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LANDWIRTSCHAFT: Agrarpolitik: Streit um Marktöffnung

Der Bauernverband geht gegen die Pläne des Bundesrats auf die Barrikaden. Manche Akteure sehen jedoch in einer Öffnung des Agrarmarkts auch Chancen. Ziel müsse es sein, mit Nischenprodukten Erfolg zu haben.
Maja Briner
Eine Marktöffnung würde die Preise sinken lassen. (Bild: Keystone)

Eine Marktöffnung würde die Preise sinken lassen. (Bild: Keystone)

Maja Briner

Die Reaktion des Bauernverbands liess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Der Bundesrat könne seine Gesamtschau zur Agrarpolitik schreddern, beschied er der Regierung vergangene Woche. Die lautstarke Kritik übertönte die Befürworter einer Marktöffnung im Agrarbereich. Diese gibt es durchaus – nicht nur bei Wirtschaftsverbänden. Auch in der Branche teilen nicht alle die Position des Bauernverbands.

Einer, der sich für weniger Grenzschutz im Agrarbereich ausspricht, ist Roland Werner, Verwaltungsratspräsident der Milchvermarktungsfirma Thur Milch Ring AG und selbst Milchbauer. Nach Ansicht des Thurgauers hat das heutige System Nachteile: «Beim Export legt uns der Grenzschutz unnötig Steine in den Weg, weil er unsere Produkte verteuert.» Gleichzeitig würden viele ausländische Produkte importiert, da diese trotz hoher Zölle nicht teurer seien als einheimische. «Der Grenzschutz macht den Schweizer Markt erst recht attraktiv, weil er das Preisniveau künstlich anhebt», sagt er.

Die Thur Milch Ring ist Mitglied der «Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz», der unter anderen Coop, Migros, Nestlé, Emmi und Hug angehören. Die IG bekennt sich zu einem «zukunftsgerichteten Öffnungsprozess für die Agrar- und Ernährungswirtschaft mit fairen Rahmenbedingungen».

Was würde weniger Grenzschutz für Firmen wie Emmi konkret bedeuten? Verwaltungsratspräsident Konrad Graber sagt: «Für Emmi halten sich die Vor-und Nachteile einer Marktöffnung im Agrarbereich in der Regel in etwa die Waage.» Ob diese auf die eine oder andere Seite kippe, hängt laut Graber auch von den konkreten Modalitäten einer Öffnung ab.

«Wir haben uns vorbereitet»

Bereits liberalisiert ist der Käsehandel mit der EU. Dort zeigen sich beide Seiten der Medaille: Einerseits könne Emmi dadurch mehr exportieren, sagt Graber. Gleichzeitig sieht sich der Konzern im Inland mit mehr ausländischer Konkurrenz konfrontiert. Für eine weitere Öffnung des Marktes sei Emmi strategisch gewappnet, sagt Graber. «Wir haben uns vorbereitet, da wir davon ausgehen, dass sich die Grenzen über die Zeit immer stärker öffnen werden.»

Für die Landwirte würde das bedeuten: Sie erhalten in der Schweiz weniger Geld für ihre Produkte. Agroscope hat berechnet, wie sich die Preise ändern würden, falls der Grenzschutz im Agrarbereich gegenüber der EU innert eines Jahres abgebaut würde. Das Resultat: Die inländischen Produzentenpreise würden bei der Milch um 21 Prozent zurückgehen, beim Poulet um 29 Prozent und beim Rindfleisch um 53 Prozent. Ohne Grenzschutz gebe es «keine auch nur annähernd kostendeckenden Produzentenpreise mehr», mahnt der Bauernverband denn auch. Und die Organisation der Schweizer Milchproduzenten warnt davor, «billige Produkte aus fragwürdigen Produktionssystemen» könnten den Markt fluten.

«Und plötzlich ist es weg»

Milchbauer Roland Werner hingegen sieht eine teilweise Marktöffnung als Chance. «Es gibt viele kaufkräftige Konsumenten, auch in anderen Ländern.» Die Schweizer Produkte seien bekannt für ihre Qualität, das gelte es zu nutzen. «Ziel muss sein, mit qualitativ hochstehenden Nischenprodukten auch auf ausländischen Märkten zu bestehen – so wie es andere Wirtschaftszweige bereits tun», sagt Werner. Er warnt aber davor, nun etwas zu überstürzen.

Zudem brauche es unbedingt Begleitmassnahmen. Politik und Branche müssten zusammen eine Vorwärtsstrategie erarbeiten, fordert er. «Sonst geschieht beim Grenzschutz das Gleiche wie beim Bankgeheimnis: Man hält lange daran fest – und plötzlich ist es weg.»

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