Bundesratswahlen
Kronfavorit Johann Schneider-Ammann regelt Nachfolge

Das lässt aufhorchen: Gestern hat Johann Schneider-Ammann schriftlich festgehalten, wie es in seinem Unternehmen weiterginge, wenn er Bundesrat würde.

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Theodor Eckert
Wechseln Unternehmer in den Bundesrat, müssen sie ihre Firmen in andere Hände übergeben. Kaspar Villiger hat dies getan und Christoph Blocher ist es auch nicht anders ergangen.

In Bezug auf seine Nachfolge gab sich der erfolgreiche Unternehmer und FDP-Nationalrat Schneider-Ammann bisher wortkarg. Darüber werde er nach einer allfälligen Wahl in den Bundesrat sprechen, liess er sich jeweils vernehmen.

Nun hat er doch überraschend den Schleier gelüftet. Im Brief an alle Mitarbeiter, der dieser Zeitung vorliegt, steht:

  • Im Verwaltungsrat würde Schneider-Ammanns Stellvertreter Roman Boutelier sofort als Präsident einspringen.
  • In der Geschäftsleitung würde ebenfalls der Stellvertreter, Ulrich Meyer, den Vorsitz übernehmen.

Weiter erwähnt Schneider-Ammann, dass das Unternehmen langfristig in Familienhand bleiben soll und wie es strategisch weitergeht:

  • «Die sechste Generation wird nach der Vervollständigung der Ausbildung bis in wenigen Jahren die Verantwortung übernehmen.»
  • «Die Aktionärsstruktur bliebt unverändert. Ammann und Avesco bleiben vollständig unter Kontrolle der Familien Schneider-Ammann und Ammann.»
  • «An der bisherigen Firmenstrategie wird festgehalten.»
  • «So wie ich seit zehn Jahren die Entwicklung der Avesco mit Interesse beobachte und begleite, würde ich das mit etwas grösserer Distanz künftig auch mit den gesamten Ammann Unternehmungen tun.»

Belegschaft soll beruhigt werden

Dass der Bundesratsanwärter in Sachen Information bereits gestern in die Offensive gegangen ist, dürfte nicht zuletzt mit dem Standort Langenthal zusammenhängen. Die Kandidatur des Chefs ist nicht nur mit Freude zur Kenntnis genommen worden.

Da und dort ist auch Besorgnis aufgekommen. Die Frage, wie es nach einer Wahl in die Landesregierung mit der Firma weitergehen soll, hing schwer über der Oberaargauer Metropole. Kein Wunder, die Ammann-Gruppe ist mit rund 1200 Mitarbeitenden allein in Langenthal der bedeutendste Arbeitergeber der Region.

Sorge um die Zukunft der Schweiz

Im Schreiben geht der beliebte Patron denn auch darauf ein und betont ausdrücklich, beinahe schon väterlich: «Ich ginge nicht aus der Welt», dabei ist das Wort «nicht» kursiv und unterstrichen.

Einige Zeilen weiter unten steht nochmals der Satz: «Damit verabschiede ich mich heute nicht. Die Politik ist voller Überraschungen. Warten wir also den Wahltag ab.»

Bei derart fürsorglichen Worten soll jemand auf die Idee kommen, der Mann habe nicht das Zeugs zum Landesvater.

Abgesehen davon gibt sich der Unternehmer durchaus staatsmännisch, wenn er seinen Leuten seine Beweggründe nochmals erläutert: «Nur mit vereinten Kräften können künftige Herausforderungen bestanden werden», und weiter: «Ich habe mich zu diesem Schritt aus Sorge um die Zukunft unseres Landes entschieden. Die kleine Schweiz ist exponiert.»