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LANDWIRTSCHAFT: Kuhhörner in der Verfassung: Der grosse Auftritt des Bergbauern

Die Hornkuh-Initiative stösst im Parlament zwar auf viel Sympathie, Unterstützung erhält sie aber kaum. Auch Bundesrat Schneider-Ammann stellt sich gegen das Volksbegehren – zollt dem Urheber Armin Capaul aber Respekt.
Maja Briner
Armin Capaul verfolgt die Debatte von der Zuschauertribüne aus. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Armin Capaul verfolgt die Debatte von der Zuschauertribüne aus. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Maja Briner

Sogar das deutsche Fernsehen ARD war da. Nicht etwa wegen der Bundesratswahl, sondern wegen Armin Capaul, dem Urheber der Hornkuh-Initiative. «Phänomenal» sei das, sagte der Bergbauer aus dem Berner Jura. Er kam am Donnerstag ins Bundeshaus, um zuzuschauen, wie der Ständerat über seine Initiative debattiert. Mit seiner Kappe, den wilden grauen Locken und der Jeans­jacke über dem karierten Hemd erregte er in der Wandelhalle ­einiges Aufsehen. Einige Parlamentarier zückten das Handy, um ein Foto zu machen.

Mit sich herum trug Capaul eine Tasche, darauf das Bild einer Kuh mit Hörnern. Darin: ein Kuhschädel. Capaul nimmt ihn im Gespräch kurzerhand hervor und erklärt: Das Horn sei keine tote Materie, sondern es sei durchblutet und von Nerven durchzogen. «Die Hörner sind wichtig für die Kommunikation und den Wärmeaustausch», sagt er. «Früher hatten alle Kühe Hörner, dann hat sich das leider geändert.» ­Capauls Forderung: Landwirte, die Kühe oder Ziegen mit Hörnern halten, sollen finanziell unterstützt werden.

Im Ständerat fand er damit keine Mehrheit: Mit 28 zu 8 Stimmen bei 8 Enthaltungen empfahl der Rat, die Initiative abzulehnen. Auffallend still blieben während der fast zweistündigen Debatte die Gegner – und wenn sie sich dann doch äusserten, betonten sie stets ihre Sympathie für das Anliegen. So auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann. «Mir gefallen die Tiere mit Hörnern besser», sagte er. Auch verdienten die Initianten eine gewisse Anerkennung. Capaul hatte mit der «IG Hornkuh» ohne ­grosse Organisation im Rücken die Initiative zustande gebracht. Gegen diesen Sympathieträger anzutreten, der sich offenbar auch zu inszenieren weiss, fällt den Gegnern schwer. Dabei sprechen laut Bundesrat gleich mehrere Gründe gegen die Initiative. Erstens verursacht diese Kosten von 30 Millionen Franken, die anderswo im Landwirtschaftsbudget eingespart werden müssten. «Geldgierig» sei die Initiative, hiess es am Donnerstag denn auch im Ständerat. Zweitens gibt es laut Bundesrat keine wissenschaftliche Beweise dafür, dass das Enthornen dem Wohlergehen der Tiere schadet. Die Initiative könnte laut Schneider-Ammann sogar kontraproduktiv sein: Die finanziellen Anreize könnten Bauern dazu verleiten, Kühe mit Hörnern zu halten – obwohl ihre Ställe nicht dafür geeignet sind.

Züchter warnen vor Unfällen

Widerstand gegen die Hornkuh-Initiative kommt auch von bäuerlicher Seite. Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter, SVP-Nationalrat Andreas Aebi, lehnt diese ab. «Ich bin nicht gegen Hörner», stellt er klar. Dass Tiere enthornt werden, habe aber gute Gründe. «Mit Hörnern gibt es die schrecklichsten Unfälle», sagt er. Bauern, Wanderer, aber auch die ­Tiere selbst seien gefährdet. Aebi schätzt, dass rund 15 Prozent der Bauern der Arbeitsgemeinschaft Tiere mit Hörnern halten. Er selbst gehört nicht dazu: Seit 1984 enthorne er seine Tiere, sagt er. «Meine Herde ist seither viel ruhiger.»

Der Schweizerische Bauernverband will zur Initiative erst definitiv Position beziehen, wenn das Parlament entschieden hat. Präsident Markus Ritter sagte: «Unsere Grundhaltung ist: Das Thema gehört nicht in die Verfassung.» Ritter zeigt sich aber offen dafür, das Anliegen der Initiative mit einer Verordnungsänderung aufzunehmen. «Behornte Tiere haben ihren Wert», sagt der St. Galler CVP-Nationalrat. Für die Bauern könnten sie Mehrkosten verursachen, weil Kühe mit Hörnern beispielsweise grössere Laufställe oder grössere Laufhöfe brauchen.

Er schlägt deshalb vor, Mehrkosten für Bauten für Tiere mit Hörnern einmalig besser abzugelten, dies durch eine Erhöhung der Strukturförderungsbeiträge um zwanzig Prozent. Das würde laut Ritter zwei bis drei Millionen Franken pro Jahr kosten. «Das könnte mit den bestehenden Mitteln finanziert werden», sagt er. Daneben sieht er aber auch den Unternehmergeist der Bauern gefragt: Für Produkte wie ein Hornkuhkäse bestehe ein Markt, sagt der Bauernverbandspräsident.

Der Tipp des Bundesrats

Einen Gegenentwurf zur Initiative gibt es bislang nicht. Der Ständerat verzichtete darauf, weil die Initianten sich nicht bereit zeigten, ihr Volksbegehren zurückzuziehen. «Es war nicht möglich, einen Brückenschlag zu machen», sagte Kommissionssprecher Isidor Baumann (CVP/UR) . Capaul sagt dazu: «Jene, die die Initiative unterschrieben haben, wollen ­darüber abstimmen. Nicht über etwas anderes.» Das deutliche Verdikt des Ständerats nahm er gelassen zur Kenntnis: «Ich habe nichts anderes erwartet.»

Capaul ist mit seinem Begehren schon mehrmals abgeblitzt. Er schrieb Briefe an die Behörden und an den Bundesrat, lancierte eine Petition – vergebens. Dann gab ihm ausgerechnet Schneider-Ammann den Hinweis, dass er eine Initiative lancieren könnte; was dieser prompt tat.

Nun rüstet sich Capaul für den Abstimmungskampf. Er ist auf Geldsuche. Das Sammeln der Unterschriften hatte er zunächst selbst bezahlt – nicht zur Freude seiner Frau. Diesmal habe sie ihm verboten, eigenes Geld einzusetzen. Erste Spenden seien eingetroffen, sogar aus den USA: «Auslandschweizer aus San Francisco haben 3500 Franken beigesteuert», sagt Capaul.

Bevor es zur Abstimmung kommt, wird der Nationalrat noch über die Initiative beraten. Ob er auch diese Debatte mitverfolgen wird, wisse er noch nicht, sagte Capaul am Donnerstag. Er sei etwas müde vom Medienrummel, müsse seine Kräfte einteilen. «Wenn ich geschwächt bin, nütze ich den Kühen auch nichts mehr.»

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