KRITIK: Armeechef soll Übungsbericht zeigen

Die Armee hat grosse Führungsprobleme, wie der Bericht einer Übung zeigt. Ida Glanzmann will, dass der Armeechef Antworten liefert.

Aleksandra Mladenovic
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Grenadier-Rekruten sprengen die Tür eines Hauses bei einer Übung im Rahmen der Sprengstoffausbildung der Rekrutenschule in Isone TI. (Bild: Keystone)

Grenadier-Rekruten sprengen die Tür eines Hauses bei einer Übung im Rahmen der Sprengstoffausbildung der Rekrutenschule in Isone TI. (Bild: Keystone)

Ida Glanzmann: «Wir können der Armee nicht immer weniger Geld geben und gleichzeitig mehr Personal fordern.» (Bild: Keystone)

Ida Glanzmann: «Wir können der Armee nicht immer weniger Geld geben und gleichzeitig mehr Personal fordern.» (Bild: Keystone)

In einem Krisenfall ist der Führungsstab der Armee schlichtweg nicht verfügbar. Diesen und weitere gravierende Mängel in der Armeeführung hat die «Zentralschweiz am Sonntag» nach Einsicht in einen unveröffentlichten Bericht zur Armeeübung «Stabilo Due» publik gemacht. Armeechef André Blattmann hatte offenbar persönlich zu verhindern versucht, dass dieser in Umlauf gerät.

Genauste Prüfung gefordert

Nun macht sich Empörung bei den Politikern breit. So wird sich die Sicherheitskommission des Nationalrats bereits heute mit den publik gewordenen Missständen befassen. Die Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann fordert im Interview mit unserer Zeitung die Offenlegung des Berichts und eine ausführliche Stellungnahme des Armeechefs. «Gegebenenfalls muss man das Ganze gar der Geschäftsprüfungskommission übergeben», sagt die Sicherheitspolitikerin.

Über allfällige Folgen für den Armeechef und sein Personal will sie jedoch nicht spekulieren. Als möglichen Grund für das schlechte Zeugnis macht sie die Armeereform 21 aus. «Damit hat die grosse Umstrukturierung der Armee begonnen, die ewigen Diskussionen um die Finanzen, die Reduktion des Personals und so weiter», sagt Glanzmann, die Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK) ist. Derzeit fokussiere man sich zu stark auf diese Themen, und anderes werde vergessen, etwa die Kontrolle beim Funktionieren der Armee und das Gewährleisten der Sicherheit. Durch alle Parteien fordern die Mitglieder der SIK, den Bericht zu sehen. Bereits heute wird sie darüber beraten.

Übungsbericht unter Verschluss

Zwischen dem 5. und 21. September 2012 hatten 2000 Armeeangehörige an der Übung «Stabilo Duo» teilgenommen. Anhand eines fiktiven Szenarios wurde die Einsatzbereitschaft der militärstrategischen, operativen und taktischen Führung der Armee überprüft. Die «Zentralschweiz am Sonntag» machte nach einer Einsicht in den unveröffentlichten Bericht gestern publik: Die Verfügbarkeit des Personals des Führungsstabs der Armee wäre im Krisenfall nicht gegeben. Zudem hat der Führungsstab etwa Mühe bei der Strukturierung seiner Arbeit, es gelingt ihm nicht, präzise Aufträge zu erteilen und die Luftwaffe richtig zu integrieren.