Landwirtschaft
Laboranalysen: Pestizideinsatz beunruhigt Imker

Der Artikel «Bauern setzen unerlaubte Pflanzenschutzmittel ein» hat bei den Bauern viel Empörung hervorgerufen. Die az hatte darin Ergebnisse von Laboranalysen veröffentlicht, die das Bundesamt für Landwirtschaft in Auftrag gegeben hatte.

Sermîn Faki
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Solothurner Zeitung

Die Analysen hatten ergeben, dass 14 von 97 untersuchten landwirtschaftlichen Betrieben Insektizide nicht gemäss den Bestimmungen des ökologischen Leistungsnachweises verwendet hatten.

Zur Wehr setzte sich unter anderem der aargauische Bauernverband. Er betonte, dass jenen Landwirten, die keine Sonderbewilligung für die verwendeten Pflanzenschutzmittel – es handelte sich um Cypermethrin, Thiacloprid, Tiametoxam und Tebufenocid – eingeholt hatten, vor allem «administrative Fehler» unterlaufen seien: «Dass keine Sonderbewilligungen eingeholt wurden, ist wohl eher der Hektik des Alltages zuzuschreiben, als, wie dargestellt, absichtlich und missbräuchlich», so Geschäftsführer Ralf Bucher. Gemessen an den «bescheidenen bäuerlichen Einkommen» seien die vorgenommenen Kürzungen – im Schnitt waren den betreffenden Landwirten 900 Franken abgezogen worden – «hoch genug».

Auch der St.Galler Bauernverband reagierte und stufte die Ergebnisse der erstmals durchgeführten Laboruntersuchungen ebenfalls als «administrative Versäumnisse» der Landwirte ein. Der Schweizerische Bauernverband wiederum gab zu bedenken, dass die Fläche mit Insektizideinsätzen weniger als zehn Prozent der Pflanzenschutzmitteleinsätze in der Landwirtschaft ausmache.

Keine Gefahr für Bienen

Gleichzeitig betonten die Bauernverbände, dass sie hinter den strengen Kontrollen stünden und gegen den Einsatz von nicht bewilligten Pflanzenschutzmitteln seien. Noch wichtiger sei aber der Umgang mit den eingesetzten Pflanzenschutzmitteln. Bei sachgerechter Anwendung seien die Wirkstoffe – anders als von der az behauptet – weder für Bienen noch für Gewässer problematisch. Selbst, so der Schweizerische Bauernverband, intensive Untersuchungen des Zentrums für Bienenforschung im bernischen Liebefeld hätten keinen Zusammenhang dieser Wirkstoffe mit dem Bienensterben nachgewiesen.

Zu ganz anderen Schlüssen kommt das internationale Pesticide-Action-Network PAN, das sich seit 1982 für den Ersatz gefährlicher Pestizide einsetzt. Es stuft Cypermethrin und Tiametoxam als bienengefährlich ein. Thiacloprid wiederum wird von der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA als potenziell krebserregend betrachtet.

Die widersprüchlichen Einschätzungen lassen sich erklären: Noch immer besteht kaum Gewissheit darüber, auf welche verschiedenen Arten Insektizide wirken. So meint der niederländische Toxikologe Henk Tennekes, «dass das Risiko wahrscheinlich enorm unterschätzt wird». Die gültigen Grenzwerte seien weitgehend aus Kurzzeittests abgeleitet worden. Gegenüber der az sagt er: «Würde man Langzeitversuche durchführen, würde man sehen, dass schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen verheerende Schäden auftreten.» Dies, weil Insektizide kumulativ wirkten. Ähnlich hatte sich bereits vor zwei Jahren Peter Gallmann, Leiter des Zentrums für Bienenforschung in Liebefeld, geäussert: «Insektizide töten die Bienen direkt», sagte er der «Wochenzeitung». «Es kann aber auch vorkommen, dass Bienen diese Substanzen in so niedriger Dosis aufnehmen, dass sie das überleben – anfänglich. Denn wenn mehrere nicht tödliche Wirkungen zusammenkommen, kann das für die Biene auch tödlich sein.»

Imker sind alarmiert

Der Artikel über den fehlerhaften Einsatz von Pestiziden hat auch die Imker aufgeschreckt. «Sollten die Ergebnisse stimmen, wäre das eine absolute Katastrophe für uns», sagt Richard Wyss, Zentralpräsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde, der laut eigenen Angaben 14000 Imker vertritt. Der Vorstand werde in den nächsten Wochen entscheiden, wie er dagegen vorgehen will. Er prüft unter anderem, ans Parlament zu gelangen und dort weitere Forschungen zu fordern.