Krippe

Krippe bietet auch Hütedienst zu Hause

Die Nachfrage nach subventionierten Betreuungsplätzen übersteigt weiter das Angebot. Gleichzeitig müssen sich private Anbieter anstrengen, ihre Plätze zu füllen.

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Begehrt

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Karen Schärer

«Unsere 10-monatige Tochter besucht ab August eine Kindertagesstätte. Obwohl wir uns erst im Frühling um einen Platz bemüht haben, konnten wir zwischen verschiedenen Krippen auswählen», berichtet ein Vater aus Luzern. Glücksfall oder – dank der Anschubfinanzierung des Bundes für neue Betreuungsplätze – Normalfall?

Den Überblick über die zurzeit verfügbaren freien Plätze hat Dominik Heeb. Er betreibt die Informationsplattform für die Betreuung von Kindern kiss-schweiz.ch. So gibt es in der Nordwestschweiz aktuell 327 freie so genannte 100-Prozent-Einheiten. Weil die meisten Eltern ihr Kind nur zu ungefähr 50 Prozent fremd betreuen lassen wollen, heisst das: Es hat freie Betreuungsplätze für rund 650 Kinder. Lässt sich daraus schliessen, dass der Krippenplatzmangel Vergangenheit ist?

«Nein», sagt Dominik Heeb. «Das System kann nicht immer zu 100 Prozent ausgelastet sein. Es braucht Zeit, bis ein freier Platz wieder besetzt werden kann oder bis die Plätze einer neu eröffneten Krippe besetzt sind.» Zwar zeigt die Statistik auch, dass seit Mitte 2009 deutlich mehr freie Plätze zur Verfügung stehen; doch müsse man dies in Relation zur ebenfalls gestiegenen Zahl der Plätze überhaupt stellen, sagt Heeb. «Relativ gesehen gibt es nicht mehr freie Plätze als früher.»

Sonderfall Luzern

Dass es dem jungen Vater in Luzern gelungen ist, innert kürzester Zeit einen Platz in einer Kindertagesstätte (Kita) zu bekommen, liegt am dortigen System: Seit April 2009 subventioniert die Stadt Luzern nicht mehr einzelne Betreuungsplätze, sondern direkt die Eltern. Diese erhalten Betreuungsgutscheine. Weil sich nahezu alle Luzerner Krippen dem Pilotprojekt angeschlossen haben, können Eltern, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Anspruch auf Subventionen haben, aus mehr Plätzen auswählen als im früheren System, als nur einzelne Krippen von der öffentlichen Hand unterstützt wurden.

In anderen Städten ist die Situation nach wie vor angespannt. Im «Report Familienergänzende Kinderbetreuung 2010» der Stadt Zürich heisst es: «Vor allem für Säuglinge übersteigt die Nachfrage noch immer das Angebot.»

In Basel sieht die Situation nicht anders aus: «Es gibt keinen Einbruch in der Platznachfrage», hält Sabine Ammann, Leiterin der Fachstelle Tagesbetreuung beim Kanton Basel-Stadt fest. In den letzten Jahren wurden im Kanton jedes Jahr 200 bis 300 neue Plätze geschaffen. «Vor allem die subventionierten Plätze sind sehr schnell wieder belegt», sagt Ammann.

Private Anbieter unter Druck

Auch die Stadt Bern hat in den letzten Jahren mehrere hundert zusätzliche subventionierte Plätze geschaffen. «Der Druck ist trotz dem Angebotsausbau nach wie vor hoch, und es kommt vor, dass wir jemandem keinen Platz auf den gewünschten Eintrittstermin vermitteln können», sagt Jürg Haeberli, Leiter des Jugendamts bei der Stadt Bern. Der Ausbau der subventionierten Plätze habe aber Folgen für die privaten Krippen: «Für diese wird es schwieriger, ihre Plätze zu füllen.»

Das grössere Angebot an subventionierten Plätzen spürt auch Nadja Pieren. Sie leitet seit fünf Jahren eine private Kindertagesstätte in Bern; eine weitere in Bremgarten (BE) öffnet diesen Monat. An beiden Standorten gibt es derzeit freie Plätze. «Konnte man früher auswählen, welches Kind man in die Krippe aufnehmen wollte, muss man sich heute abheben, um die Plätze an die Eltern verkaufen zu können», schildert Pieren. Mit einem besseren Betreuungsschlüssel, aber auch mit Angeboten wie Waldpädagogik oder einem Generationenprojekt, bei dem die Kinder mit Senioren zusammengebracht werden, bietet die Kindertagesstätte einen Mehrwert.

Professionelle Betreuung zu Hause

Doch der Wettbewerb unter den privaten Kitas ist gross. Seit Neustem setzt Pieren deshalb auf individuelle Betreuungsangebote: Eltern können ihr Kind morgens zu Hause abholen und abends nach Hause begleiten lassen. Nach Bedarf bleibt eine Praktikantin vor Ort, bis die Eltern von der Arbeit heimkehren, bereitet ein Nachtessen vor und steckt das Kind in den Pyjama. Auch private stunden- und tageweise Betreuung bietet die Kinderkrippe an. «Diese Angebote entsprechen einem Bedürfnis der Eltern», sagt Pieren. Um den zusätzlichen Personalaufwand planen zu können, schliesst sie mit den Eltern Jahresverträge für diese Zusatzangebote ab.