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KRANKENVERSICHERUNG: Immer teurere Prämien

Die Prämien steigen 2018 um vier Prozent. Im Folgejahr droht ein stärkerer Aufschlag, sofern Alain Bersets Tarifeingriff nicht wirkt.
Tobias Gafafer
Wer wie stark von der Prämienerhöhung betroffen ist, hängt stark vom Wohnkanton ab. Der Anstieg für das Jahr 2018 variiert je nach Kanton schweizweit zwischen 1,6 und 6,4 Prozent. (Bild: Getty)

Wer wie stark von der Prämienerhöhung betroffen ist, hängt stark vom Wohnkanton ab. Der Anstieg für das Jahr 2018 variiert je nach Kanton schweizweit zwischen 1,6 und 6,4 Prozent. (Bild: Getty)

Tobias Gafafer

Für Alain Berset war es eine schwierige Woche. Am Sonntag erlitt der Innenminister bei der Rentenreform eine Niederlage. Und während der neu gewählte Bundesrat Ignazio Cassis in Altdorf wie ein Popstar gefeiert wurde, musste er gestern vor den Medien schlechte Nachrichten überbringen. Die Prämien der Krankenkassen steigen im nächsten Jahr im Schnitt um 4,0 Prozent. Dies gilt nur für die Standardprämie mit einer Franchise von 300 Franken, die weniger als die Hälfte der Versicherten gewählt hat. Je nach Wohnort, Krankenkasse, Franchise und Modell unterscheiden sich die Aufschläge. Besonders hart trifft die Erhöhung Versicherte in Westschweizer Kantonen. Auch die Prämien für Kinder steigen mit 5,0 Prozent erneut stärker, weil sie die Kosten nicht deckten. Junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren müssen ebenfalls eine Erhöhung von 4,4 Prozent verkraften.

Berset will bei Ärzten 470 Millionen einsparen

Die Prämienrunde ist primär auf die Gesundheitskosten zurückzuführen, die im letzten Jahr um 3,8 Prozent stiegen. Als Gründe nannte Berset die demografische Entwicklung, den medizinischen Fortschritt, aber auch falsche Anreize durch Leistungen, die nicht gerechtfertigt seien. Gemäss der OECD werden in keinem anderen Land so viele künstliche Hüften eingesetzt wie in der Schweiz. Dass die Prämien im Schnitt sogar leicht stärker als die Gesundheitskosten steigen, führt der Bund auf ungenügende Reserven von Krankenkassen zurück. Auf sein Geheiss müssen die Groupe Mutuel und Birchmeier nun zusätzliche Reserven aufbauen. Ohne Bersets Eingriff beim Arzttarif Tarmed wären die Prämien noch stärker gestiegen. Kürzungen bei den Löhnen von Spezialärzten und anderswo sollen ab 2018 Einsparungen von jährlich 470 Millionen Franken bringen. Der Gesundheitsminister verlangte von den Kassen, die Einsparungen schon in der Prämienberechnung für 2018 zu berücksichtigen. Die Versicherer reagierten skeptisch. Es sei heute unklar, ob tatsächlich Kosten eingespart würden. Die Erfahrungen mit dem letzten Tarifeingriff sind schlecht. Die Ärzte rechneten für gewisse Leistungen mehr ab. Berset versicherte, die Auswirkungen würden mit den Versicherern beobachtet. Es sei an den Kassen, die Leistungen auf die Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit zu überprüfen.

Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbands Santésuisse, sagt, der Bundesrat habe die Warnungen offenkundig erhört. Die Gefahr, dass es 2019 zu einer stärkeren Prämienerhöhung komme, sei aber nicht gebannt. «Wir wissen heute nicht, wie die Ärzte und Spitäler nächstes Jahr abrechnen», sagt sie. Wenn das Ziel des Tarifeingriffs nicht erreicht werde, müsse der Bund Gegenmassnahmen einleiten. Die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit von Leistungen bezeichnet Nold als Tropfen auf den heissen Stein. Es dauere Jahre, bis klar sei, ob ein Arzt zu viel abgerechnet habe. «Man setzt auf das Prinzip Hoffnung, wenn man glaubt, da komme viel Geld zurück.» Zudem sei die Überprüfung im ambulanten Spitalbereich unmöglich.

Gesundheitskosten werden zum Wahlkampf-Thema

Das Kostenwachstum im Gesundheitswesen wird zu einem immer grösseren Problem. «Die Haushalte stehen unter Druck», sagte Berset. Die Auffassungen, wo der Sparhebel angesetzt werden solle, gehen allerdings weit auseinander. Berset verwies auf Massnahmen bei den Medikamenten und anderswo. Ab 2019 sollen zudem Familien entlastet werden, wie es das Parlament beschlossen hat.

Der Konsumentenschutz warf dem Bundesamt für Gesundheit gestern vor, es treibe Kostensenkungen nicht voran. Die Ärztevereinigung FMH forderte mit Nachdruck eine einheitliche Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen. Letztere sind zwar günstiger, werden aber vollständig durch die Krankenkassen bezahlt. Zudem haben Parteien die Gesundheitskosten als Wahlkampf-Thema entdeckt. Die SP will die Prämienlast mit einer Initiative auf 10 Prozent des Haushaltseinkommens beschränken. Die CVP hat eine Initiative angekündigt, um im Gesundheitswesen eine Kostenbremse einzuführen. Wie solch ein Instrument konkret funktionieren soll, ist aber noch unklar.

Die durchschnittliche Erhöhung der Prämien. (Bild: mop)

Die durchschnittliche Erhöhung der Prämien. (Bild: mop)

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