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«Kreuzfalsch»: Moritz Leuenberger hat Ärger mit dem neuen Bundesratslexikon

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) ortete mehrere Fehler über sich im neuen Bundesratslexikon. Verlangt er eine Korrektur oder sogar die Einstampfung des Buches?
Henry Habegger
Ärger wegen Bundesratslexikon: Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, hier anlässlich der Gedenkfeier zum Tod von Künstler Hans Erni 2015 im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Ärger wegen Bundesratslexikon: Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, hier anlässlich der Gedenkfeier zum Tod von Künstler Hans Erni 2015 im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Es ist das unbestrittene Standardwerk über Schweizer Bundesrätinnen und Bundesräte: Das Bundesratslexikon, erfunden und herausgegeben von Historiker Urs Altermatt, emeritierter Professor an der Uni Freiburg. Auf die Biografien der Regierungsmitglieder seit 1848 greift zurück, wer zuverlässige und gesicherte Informationen über ihr Leben und Wirken haben will.

Die erste Ausgabe des Bundesratslexikons erschien 1991. Später war es lange vergriffen, und auf Ende 2018 gab der Historiker eine neue Auflage heraus. 93 Autorinnen und Autoren wirkten an dieser überarbeiteten und erweiterten Ausgabe mit, sämtliche bis Ende 2018 gewählten Bundesratsmitglieder werden im neuen Werk gewürdigt.

Nummer 1 im Buch ist Jonas Furrer, am 16. November 1848 gewählter Bundesrat der Liberalen. Am Schluss des Werkes kommt mit Nummer 119 Karin Keller-Sutter, FDP, gewählt am 5. Dezember 2018.

Probleme bei Nummer 101

Doch bei der Neuauflage lief offensichtlich etwas schief. Genauer gesagt bei Bundesrat Nummer 101 im Buch: Bei Moritz Leuenberger (72), SP, langjähriger Infrastrukturminister, gewählt am 27. September 1995, zurückgetreten 15 Jahre später.

Er habe nicht schlecht gestaunt, führt der alt Bundesrat auf Anfrage aus, als ihm das Bundesrats-Buch freundlicherweise im Mai zugestellt worden sei und er den Artikel gelesen habe, der ihm gewidmet ist.

«Der Beitrag über mich enthält eine Reihe von falschen Angaben.»

Er sei vor dem Erscheinen des Artikels nie kontaktiert worden, staunt Leuenberger.

«Der Verfasser hat nie mit mir gesprochen.»

Den Beitrag hat nicht Urs Altermatt verfasst, sondern ein von ihm beauftragter Journalist, Felix E. Müller, ehemaliger Chefredaktor der «NZZ am Sonntag».

«Kreuzfalsch», sagt Moritz Leuenberger

Laut Leuenberger wurde beispielsweise seine «Familiengeschichte kreuzfalsch» wiedergegeben. Es stimme nicht, dass seine zweite Frau Gret Loewensberg SP-Gemeinderätin war und er sie im Stadtzürcher Parlament kennenlernte. «Sie war nie Gemeinderätin», sagt Leuenberger. Auch nicht richtig sei, dass seine erste Ehefrau Dolores Brückner hiess. «Sie hiess Dolores Ackermann. Sie war meine erste Frau und ich lernte sie vor meiner heutigen kennen, nicht umgekehrt, wie im Buch steht.»

Flugdossier nie entzogen

Auch betreffend seiner politischen Tätigkeit ortet Leuenberger Fehler im sieben Seiten langen Beitrag. «Es steht im Bericht, der Bundesrat habe mir das Flugdossier entzogen. Das stimmt nicht. Alle meine Schritte in diesem Dossier wurden vom Bundesrat unterstützt. Es wurde meines Wissens noch keinem Bundesrat ein Dossier entzogen. Ich werde damit aber in die Nähe von gescheiterten Regierungsräten wie Pierre Maudet oder Franziska Roth gerückt», sagt der ehemalige Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Rote Köpfe in der SP

Ebenfalls falsch sei eine andere Angabe. «Es heisst im Buch, es gebe wegen mir ein Gesetz, das eine Karenzfrist für die Übernahme von Mandaten vorschreibe. Das stimmt nicht, ein solches Gesetz gibt es nicht.»

Tatsächlich gab es rote Köpfe sogar in der SP, als Leuenberger kurz nach seinem Rücktritt Verwaltungsrat beim Bauriesen Implenia wurde. Eine «Lex Leuenberger», die ein zweijähriges Mandatsverbot für ehemalige Bundesräte vorsah, wurde auf den Weg gebracht. Aber sie scheiterte 2014 am Widerstand des Ständerats, der keine derartige Regelung wollte.

Eine Option: Einstampfen

Leuenberger möchte die Sache nicht unnötig hoch hängen. Er weiss auch noch nicht genau, was er jetzt zur Behebung der Unstimmigkeiten fordern soll. Es gebe Leute, die sagten ihm, er solle das Einstampfen des Buches fordern. Das werde er sich jetzt überlegen, sagt Leuenberger.

Aber eine Entschuldigung sei ihm wichtiger oder eine Berichtigung in Form eines Einlageblattes. Denn: «Wenn so etwas in der ‹NZZ am Sonntag› oder im ‹20 Minuten› steht, dann geht es wieder vergessen. Aber es steht in einem Lexikon, einem Nachschlagewerk, das sich an Historiker und Journalisten richtet. Diese gehen dann davon aus, dass die Angaben stimmen.»

Altermatt: «Genau abklären»

Wie geht es jetzt weiter mit dem Bundesratsbuch: Gibt es eine Korrektur, droht dem Werk gar die Einstampfung? Professor Urs Altermatt sagt auf Anfrage: «Ich bin über die Angelegenheit im Bild, und wir klären die Sache zur Zeit ab. Leider ist zurzeit Felix Müller, der Autor des Porträts, unerreichbar im Ausland. Die Sache muss genau abgeklärt werden, was die Anwesenheit des Autors voraussetzt.»

Auch für diese Zeitung war der Autor des Porträts bisher nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Vereinzelt kritische Reaktionen aufs Buch

Auf die Frage, ob auch andere Bundesrätinnen und Bundesräte nicht zufrieden sind mit Beiträgen, hält Urs Altermatt fest: «Es liegt wohl in der Natur eines solchen Buches wie des Bundesratslexikons mit 760 Seiten und rund 90 Autorinnen und Autoren, dass die betroffenen Bundesrätinnen und Bundesräte mit ihren Porträts nicht in allen Teilen einverstanden sind. Es ist deshalb selbstverständlich, dass es Reaktionen gibt. So habe ich verschiedene Rückmeldungen erhalten, in der Regel positive, vereinzelt auch kritische.»

Leuenberger insistiert

Das wiederum lässt Moritz Leuenberger so nicht gelten. Es gehe nicht bloss darum, dass er mit etwas «nicht einverstanden» sei im Buch: «Hier geht es um mehrere verletzende falsche Sachverhaltsbehauptungen, die nichts mit Wertungen zu tun haben…», sagt der alt Bundesrat.

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