Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LANDWIRTSCHAFT: Mangelware Bauernhof: Jungbauern fehlt Perspektive

In der Schweiz werden immer mehr Bauernhöfe aufgelöst. Trotzdem ist es für Jungbauern schwierig, ausserhalb der Familie einen Betrieb zu übernehmen. Der Bund hat das Problem erkannt.
Dominik Weingartner
Die Zahl der Landwirte, die in der Schweiz einen Hof suchen, ist viel höher als das Angebot. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone)

Die Zahl der Landwirte, die in der Schweiz einen Hof suchen, ist viel höher als das Angebot. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone)

Dominik Weingartner

In der Schweiz gibt es immer weniger landwirtschaftliche Betriebe. Zwischen 2005 und 2015 ist die Zahl von 64'000 auf 53'000 gesunken. Die pro Betrieb bewirtschaftete Fläche stieg im gleichen Zeitraum von 16,7 auf 19,5 Hektaren. Der Trend geht hin zu grösseren Betrieben. Das heisst umgekehrt auch, dass es immer weniger Bauern gibt. Die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten sank um 14 Prozent auf 155'200 Personen, wovon allerdings nur 45 Prozent Vollzeit arbeiten.

Doch es gibt viele junge Schweizer, die vom Bauernleben träumen. Einer von ihnen ist Christian Brunold. Der 26-jährige Bündner möchte einen eigenen Betrieb erwerben. Doch das ist gar nicht so einfach. «Ich suche schon seit fünf Jahren einen Hof», sagt er. Brunold hat nach einer Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt eine Zweitausbildung zum Landwirt absolviert. Den elterlichen Hof in Churwalden übernimmt sein jüngerer Bruder. Brunold möchte am liebsten einen Hof kaufen. Doch das ist teuer: «Ich müsste je nachdem eine bis zwei Millionen Franken Eigenkapital haben für einen Betrieb, der selbsttragend ist. Das habe ich halt nicht gerade zur Hand», sagt er.

Studie in Auftrag gegeben

Brunold wünscht sich, dass er zu Beginn einen Stall mit ein bisschen Land pachten könnte. «Man muss nicht von Anfang an viel Boden haben, aber man muss irgendwo starten können», sagt er. Doch solche Angebote sind schwer zu finden. Brunold, der dereinst einen Bergbauernhof führen möchte, ist deshalb bereit, Kompromisse einzugehen. Suchte er zu Beginn noch in der näheren Umgebung, kann er sich mittlerweile vorstellen, auch weiter entfernt etwas zu übernehmen.

Der Bundesrat hat das Problem erkannt. In einer Antwort auf ein Postulat des Basler SP-Nationalrats Beat Jans schreibt er, es stelle sich die Frage, wie der Einstieg von Dritten und damit die Übernahme von Betrieben erleichtert werden könne. Das Bundesamt für Landwirtschaft habe im Sommer eine externe Studie in Auftrag gegeben. Diese soll abklären, mit welchen rechtlichen Anpassungen dies erreicht werden könne, «ohne jedoch der Spekulation mit landwirtschaftlichem Boden Vorschub zu leisten oder die Ziele der Raumplanung zu gefährden», so die Landesregierung. Ergebnisse sollen im zweiten Halbjahr 2018 vorliegen.

Leute wie Christian Brunold, die einen Hof übernehmen wollen, gib es viele. «Die Zahl der Suchenden ist um ein Vielfaches grösser als das Angebot», sagt Jakob Vogler von der Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe. Die Stiftung hat eine Informations- und Vermittlungsstelle zur Hofnachfolge ausserhalb der Familie geschaffen. «Wir konnten schon viele Verpachtungen und Verkäufe begleiten und so jungen Landwirten den Einstieg in die Selbstständigkeit ermöglichen», sagt Vogler. Dabei sei die Beratung ein entscheidender Faktor. Über die Webseite Hofnachfolge.ch können Interessierte erste Informationen abrufen. «Wie bei KMU-Betrieben ist es für Landwirte eine grosse Herausforderung, das Lebenswerk in familienfremde Hände zu übergeben», sagt Vogler. Die Abtreter müssten sich in erster Linie darüber freuen können, dass der Hof weitergeführt werde. «Viele Landwirte ohne familieninterne Nachfolge geben den Hof heute beim Eintritt ins AHV-Alter aber auf, weil oft zu diesem Weg geraten wird», erklärt er. Das sei der einfachste und finanziell interessanteste Weg. «Die Familie kann auf dem Hof wohnen bleiben, das Land wird meistens zuerst verpachtet und später durch die Erben verkauft», so Vogler.

Kaum stemmbare Herausforderung

Für junge Landwirte ohne Hof in der Familie sei die Finanzierung eines Betriebes eine grosse Herausforderung, sagt Vogler. «Deshalb ist die Pacht für junge Berufsleute oft die einzige Möglichkeit zum Einstieg in die Selbstständigkeit.» Doch die Verpachtung ganzer Betriebe sei durch die festgelegten Höchstzinse wenig attraktiv für die Verpächter. Vogler moniert: «Der Staat hemmt die Hofnachfolge ausserhalb der Familie durch die Agrarpolitik und die gesetzlichen Vorgaben beim bäuerlichen Bodenrecht, Pachtrecht, Raumplanungs- und Steuerrecht und fördert damit aktiv den Strukturwandel.»

Markus Ritter, St. Galler CVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes, sagt: «Das Problem bei der ausserfamiliären Hofübergabe liegt beim Kapitalbedarf und dessen Beschaffung.» Auch innerfamiliär funktioniere dies oft nur, wenn die abtretende Generation ein Darlehen gewähre. Es müsse also irgendjemand Kapital einwerfen, sagt Ritter. Doch: «Der Bund dürfte diese Aufgabe wahrscheinlich nicht übernehmen wollen», so der Bauernpräsident. Es komme hinzu, dass für viele Bauern das Wohnhaus ein Teil der Altersvorsorge sei. «In diesen Fällen wird das Land an die umliegenden Betriebe verpachtet», erklärt Ritter.

Bei Christian Brunold ist die Zuversicht, bald einen eigenen Hof zu finden, nach fünf Jahren erfolgloser Suche zwar etwas geschwunden. Aufgeben will er trotzdem nicht, denn er sagt: «Landwirt ist der schönste Beruf, den es gibt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.