauf gestützt will Santésuisse die «Kaltakquise», wie sie es nennt, erneut verbieten und die Maklerprovision beschränken.

«Das ist ein Witz!»

Der Gegenverband Curafutura, in dem vier grosse Krankenkassen zusammengeschlossen sind, arbeitet ebenfalls an einer Lösung für den Vermittlermarkt, wie Sprecherin Susanne Steffen bestätigt. Spruchreif sei jedoch noch nichts. Selbst der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) prüft gemäss Sprecherin Sabine Alder eine Vereinbarung für den Bereich der Zusatzversicherungen. Die Kassenverbände sind nur für die Grundversicherung zuständig.

Schneuwly hat für die Neuauflage kein Verständnis. «Das ist ein Witz! Schon die letzte Branchenvereinbarung hat nicht funktioniert», sagt er. «Nun wieder eine neue aufzugleisen, ist geradezu irreführend für die Konsumenten.» Vom Label erhofft sich der Comparis-Mann deutlich mehr: Die Kassen müssten sicherstellen, dass die Sterneinträge im Telefonbuch respektiert würden, und Werbeanrufe unter falschem Namen nicht zu Verträgen führten. «Beim geringsten Verstoss gegen die Anforderungen entzieht Comparis das Label wieder», droht er an.

Der Ärger hat Folgen

Für Santésuisse-Sprecher Rhyn ist das nicht so einfach. «Schwarze Schafe kann man nicht eliminieren», sagt er und erklärt, dass Daten von potenziellen Neukunden durch viele Hände gingen. «In dieser Kette den Überblick zu behalten, ist unmöglich.» Vor allem aber geht er davon aus, dass es kaum Verträge gibt, die auf Telefonterror beruhen. «Die Kunden sind so verärgert über Anrufe, dass es nicht zum Abschluss kommt», glaubt er. Schneuwly widerspricht: «Würde das Geschäft nicht funktionieren, gäbe es solche Anrufe gar nicht.» Wenn die Kassen die Zusammenarbeit mit dubiosen Kundenvermittlern verweigerten, trockne der Sumpf der unlauteren Telefonwerbung rasch aus.

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