KRIMINELLE: Schweiz nimmt mehr Schlepper fest

Die Grenzwache hat im laufenden Jahr bereits 226 mutmassliche Schlepper festgehalten. Die grösste Gruppe bilden die Kosovaren. Nun soll der Kampf mit einer Task-Force verstärkt werden.

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Bild: Grafik NLZ

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Die Flüchtlingstragödie in Österreich (siehe Kasten) ruft auch die Schweizer Behörden auf den Plan. Sie wollen eine Task-Force ins Leben rufen, um Schlepperbanden zu bekämpfen. Dies kündigte der Vizedirektor des Bundesamts für Polizei (Fedpol), Olivier Pecorini, gestern gegenüber Radio SRF an. Die Gruppe soll aus Vertretern der Tessiner Kantonspolizei, der Grenzwache, des Fedpol, der Justizbehörden sowie der italienischen und deutschen Polizei zusammengesetzt sein.

Schlepper mit Schweizer Pass

Bereits heute geht das Grenzwachtkorps im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen Schlepper vor. Im laufenden Jahr hielten die Grenzwächter zwischen Januar und Juli 226 Personen fest, die verdächtigt werden, Flüchtlinge für Geld über die Grenze zu bringen. Zum Vergleich: 2013 waren es im gleichen Zeitraum 89, vergangenes Jahr 216 (siehe Grafik). Die Zahl der Verhaftungen ist in diesem Jahr also gestiegen – allerdings nicht so stark wie die Anzahl Flüchtlinge. Die Asylgesuche nahmen im entsprechenden Zeitraum um knapp 20 Prozent auf über 15 000 zu.

Viele Schlepper kommen aus dem Kosovo: Ein Fünftel der in diesem Jahr Festgehaltenen stammen aus dem Balkan-Staat. Am zweitmeisten sind Eritreer, am drittmeisten Schweizer (in diesem Jahr wurden 16 mutmassliche Schlepper mit Schweizer Nationalität verhaftet).

In der Mehrheit der Fälle waren die Schlepper auf der Strasse unterwegs. Nur wenige der Verhafteten hatten sich für den Weg auf der Schiene entschieden. Hingegen kommen die meisten Flüchtlinge mit dem Zug in die Schweiz.

«Schengen ist nicht das Problem»

Ein Drama wie in Österreich «könnte in der Schweiz genau gleich passieren», mahnte Fedpol-Vizedirektor Olivier Pecorini. Er betonte, die Schlepperbanden seien extrem gut organisiert und änderten ihre Routen ständig, um den Sicherheitskräften zu entkommen. Da würden auch verstärkte Grenzkontrollen wenig nützen. «Schengen ist nicht das Problem», so Pecorini. Es sei aber eine bessere internationale Kooperation nötig. Dazu soll auch die Task-Force beitragen.

Politiker sind skeptisch

Für internationale Zusammenarbeit spricht sich auch SVP-Nationalrat Heinz Brand (Graubünden) aus. Bisher sei in diesem Bereich zu wenig gemacht worden, sagte der Migrationspolitiker gestern auf Anfrage. «Solange sich die Staaten aber die Asylsuchenden zuschieben, kann auch keine Zusammenarbeit im Bereich der Schlepperbekämpfung erwartet werden.» Von der geplanten Task-Force des Bundes hält Brand «gar nichts». «Wenn man erst jetzt gemerkt hat, dass man dieses bedenkliche und brutale Tun unterbinden muss, wird man es auch mit einer Task-Force nicht wirksam bekämpfen», lautet sein Urteil.

Auch SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin ist skeptisch – wenn auch aus einem anderen Grund. «Diese Task-Force kann Teil einer möglichen Strategie sein, löst aber das grundlegende Problem nicht: Die Menschen fliehen vor der Not in Syrien und anderen Krisenländern und werden von der Festung Europa abgewehrt», sagte der Schwyzer Nationalrat gegenüber unserer Zeitung. Europa müsse das Flüchtlingsproblem gemeinsam lösen. «Es braucht Kontingente für Flüchtlinge, die Schutz suchen», fordert Tschümperlin.

Lukas Leuzinger